Hinschauen, helfen, da sein: Solwodi hat reichlich Arbeit

Von: Esra Güner
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Aachen. Aachens Rotlichtmeile wird vom Volksmund gemeinhin nur „Sträßchen“ genannt. Ihren eigentlichen Namen hat die Antoniusstraße aber vom heiligen Antonius von Padua, der sich für die Armen und Unterdrückten einsetzte. Fast grotesk wirkt der Name heute, wo Frauen mehr denn je auf Hilfe angewiesen sind.

„Viele der Prostituierten fühlen sich von Zuhältern bedroht, wollen aussteigen oder einfach nur zurück ins Heimatland“, beschreibt Roshan Heiler die Situation. Sie ist die Leiterin der Beratungsstelle Solwodi (Solidarity with Women in Distress) und setzt sich mit zwei Mitarbeitern für Frauen ein, die als Opfer von Menschenhändlern, Sextouristen und Heiratsvermittlern nach Deutschland gekommen sind. Jetzt feierte der Verein sein fünfjähriges Bestehen in Aachen.

Anlässlich des Jubiläums luden Solwodi, das Bistum und die Katholische Hochschule Aachen (Katho) zur Fachveranstaltung zum Thema Menschenhandel ein. Viele Fachleute, Vertreter aus Politik, Verwaltung, Justiz und Studenten waren der Einladung in die Aula der Katho gefolgt.

Unter dem Motto „Hinschauen – Frauenhandel und Prostitution in Aachen“ wurde die Thematik in vier Vorträgen durch Vertreter der Polizei, des Bistums, von Solwodi und der Katho beleuchtet. In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es um gesetzliche Neuerungen und deren Folgen. Gemeint ist vor allem das für 2017 geplante Prostituiertenschutzgesetz. Kern des Gesetzes soll eine Erlaubnispflicht für Bordelle sein und die Pflicht für Prostituierte, sich bei den Kommunen an- und abzumelden.

Dr. Lea Ackermann sieht damit nur Minimalforderungen erfüllt. Die Ordensschwester hat Solwodi 1985 in Kenia und 1987 in Deutschland gegründet und es zu einem internationalen Hilfswerk ausgebaut. Allein in Deutschland gibt es 18 Beratungsstellen. Mit demselben Elan und großer Empörung sagt sie dem Menschenhandel weiterhin den Kampf an. „Wir fordern ein Sexkaufverbot”, stellt sie heraus und weist auf die Regelungen in den skandinavischen Ländern hin. „Schweden und Norwegen stellen den Kauf von Sex unter Strafe, und das trifft die Bordellbesitzer am härtesten“.

Wenn es auch bundesweit nur schleppend vorangeht, auf regionaler Ebene hat sich schon einiges getan. Heiler freut sich schon auf den August, denn dann wird ein zweiter Solwodi-Beratungsraum in der Antoniusstraße eröffnet. Der Bedarf ist groß: seit der Gründung in Aachen wandten sich 488 Klientinnen für eine Erstberatung an Solwodi.

Psychosoziale Betreuung, Hilfe beim Ausstieg, Begleitung zu Arztbesuchen und weiterbildende Qualifizierungen gehören unter anderem zum Solwodi-Angebot. Auch Deutschkurse werden vermittelt. „Über 90 Prozent der Frauen in der Antoniusstraße haben einen Migrationshintergrund”, stellt Heiler fest. Der überwiegende Teil komme aus Rumänien und Albanien. „Viele dieser Frauen erleben ausweglose Situationen“, hebt Ackermann hervor. Deswegen haben sie und ihr Team sich auch für die nächsten fünf Jahre vorgenommen: hinschauen, helfen, da sein.

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