Hörsaalzentrum „Carl“: Wo die Hausmeister auch den DJ geben

Von: Ines Kubat und Oliver Schmetz
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Semesterstart: 64 Monate nach dem ersten Spatenstich und nach mehrmonatiger Testphase geht des Hörsaalzentrum „Carl“ in den Betrieb. Am Diensag hielt sich der Andrang noch in Grenzen. Foto: Andreas Steindl
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Und wo die Zufahrt zum Fahrradparkhaus ist, muss sich noch herumsprechen. Foto: Andreas Steindl
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Und wo die Zufahrt zum Fahrradparkhaus ist, muss sich noch herumsprechen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit Piktogrammen ist das so eine Sache. Denn manchmal werden die schlichten Bildbotschaften offenbar nicht richtig verstanden. Am neuen Hörsaalzentrum „Carl“ kann man das an diesem Morgen besichtigen: An der zur Claßenstraße gewandten Fassade des 45-Millionen-Euro-Bauwerks ist ganz rechts ein großes Fahrradsymbol angebracht – genau dort, wo die Rampe hinabführt in das hochmoderne Fahrradparkhaus mit 600 Stellplätzen.

Doch während unten im Keller gerade einmal ein paar Drahtesel parken, reiht sich oben am Geländer direkt unter dem Piktogramm Rad an Rad. Aber vielleicht muss sich das noch einspielen. Schließlich ist dieser Tag für das schmucke Hörsaalzentrum der erste im richtigen Vollbetrieb – nach einer Reihe von Bauverzögerungen, bedingt durch Klagen und Firmenpleiten. 64 Monate nach dem ersten Spatenstich.

Und vielleicht wird das Parkhaus künftig auch besser genutzt, wenn dort Musik läuft. Neben Hunderten knallroten Schließfächern und Kameras zur Videoüberwachung hängen dort auch 32 Lautsprecher. Und diese sollen die Studierenden demnächst frühmorgens mit Musik empfangen. So erzählt es jedenfalls einer der vier Hausmeister, zu deren Job es dann auch gehören soll, die Radfahrer zu beschallen.

Doch an diesem ersten richtigen Betriebstag haben die beiden Kollegen, die sich die Frühschicht teilen, noch Wichtigeres zu tun, als den DJ zu geben. Seit sechs Uhr früh sind sie im Einsatz, schließen alle elf Hörsäle und die 16 Seminarräume auf und checken überall die hochmoderne Technik, bevor das „Carl“ um 7.30 Uhr seine Pforten öffnet. Und auch in den Stunden danach sind sie ständig unterwegs, helfen bei Problemen und weisen manchmal auch hilfesuchenden Studenten den Weg durch den riesigen Neubau.

Für die architektonischen Finessen des Gebäudes haben allerdings nicht alle Studierenden beim Start ins neue Semester einen Blick. Manch einem entfährt zwar ein kurzes „Wow“, als er die große Aufenthaltshalle mit ihren offenen Treppen, Brücken und Galerien betritt, an die sich rechts und links die Hörsäle und Seminarräume mit insgesamt 4182 Lernplätzen anschließen. Doch die meisten sind in Eile, wollen zur Vorlesung.

Vor allem die beiden großen, nebeneinander liegenden Hörsäle sind gegen 10 Uhr gut besucht. Im linken startet eine Übung zu Grundgebieten der Elektrotechnik, im rechten beginnt Professor Alexander Mitsos seine Vorlesung „Simulationstechnik 1“ – was ziemlich gut passt: Schließlich hat man im „Carl“ ja in den vergangenen Monaten akribisch den „Echtbetrieb“ simuliert.

Und dabei scheinen die Verantwortlichen einen ziemlich guten Job gemacht zu haben. Denn an diesem Vormittag läuft alles relativ reibungslos. „Sogar besser als erwartet“, wie einer der beiden Hausmeister sagt.

Dass derweil Studierende auch von technischen Fehlern berichten – in einem Hörsaal sollen die nagelneuen Beamer nicht funktioniert haben –, weisen die Technikverantwortlichen zurück: Alles habe gut funktioniert, kleine Pannen seien auf „Bedienungsfehler“ zurückzuführen gewesen. Offenbar müssen sich auch manche Dozenten erst noch an die hochmoderne Ausstattung gewöhnen.

Allerdings liefert dieser erste Tag nicht den absoluten Ernstfall. Zwar finden in den 27 Räumen 97 Veranstaltungen statt, doch ist da in Sachen Kapazität „noch Luft nach oben“, wie einer der Hausmeister sagt. Für den Anfang jedoch läuft es recht rund im „‚Carl“, dem man nicht anmerkt, dass der ursprüngliche Entwurf abgespeckt werden musste, weil er den Kostenrahmen sprengte.

Und was noch nicht rund läuft, wird sich sicher einspielen. Außerdem kann man ja immer nachbessern, etwa bei der Beschilderung. Und das nicht nur am Fahrradparkhaus. Allerdings können auch Schilder für Heiterkeit sorgen. Im Hörsaal HO2 gibt es zum Beispiel einen „Pumittelraum“. Ohne t und z. Da wäre vielleicht ein Piktogramm besser gewesen.

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