Hilfe auf der Schnittstelle der Religionen

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Dem Mann ist die enorme Dimension seines Vorhabens wohl bewusst. Aber diese schreckt Prälat Heribert August nicht ab, und so sagt er vorsichtig, aber bestimmt: „Ich habe die Hoffnung, dass wir das Projekt von hier aus bewältigt bekommen.”

Der Aachener Geistliche, Pastor der Gemeinde St. Gregor von Burtscheid, hat den Blick nach Sarajevo gerichtet. Die vom Bürgerkrieg geschundene Stadt liegt ihm nicht erst seit den Kriegswirren am Herzen.

Im Grunde setzt er sich seit über 30 Jahren für die christliche Gemeinde in der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina ein. Dazu gehören Hilfslieferungen genauso wie die Unterstützung des Priesterseminars und die Theologische Hochschule. Jetzt rückt Heribert August die Kathedrale in Sarajevo ganz besonders in den Fokus. Und das gleich aus mehreren Gründen.

„Ich saß in der Kathedrale zum Gebet, während ein Freund im Krankenhaus von Sarajevo mit dem Tod rang. Beim anschließenden Spaziergang durch die Altstadt fielen mir die vielen Bau- und Renovierungsarbeiten an den schon sehr schönen Moscheen auf. Ich wurde traurig und auch ein bisschen wütend, dass wir Christen es nicht schafften, die letzte große Kirche - fast an der Grenze zum islamischen Osten - in einen ordentlichen Zustand zu versetzen”, erzählt August. Die Idee war geboren, jetzt ging es darum, in Aachen Mitstreiter zur Realisierung der Renovierung zu gewinnen.

Das war bezeichnender Weise kein großes Problem, denn August zählt schon länger den Aachener Architekten Franz Lobs zu seinem Freundeskreis. Der erklärte sich bereit, die Bausubstanz unter die Lupe zu nehmen. Und genauso wenig Überzeugungsarbeit musste er bei Dieter Philipp leisten.

Der Präsident der Handwerkskammer Aachen und Malermeister sagte seine Unterstützung bei der Restaurierung des ursprünglich sehr kunstvoll gestalteten Innenraumes zu. Bei zwei Ortsterminen in Sarajevo im November 2009 und in diesem Monat betrieben die Drei gemeinsam mit dem Aachener Christoph Schmitz eine Schadensanalyse. „Für uns war sehr wichtig, dass die Kathedrale aus dem Jahr 1885 nach verschiedenen kriegsbedingten Reparaturen baulich in gutem Zustand ist”, konnte Architekt Lobs Entwarnung geben.

Es geht jetzt also um die historische Gestalt des Innenraumes. Das Engagement hat aber deutlich mehr als nur einen kunsthistorischen Hintergrund. Heribert August, der in Sarajevo auch Domkapitular ist und auf Initiative des dortigen Bistums vom Papst jüngst zum Prälaten ernannt wurde, betont die Bedeutung des Gotteshauses auf der Schnittstelle zwischen Kulturen und Religionen. Gerade weil - und auch das haben die Aachener bei ihren Reisen klar beobachten können - das Miteinander in der bosnischen Stadt inzwischen sehr selbstverständlich sei. Die Restaurierung soll eine Signalwirkung haben.

„Wir können die Menschen dort mit auf den Weg nehmen”, ist Dieter Philipp sicher. Das fängt bei den handwerklichen Arbeiten an. Inzwischen wurde ein Betrieb als Kooperationspartner gefunden, in dem auch drei Beschäftigte Deutsch sprechen. Sie werden von den Aachener Experten angeleitet, „machen sollen die aber selber”, sagt der Handwerkspräsident. Das schaffe nicht nur eine hohe Identifikation mit dem Objekt, sondern sei ein wichtiger Aspekt der Qualifikation. Hinzu komme, dass die Lohnkosten in Sarajevo deutlich niedriger seien. Aber auch für die Menschen dort sei dies wichtig, weil mit Hilfe aus Deutschland mit eigenen Kräften etwas bewerkstelligt werde. Und Arbeit gäbe es für diesen Bereich dort ohne Ende.

Im Herbst soll mit einem ersten Teilabschnitt gestartet werden. Etliche Farbschichten müssen entfernt werden, anschließend soll so viel wie möglich vom Original erhalten bleiben. Und wo neue Farbelemente entstehen, sollen diese eine passende Antwort zum Echten bieten. „Die Malerei in dieser Kirche ist integraler Bestandteil der Architektur”, betont Philipp. Daher sei die Restaurierung auch Schaffung von örtlicher Identität und ein Aufzeigen der christlichen Wurzeln eines Teiles der Stadt.

So kann man dem Projekt helfen

100.000 Euro sind für den ersten Abschnitt nötig, Dieter Philipp schätzt die Gesamtkosten auf 300.000 Euro. Die Gemeinde in Sarajevo ist wohl nicht in der Lage, die Summe zu stemmen. Heribert August denkt beispielsweise über Patenschaften für restaurierte Flächen nach.

Noch mehr aber hofft er auf Spenden. Konten gibt es bei der Sparkasse Aachen: 1070527500 (BLZ. 39050000) und der Aachener Bank: 468468468 (BLZ. 39060180); bitte jeweils das Kennwort Sarajevo angeben.

Spenden können auch im Pfarrbüro von St. Gregor von Burtscheid an der Michaelsbergstraße 6 oder den Außenstellen an St. Gregorius und Herz Jesu abgegeben werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert