Aachen - Hinter dem Nadelöhr soll der Knoten platzen

Hinter dem Nadelöhr soll der Knoten platzen

Von: Robert Esser
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Technologieoase statt Industriebrache: Das ehemalige Krantz-Gelände entwickelt sich in Uersfeld - fast im Verborgenen - zu einem schicken Engineering Park der besonderen Art. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer zum Engineering Park Aachen (EPA) will, muss durch ein Nadelöhr, und das seit Jahrzehnten. Damals schufteten auf dem Gelände des Maschinenbauers Krantz in Uersfeld, östlich von Richterich und nördlich von Laurensberg, mehr als 500 Menschen.

Zum Arbeitsplatz führte eine Dorfstraße, in einer Kurve zwischen beschaulichen Häuserfronten so eng, dass nicht mal Gegenverkehr vorbeipasste. Wie heute.

Das schmale Asphaltband windet sich immer noch durch Uersfeld. Aber das dahinter im Grünen verborgene Gelände, auf dem Hermann Krantz 1882 sein Familienimperium begründete, gedeiht gerade trotz des teils fast 60 Jahre alten Gebäudebestandes zu einer Oase für hochmoderne Ingenieurskunst.

Nach dieser neuen Blüte sah es lange Zeit nicht aus. Von Krantz und dem späteren Eigentümer Babcock überlebte M+W Zander. Und man schrumpfte, benannte die verschiedenen Krantz-Firmen in Caverion um. Warum blieb man am Aachener Stadtrand? Dort drohte eine hässliche Industriebrache. Antwort: Weil alles anders kam.

Den heruntergewirtschafteten Komplex übernahmen 2008 zu gleichen Teilen der Aachener Investor Norbert Hermanns (AMW Projekte) und der Kohlscheider Architekt Michael Heins (Wohnungsbau Heins). Die Projektplaner sanierten vor allem das Interieur der Gebäude - in alt-industrieller Hülle.

Nach eigenen Angaben flossen rund zehn Millionen Euro. Neues Foyer, neue Raumaufteilung, neue Heiz- und Elektrotechnik auf allen Etagen, neue Begrünung und eine Handvoll Kunstinstallationen, dazu Konferenzräume - einer heißt „Eurogress”. Man will hoch hinaus. Abgeschlossen ist der Umbau noch nicht.

„Wir wollten hier für unsere Mieter, in erster Linie aus der Technologie- und Ingenieurbranche, individuelle Niederlassungskonzepte ermöglichen”, erklärt AMW-Geschäftsführer Jens Kreiterling. So setzte man dem Klimatechnik-Spezialisten Caverion eine nagelneue, elf Meter hohe und 1000 Quadratmeter große Forschungshalle neben den aufpolierten Altbau - und gewann das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Stuttgart hat, endgültig als „Ankermieter”. Im Engineering Park Aachen zählt Caverion inzwischen schon wieder 150 Mitarbeiter. In den vergangenen Monaten holte das Unternehmen 25 Fachkräfte an Bord.

An Land zogen AMW und Heins danach das Ingenieurbüro IMV Schorn, das sich der Laborplanung verschrieben hat, Solitem, eine Fachfirma für Solar- und Kältetechnik, sowie die Steuerberatungsfirma Steco. Von 11.000 Quadratmetern Mietfläche in den drei Trakten sind derzeit noch 2700 Quadratmeter frei.

Das komplette Grundstück misst 45.000 Quadratmeter. „Mehr als genug Parkplätze, acht Minuten Fußweg bis zur Euregiobahn, ein fantastischer Blick bis zur Skihalle im niederländischen Landgraaf, Wälder, Felder und die Autobahn unmittelbar vor der Türe und eine superschnelle Anbindung zum Flughafen Brüssel”, wirbt Kreiterling für den EPA. Weitere Vorteile gelten auch für andere Industrieparks in der Städteregion: Genannt werden die Nähe zum Universitätsklinikum, zur RWTH und den benachbarten Technologiezentren.

Günstiger als in der City

„An der EPA-Adresse Uersfeld 24 teilen sich alle Mieter die repräsentative Empfangshalle, den Konferenzbereich und das Bistro - und jeder kann seine eigene Fläche absolut individuell gestalten”, erklärt der AMW-Geschäftsführer. Das drücke die Mieten zuweilen bei entsprechender Eigenleistung auf rund sieben Euro pro Quadratmeter, deutlich günstiger als im Aachener Stadtzentrum.

Bleibt das Problem der An- und Abfahrt durch das Nadelöhr Uersfeld. Der Gesprächsfaden ist keineswegs gerissen - weder mit den Anwohnern noch mit der Stadt, sagt Kreiterling. Wenn der Verkehr bei weiteren Firmen-Ansiedlungen deutlich zunehme, müsse man Alternativen zur Dorfstraße entwickeln. Aber derzeit rollten dort weit weniger Autos als zu früheren Krantz-Zeiten, betont er.
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