Herz Jesu: Widerstand gegen Wohnidee

Von: Stephan Mohne
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Steine des Anstoßes: Die Idee, auf dem Vorplatz von Herz Jesu möglicherweise ein Wohngebäude zu errichten und Teile der Kirche ebenfalls in diesem Sinne umzubauen, sorgt für rege Debatten. Pfarrer Frank Hendriks betont allerdings, dass rein gar nichts entschieden sei. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es war so sicher wie das Amen in der Kirche, dass es um dieses Thema rege Diskussionen geben wird. Die Idee, dass Teile von Herz Jesu zu Wohnraum umgebaut werden und sich überdies auf dem westlichen Vorplatz noch ein Neubau zum knapp über 100 Jahre alten „Frankenberger Dom“ gesellen könnte, bewegt die Gemüter.

So etwa jenes von Nanna Reising, die an der Viktoriaallee wohnt und sich mit derlei Gedankenspielen nicht im Geringsten anfreunden kann. Sie findet unter anderem, dass die Fläche an der Kirche auch die Funktion einer Art Dorfplatz erfülle. Nicht selten habe sie von ihrer Wohnung aus dort Feste, Feiern, buntes Leben fotografiert.

Zum Hintergrund: Das Bistum streicht die Instandhaltungskosten für 33 Prozent der pastoral genutzten Gebäude. Die Gemeinden müssen also überlegen, ob sie Pfarrheime und -häuser sowie Kirchen notgedrungen schließen. Oder aber sie müssen sich etwas einfallen lassen, um das Geld anderswo herzubekommen.

So ist das auch in der Pfarre St. Gregor von Burtscheid, zu der Herz Jesu gehört. Es geht in diesem Fall um 83.500 Euro pro Jahr. Einen Teil dieser Zielmarke hat man schon durch die Vermietung der ehemaligen Pfarrhäuser Herz Jesu und St. Johann und des Pfarrheims Zeise geschafft, so dass die Lücke noch bei rund 65 000 Euro liegt. Kirchenschließungen sollen vermieden werden, weswegen man sich Gedanken gemacht hat:

In St. Johann soll mit dem Marienhospital kooperiert werden, in St. Gregorius soll es 400 Urnenplätze (später vielleicht 750) geben, in St. Michael könnten die Seitenschiffe Pfarrbüro, Verwaltung und mehr aufnehmen, damit die Räume in der Michaelsbergstraße vermietet werden können. Und in Herz Jesu drehen sich eben die Gedanken ums Wohnen.

Wörtlich heißt es im Sonderpfarrbrief, der 12.000 Mal verteilt worden ist: „Die Kinder- und Familienpastoral, die in Herz Jesu durch Kindergarten, Kinderkarneval und regelmäßige Kinder- und Familiengottesdienste eine gute Tradition hat, soll durch Schaffung von Wohnraum für Familien durch Verkleinerung des Kirchenraums und die Bebauung des Kirchplatzes mit Hilfe eines Investors intensiviert werden.“

Wirbel um „Wohnturm“

Das klingt schon ziemlich konkret. Zumal ein auf derlei Projekte spezialisierter Investor, der bereits St. Alfons an der Lothringer Straße umgebaut hat, interessiert an der Sache ist. Und dazu sind offenbar Ideen verbreitet worden, die Besorgnis wecken. So gibt es das Gerücht, dass auf dem Vorplatz die Kirche ihrer Vollendung entgegen gehen könnte – wenn auch anders als vor 110 Jahren gedacht.

Dort sollte ursprünglich der Westturm gebaut werden, wurde er aber nie. Jetzt ist die Rede von einem „Wohnturm“. Nach AZ-Informationen ist das schon aus Denkmalschutzgründen Nonsens. Es würde wohl eher einen in der Höhe untergeordneten Anbau geben. Dennoch wurde das Thema auch bei einer Pfarrversammlung vergangene Woche rege diskutiert. Bei „Facebook“ hat sich die Gruppe „Herz Jesu Initiative“ gegründet.

Dort heißt es: „Der Kirchplatz, Treffpunkt für Menschen aller Nationen und jeden Alters, soll mit einem ‚Wohnturm‘ bebaut werden. Wir wollen das verhindern! Wir sind Menschen mit und ohne Konfession.“ Nanna Reising ist überzeugt, dass man für Herz Jesu auch andere Lösungen als die Zusatzbebauung finden kann. Zudem kritisiert sie, dass bei der Versammlung keine Pläne und kein Modell gezeigt wurden.

Nur „Gedankenmodelle“

„Ich kenne auch keine“, sagt Holger Stockem, Vorsitzender des Rates der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG). „Es gibt nämlich noch gar keine“, ergänzt Pfarrer Frank Hendriks. Es handele sich hier lediglich um „Gedankenmodelle“, betonen beide. Nichts sei konkret – außer den Urnenplätzen in St. Gregorius. Hendriks unterstreicht überdies, dass alle Kirchen gleich behandelt würden, jede trage ihren Teil zu besagter Summe bei.

Man habe zum jetzigen Zeitpunkt früh Transparenz schaffen wollen, alles werde mit großer Sorgfalt diskutiert, so der Pfarrer. Dass jetzt eine gewisse Aufregung entstehe, sei deswegen eher unverständlich. Holger Stockem, selbst aus Herz Jesu, findet es allerdings „richtig gut, dass kräftig darüber diskutiert wird, dass viele involviert sind, dass Herz Jesu in den Blick rückt“. Entschieden sei nichts, jeder könne seine Ideen einbringen.

Dazu gibt es schon am kommenden Donnerstag um 20 Uhr die Gelegenheit, wenn sich nämlich im „Insulaner“ (Ecke Bismarck-/Trie-belsstraße) der Stammtisch der Pfarre St. Gregor turnusmäßig trifft und über die Lage spricht. Gut möglich, dass da ein paar Leute mehr „aufschlagen“ als sonst. Das Thema bewegt.

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