Hochkarätige Tagung bei der Bischöflichen Akademie

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Aachen. Luther selbst hatte kaum im Sinn, eine neue Kirche zu gründen, als er vor bald 500 Jahren seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosstür nagelte. Und doch brachte er etwas in Bewegung. Genau das erhoffen sich die Ausgestalter des Reformationsjubiläums bundesweit, aber auch in Aachen.

Vielleicht könnte aus dem Westzipfel sogar ein ganz besonderer Impuls für das friedliche Miteinander verschiedener Religionen im Allgemeinen und dem Zusammenrücken von katholischer und evangelischer Kirche im Besonderen ausgehen. Nachgegangen werden soll dem mit einer Tagung in der Bischöflichen Akademie und einer dreimonatigen Ausstellung im Centre Charlemagne (3. Juni bis 3. September) unter dem Titel „Das Ringen um den rechten Glauben“.

Denn während im Rest des Landes nicht selten die Waffen in eben diesem Ringen sprachen, versuchten es die Aachener mit einer Art friedlicher Koexistenz der Religionen. „In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde hier ein trikonfessioneller Alltag gelebt. 1581 übernahm ein mehrheitlich evangelisches Stadtregiment für 17 Jahre die Macht – ohne große Verwerfungen nach sich zu ziehen. Im Zusammenleben der Konfessionen wurde dem Frieden und der Verfassungstreue Vorrang gegeben gegenüber dem Kampf um die Wahrheit“, erklärte Pfarrer Jens-Peter Bentzin, Vorsitzender des Arbeitskreises Reformationsjubiläum im Kirchenkreis. Ein Blick in diese Geschichte könne eine Anregung für ein Zusammenleben der Religionen heute und in Zukunft geben.

So ist dann auch die Tagung aufgebaut, bei der viele Historiker aus Aachen, aber auch aus Duisburg/Essen, Münster und Leiden am 21. und 22. April in der Bischöflichen Akademie Themen der regionalen und westdeutschen Reformationsgeschichte beleuchten. Der Freitag steht dabei ganz im Zeichen der Vergangenheit „und ist gleichzeitig ganz nah an der heutigen Forschung dran.

Sehr viele Vortragende haben gerade in diesen Themen promoviert“, versprach Professor Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne und Kurator der Reformationsausstellung, hochaktuellen wissenschaftlichen Input. Am Samstag wird der frühere und heutige Umgang mit dem Reformationsjubiläum sowie die Bedeutung des Miteinanders der Religionen für die Integration heute beleuchtet. Heidemarie Ernst, Integrationsbeauftragte der Stadt Aachen, wird zum Beispiel zu letzterem Thema über den „Dialog der Religionen“ berichten.

Weniger theoretisch, vielmehr sinnlich erfahrbar wird die Reformation schließlich beim Abendempfang am Freitag und bei der Abschlussexkursion am Samstag: Die älteste evangelische Kirche Aachens, die Annakirche, öffnet ihre Pforten für die Tagungsteilnehmer zunächst zu einem Konzert für Gesang (Anna Pehlken, Sopran) und Orgel (Klaus-C. van den Kerkhoff), anschließend steht Pfarrer Armin Drack als Gesprächspartner zur Verfügung. Bei einem Stadtspaziergang im Anschluss der Tagung geht es zu den „Stätten der Reformation in Aachen“.

Dass die Besonderheit der religiösen Entwicklung des Aachener Fleckens, der zu Lebzeiten Luthers nichts von dessen Reformationsgeist abbekommen hat, heute Akzente im Reformationsjubiläum setzen kann, ist Pfarrer Bentzin überzeugt: „Unsere Zugänge spielen mit im Denken, was Reformation war und heute sein kann. Das nimmt die Rheinische Kirche, aber auch die EKD wahr. Für das Nachdenken über Religionsfreiheit und das Zusammenleben der Religionen können wir von Aachen ausgehend Akzente setzen.“ Bemerkbar mache sich das bereits in der Ökumene: „Ich erlebe, dass sich die katholische und evangelische Kirche deutlich aufeinander zu bewegt – so stark wie nie zuvor.“

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