Historisches Flair in Kornelimünster

Von: Leon Kirschgens
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Feuer und Flamme für den Historischen Jahrmarkt: Tausende Besucher zog es bei (fast) durchweg gutem Wetter in den vergangenen fünf Tagen nach Kornelimünster. Foto: Andreas Steindl
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Tausende Besucher zog es bei (fast) durchweg gutem Wetter in den vergangenen fünf Tagen nach Kornelimünster. Foto: Andreas Steindl
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Süßes für die Jahrmarktsbesucher: Christiane Karras-Holewa stellt Konfitüre her. Foto: Andreas Steindl
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Fast wie im Mittelalter: Tseng-Hai Sun fertigt Schmuck aus Hufnägeln an. Foto: Andreas Steindl

Kornelimünster. Eine Früchtefee sei sie. Und „watt Süsset für auff et Bütterken“ habe sie mitgebracht. Jenes Süße – ihre Waldmeister-Riesling-Konfitüre sei super angekommen – stamme zum Großteil sogar aus ihrem eigenen Garten. Besagte Früchtefee heißt im wahren Leben Christiane Karras-Holewa. Ihr Konfitüre-Stand war einer der Renner auf dem historischen Jahrmarkt in Kornelimünster.

Tausende pilgerten in den vergangenen fünf Tagen wieder in jenes beschauliche Örtchen, das sich zum mittlerweile 42. Mal als Paradies für Gaukler, Händler und Zauberer präsentierte.

In „Knolle“ verkaufen

Auch Karras-Holewa schwärmte von der einzigartigen Stimmung des historischen Jahrmarkts. „Hier kann man super mit den Besuchern ins Gespräch kommen“, sagte sie. Dabei sei sie eher zufällig zur leidenschaftlichen Konfitüre-Händlerin geworden. „Früher habe ich die Konfitüre immer für meine fünf Kinder gemacht“, sagte sie, „aber jetzt sind die schon alle aus dem Haus.“ Da habe es nur eins gegeben: Weiterhin Konfitüre machen und in „Knolle“, wie der Lokalpatriot seinen Ort nennt, auf dem Jahrmarkt verkaufen.

Ganz zum Ambiente des mittelalterlichen Ambientes passte auch der Stand von Birgit und Tseng-Hai Sun. Sie fertigen Schmuckstücke aus echten Hufnägeln an. „Schon im Mittelalter haben die Menschen aus dem weichen Eisen Schmuck gemacht, weil oft das Geld für edlere Metalle fehlte“, sagte Birgit Sun. Die Hippies aus den 60ern hätten die Idee kurz wieder ausgegraben, dann aber schnell wieder fallengelassen.

„Heute sind wir, soweit ich weiß, die einzigen Hofnagel-Schmuckhändler in Deutschland.“ Die teils ausgefallenen Ideen wie den Eiffelturm-Ohrring entwickle sie selbst. „Und mein Mann hat dann die Ehre, die Idee umzusetzen“, sagte sie und lächelte ihren Mann an, der auch während des Jahrmarkts unermüdlich mit Hammer und Zange die Hufnägel bog und bearbeitete. Denn für so eine eiserne Halskette könnten schon einmal sechs Stunden draufgehen.

Mittelalterlich war zwischenzeitlich allerdings auch der Handyempfang, Anrufe oder mobiles Internet ließen sich nur sporadisch empfangen – was wohl vor allem für die jüngeren Gäste einen kleinen Wermutstropfen darstellte. Mobiltelefone auf dem historischen Jahrmarkt – das muss zusammenpassen, haben viele gemeint.

Altehrwürdiger Autoscooter

Etwas abseits vom großen Tummel mit einem Autoscooter aus den 1950er-Jahren, Riesenrad und Schießbudenstand auf dem zentralen Korneliusmarkt hatten die Antiquitätenhändler ihre Stände aufgebaut. Einer von ihnen war Ralf Laschet, der auch gleichzeitig in einem der bunten Fachwerkhäusern wohnt. „Für mich hätte es besser laufen können“, sagte er, „dieses Jahr scheinen die Leute mehr wegen der klassischen Kirmes zu kommen“.

Und wie es ist, wenn fast ein Woche lang Remmidemmi vor der eigenen Haustür herrscht? „Zeitweise schon etwas stressig. Vor allem abends – vergangene Nacht bin ich dreimal aufgewacht“, sagte er, „aber das sind ja nur fünf Tage im Jahr.“ Bezirksbürgermeister Jakob von Thenen (CDU) zog jedenfalls eine positive Bilanz. „Der Jahrmarkt ist sehr positiv verlaufen, es gab keine großen Zwischenfälle.“ Einzig das Ordnungsamt habe unzählige Knöllchen verteilen müssen.

Die, gelinde gesagt, vollgeparkten Straßen sorgten auch bei dem ein oder anderen Anwohner für Unmut. „Manche Leute wollen nicht einmal die vier Euro für die ausgewiesenen Parkplätze ausgeben und parken dann bis zu unserer Haustür alles voll“, so Anwohnerin Martina Volkhardt. „Leider hatten die wenigsten dafür Verständnis, dass wir als Anwohner gern den Parkplatz vor unserer Türe für uns reservieren wollen“, bestätigte auch ihr Mann Rüdiger. Sein Resümee: „Der Markt ist eine tolle Attraktion, bedeutet für uns aber immer fünf Tage Unruhe.“

Wiedersehen fest eingeplant

Fünf Tage allerdings, die für Gaukler und Zauberer Filu, der zum zweiten Mal nach Kornelimünster gekommen war, zukünftig fest eingeplant sind: „Dieses Flair, diese Kulisse – das ist der Hammer hier“, sagte er, „und dann auch noch so gut besucht, die Leute sind gierig.“ Das nächste Jahr, der nächste historische Jahrmarkt – er kann also kommen.

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