Hobby während der Schulzeit: Gymnasium kooperiert mit Musikschule

Von: Stefan Herrmann
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Aachen. Wenn ihre Mitschülerinnen zum Matheunterricht marschieren, biegt Jette Weber einmal in der Woche ab und übt in der Schule Gitarre. „Dieses Instrument wollte ich schon immer spielen können“, sagt die Fünftklässlerin des Gymnasiums St. Ursula.

Nun ist es nicht so, dass Jette dafür heimlich den Unterricht schwänzen müsste. Sie hat gewissermaßen von ganz oben grünes Licht bekommen für den sogenannten schulzeitintegrierten Musikunterricht. „Wir haben uns vor einiger Zeit die Frage gestellt: Wie geht man mit Komplexität in der Schule um?“, erklärt Leiter Patrick Biemans. G8 und Ganztag haben dazu geführt, dass der Raum für Hobbys und andere Aktivitäten der Schüler deutlich geschrumpft ist. Das St. Ursula setzt daher mittlerweile auf das sogenannte Drehtürmodell und hat dafür in der Musikschule Aachen den perfekten Partner gefunden.

Und so funktioniert es: So wie Jette Weber gibt es etwa knapp 20 weitere Schülerinnen am Aachener Mädchengymnasium, die gerne ein Instrument lernen. Da sie alle in den klassischen Fächern wie Mathe, Deutsch oder Englisch gut mitkommen, können sie einmal in der Woche gewissermaßen ihr Hobby während der Schulzeit ausleben. Dafür kommen dann die Lehrer der Musikschule in das Gymnasium. Dort geben sie in einem separaten Raum Unterricht. Geige, Flöte, Klavier und eben Gitarre sind derzeit im Angebot.

„Nirgendwo stößt das Drehtürmodell auf so viel Resonanz wie an St. Ursula“, freut sich Kerstin Schreiber vom Fachbereich Bildungskooperationen der städtischen Musikschule. Neben St. Ursula setzen auch das Couven-Gymnasium, die Heinrich-Heine-Gesamtschule und das Kaiser-Karls-Gymnasium auf das Drehtürmodell. Man habe die Erfahrung gemacht, so Schreiber, dass es vielen Eltern immer schwerer falle, ihre Kinder nach einem langen Schultag auch noch zur Musikschule zu bringen. Oder eben zum Vereinssport oder der Schwimmstunde.

Die beruflichen Anforderungen an junge Familien sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Eltern müssen immer häufiger auch abends oder am Wochenende arbeiten. Da noch das „Taxi“ für die Kinder zu spielen, sei teilweise kaum mehr möglich, weiß Schreiber. „Daher lautete unser Gedanke: Wir bringen unser Angebot dahin, wo die Kinder sind – in die Schule.“ Bei St.-Ursula-Leiter Biemans stieß sie mit dem Drehtürmodell auf offene Ohren. Die Schule hat einen ihrer Schwerpunkte in der kulturellen Arbeit. Die Kooperation mit der Musikschule bezeichnet Biemans als Win-win-Situation. „Es hilft unseren Schülerinnen enorm, wenn wir als Gymnasium mit anderen Einrichtungen vernetzt sind. Und im Falle des Drehtürmodells muss man einfach sagen: Es passt perfekt!“

Einige Voraussetzungen müssen natürlich trotzdem erfüllt sein, damit ein Kind am separaten Instrumentenunterricht teilnehmen kann. Die wichtigste neben dem grundlegendem Interesse am Erlernen eines Instruments: Nur wenn die Leistungen in den anderen Fächern stimmt, steht der Gitarrenstunde statt Deutsch oder Mathe nichts im Wege. Dies werde im Vorfeld mit den entsprechenden Fachlehrern geklärt, so Biemans. Den Stoff, den sie während des individuellen Unterrichts verpassen, müssen die Schülerinnen nämlich anschließend selbst auf- und nacharbeiten. Daher sagt Biemans: „Herausforderung ist eine gute Sache, es darf nur keine Überforderung für die Schüler sein.“ Dies gelinge bisher beim Drehtürmodell gut und sei als ein Teil der individuellen Förderung ein wichtiger Baustein des pädagogischen Konzepts an St. Ursula.

Mit seinen fünften Klassen setzt das Gymnasium am Bergdriesch seit diesem Schuljahr ein neuartiges Ganztagsmodell namens „3plus2“ um. Die Schülerinnen bekommen keine klassischen Hausaufgaben mehr auf und erhalten – in den Unterrichtsalltag integriert – mehr Freiraum für selbstständiges Lernen.

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