Aachen - Himmlische Unterhaltung aus der Hölle

Himmlische Unterhaltung aus der Hölle

Von: cz
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Darsteller, Sprecher, Autoren und Musiker in Höchstform: Tosenden Applaus gab es für die Premiere der sechsten Auflage von „Pech und Schwefel“ in der Barockfabrik. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Teuflisch soll es zugehen im Öcher Schängche, aber es ist himmlisch. Himmlisch schön bei „Pech und Schwefel“. So heißt seit 2008 das Motto, wenn das Stockpuppentheater kabarettistisch auftrumpft. „Teil 6“ mit dem neuen Programm nach Idee, Text und Regie von Wendelin Haverkamp feierte vor vollem Haus in der Barockfabrik eine vielbelachte und -beklatschte Premiere.

Klamauk und Kabarezz

Der Zuschauer weiß nicht, was er mehr bewundern soll: Die Texte sind es, die Kalauer und Klamauk nicht scheuen, aber immer wieder feinstes Kabarett liefern, hintersinnig glossiert, satirisch zugespitzt, was im Rechtsstaat-Sketch auch unter die Haut geht. Echte Haverkamps, die noch in Nebensätzen zünden. Die Kunst der Puppenspieler ist es, die ihre Figuren über die Bühne fegen, tanzen, hüpfen, raufen, springen lassen, dass es den Zuschauer hineinzieht ins turbulente Treiben mit spektakulären Effekten, für die Szenenbeifall losbricht. Die wandlungsfähige, biegsame Sprachkunst der Puppensprecher ist es, die jedes Wort und ihre Freude daran leuchten lassen. Alles auf Hochdeutsch, zumindest Öcher Hochdeutsch, für jeden verständlich. Der einschmeichelnde Blues, die Songs und krachende Schlager-Parodien sind es.

Bei „Pech und Schwefel Teil 6“ spucken die Puppen, wie versprochen, von Nummer zu Nummer allen in die Suppen. Über die da unten und die da oben servieren sie ein „teuflisches Unterhaltungsprogramm, eine ultimative Show für alle, denen es zu lange dauert, bis sie in die Hölle kommen“. Die ist bekanntlich ja auch auf Erden nicht von Pappe.

So nörgeln zwei „digitale Tuppesse“ über den Abhör-Skandal und fachsimpeln, wen und warum sie in Aachen vom OB bis zum Bischof belauschen sollten. Der „Aachen statt Betrieb“ lässt mit der die Hand aufhaltenden Kolonne Steinbruch die Affäre um die verbuddelten Heizöfen aufleben. Wenn „Maria und Gosef“ über das Neueste im Städtchen klatschen und tratschen, wird klar, warum der verunglückte „Shared space“ am Templergraben so hätte heißen sollen: „Schad, hätte Spass machen können.“

Kriminaltango

Der Sketch „Rue Antoine“ ist der Unter-die-Haut-Geher. Im Sträßchen treffen sich zwei zwielichtige Gestalten, Stadtrat und der Baulöwe K. („Sind Sie verrückt, keine Namen!“) mit Zöpfchen, diskutieren über Geschäfte und Haftung, über Knackis Freigang, einen Tisch beim Italiener, den Rechtsstaat und mangelnde Unrechts-Einsicht und amüsieren sich übers „gleiche Recht für alle, die es sich leisten können“, bevor sich die vollbusige Ludmilla im hautengen Lack-Mini dazugesellt und diese furiose Glanznummer wie aus dem wahren Leben im „Kriminaltango“ über diesen „Herrn da mit dem Zöpfchen“ endet.

Im „Mobilitäts-Dezernat“ wird mit allen Zutaten vom Lousberg-Bunker übers Aquis Plaza und dem Oktogon als Fahrrad-Parkgarage bis hin zur Vennbahn eine radelnde „Frau Dezernat“ mit Schutzhelm auf die Schippe genommen und ihr Ziel, in der Stadt „den Autoverkehr zum Erliegen zu bringen“. In der nächsten Nummer machen sich fressend, saufend, prassend der „Supertyp Karl der Große“ und seine Hofschranzen Alki und Eini inklusive rülpsendem Pferd zum 1200. kaiserlichen Todestag über die Frage lustig, wie es damals denn wirklich war. „Schreib irgendwas“, geht spöttischer Rat an Eini Einhard.

Und es folgt zum Finale eine pannenreiche Bundesbahnfahrt mit dem „IC 4243“. Gespickt voll mit Verhohnepipelungen der Bahn, mit Gags in Wort und Spiel, mit spektakulären Bühnentricks, mit mehrsprachigen total verrückten Zug-Durchsagen („Leiidies änt Schäntelmänn“), mit einer phantastischen und verblüffenden Schluss-Pointe – alles so umwerfend komisch, dass die prustenden Zuschauer nach Luft schnappen. Eine Reise ab Aachen-Hauptbahnhof, die niemals enden sollte. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.

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