Hochzeitsplanerin kämpft ums Ja-Wort

Von: Robert Esser
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Sie flankieren die Unternehmensgründung der türkischen „Wedding-Plannerin” Özlem Yüksekli: Die Aachener Wirtschaftsförderer (von links) Bülent Tiz, Dieter Begaß und Thomas Hissel suchen „hidden Champions” - die verborgenen Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sie traut sich was. Özlem Yüksekli will „Wedding Plannerin” werden - Hochzeiten planen und davon leben. Rund 100 türkische Hochzeiten gehen allein in Aachen pro Jahr über die Bühne, jeweils mit 500 bis 2000 Gästen. Zehntausende Euro kostet das pro Vermählung. Potenzial fürs Geschäft sollte also da sein.

Umso enttäuschter war Özlem Yüksekli, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt und hier drei Kinder großgezogen hat, als ihr die Bank keinen Kredit zur Unternehmensgründung einräumen wollte. Der simple Grund: Sie kann sich kaum auf Deutsch verständigen - und war ohne familiäre Unterstützung auf sich allein gestellt.

„Dann habe ich bei der Wirtschaftsförderung Aachen-Ost vorgesprochen, und seitdem bin ich gerettet”, sagt die sympathische Frau. Dort entdeckt man reihenweise „hidden Champions”, die verborgenen Talente. Hier werden Menschen - etwa mit Migrationshintergrund - auf vielfältige Weise und mit ganz individuellen Konzepten für den Arbeitsmarkt fit gemacht. Oder für eine Firmengründung.

9100 Unternehmensgründungen

Der Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsförderung, Dieter Begaß, rechnet vor, dass in Deutschland bereits 580.000 Unternehmen von Migranten gegründet wurden, in der Region 9100. „Leider haben die Unternehmensgründungen von Migranten nicht die gleiche Überlebensrate wie von Deutschen - noch nicht. Da setzen wir an”, sagt Begaß. Und räumt gleich mit einem Vorurteil auf: „Es geht hier nicht nur um Obstläden, Kioske und Schnellimbisse. Fast 15 Prozent der Existenzgründungen von Migranten betreffen in der Hochschulstadt Aachen den technologisch-wissenschaftlichen Sektor.” Viel mehr als in den meisten anderen deutschen Städten.

Zurück zu Özlem Yüksekli. Im Büro der Wirtschaftsförderer am Reichsweg lernte sie ihren Berater Bülent Tiz kennen. Der knüpfte für die zielstrebige Gründerin Kontakte, stellte einen Finanzierungsplan auf, begleitete sie zu Terminen bei Banken und der Industrie- und Handelskammer. Dann wurde ein Antrag auf staatliche Fördermittel für ihr Gründungsvorhaben gestellt. „Wir machen hier keine Schublade auf und stellen mal eben 20.000 Euro für eine Geschäftsidee zur Verfügung”, erklärt Tiz. „Wir gehen das Schritt für Schritt und ganz seriös an.” Wirtschaftsförderer Thomas Hissel unterstreicht: „Wir verstehen uns als vertrauensvolle Kommunikationspartner und als Lotsen durch den bürokratischen Dschungel - bis zur Erreichung einer eigenen Sicherheit und Erfahrung im unternehmerischen Umfeld.” Normalerweise seien Menschen mit Migrationshintergrund einem doppelt so hohen Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt wie Deutsche, erläutert Hissel. Sprachbarrieren überwinden, dem Fachkräftemangel begegnen - die Ziele der Wirtschaftsförderer sind klar formuliert. Auch bei den Existenzgründern. In einem Jahr hat Tiz über 100 Unternehmer beraten. Zehn Gründungen sind bereits vollzogen.

Özlem Yüksekli könnte als „Wedding Plannerin” die elfte werden. Jetzt wartet sie auf ihr Mikrodarlehen von der NRW Bank. Wenn deren Ja-Wort kommt, soll Yükseklis Hoch-Zeit beginnen. Dafür traut sie sich was.

Aachen-Ost: Kontakt zu den Förderern

Die Wirtschaftsförderung Aachen-Ost engagiert sich - im offiziellen Jargon - für ein Projekt zur Bündelung von Maßnahmen auf dem arbeitsmarkt-, beschäftigungs-, struktur- und sozialpolitischen Sektor zur Stärkung der sozialräumlichen Integration in Aachen-Ost im Rahmen des Bundesmodellvorhabens „Soziale Stadt NRW - Wir setzen Zeichen!”. Die AZ stellt Beispiele vor.

Einfacher formuliert: Die Wirtschaftsförderer helfen da, wo sie können. Ansprechpartner im Haus der Integration, Reichsweg, ist Bülent Tiz: 4327666, Email: buelent.tiz@mail.aachen.de
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