Herr der eigenen vier Wände

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
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Das Traumhaus aus der Kreativwerkstatt: In der Bleiberger Fabrik bauen Kinder während der Werkwochen ihre eigenen vier Wände - mit Pool auf der zweiten Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nun, der Weg ins eigene Häuschen dauert in der Regel schon ein paar Jahr(zehnt)e. Jannick und Hendrik versuchen das Ganze innerhalb einer Woche zu schaffen. Die elf- und zehnjährigen Schüler basteln in der Bleiberger Fabrik fleißig an ihrem etwa 30 mal 50 Zentimeter großen Modell, dessen Basis lediglich eine Kabeltrommel ist, das aber schon bald ein richtiges Eigenheim werden könnte.

„Mit Wendeltreppe und Pool”, sagt Jannick. Okay, das mit dem Pool in der zweiten Etage und der eleganten roten Treppe ist noch ferne Zukunftsmusik. Während der Werkwochen in der Bleiberger Fabrik, bei denen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren in den Osterferien ihre Traumhäuser entwerfen, geht es zunächst vor allem um eines: Kreativität und handwerkliches Geschick. Je ausgefallener die Idee, desto besser. Grenzen gibt es keine. Noch nicht. Denn die fünf besten Modelle sollen in den Herbstferien auf dem Gelände des alten Moltkebahnhofs maßstabslos gebaut werden. „Da müssen wir dann schauen, was baurechtlich machbar ist”, sagt Sybille Keupen, Leiterin der Bleiberger Fabrik, und lacht.

Zum ersten Mal in der rund 40-jährigen Geschichte arbeiten bei den Bleiberger Werkwochen verschiedene Fachbereiche der FH und RWTH sowie die Akademie für Handwerksdesign „Gut Rosenberg” mit der Bleiberger Fabrik zusammen. „Kinder sind wahnsinnig kreativ”, sagt Keupen. „Herkömmliche Sichtweisen werden völlig auf den Kopf gestellt.” Die Studenten, zukünftige Stadtentwickler, Planungstheoretiker und Architekten, helfen, die Ideen gestalterisch umzusetzen. „Aber eigentlich können die Jungs das auch alleine”, sagt Jeremias Innig (27), der Jannick und Hendriks „Rundbau” begleitet. „Die gehen viel frecher und unbefangener an die Sachen heran”, ergänzt der Raumausstatter. „Da kann man sich selbst einiges abschauen.”

Das Pilotprojekt, bei dem 68 Kinder und zwölf Studenten interdisziplinär zusammenarbeiten, ist darauf ausgerichtet, neben Kreativität auch selbstständiges Arbeiten zu fördern. „Dabei entstehen oftmals ganz neue Ideen, die man sich bislang nicht vorstellen konnte”, staunt Keupen.

In den Sommerferien sollen die Modelle dann in einem weiteren Workshop weiterentwickelt werden, bevor im Oktober, während der dritten Werkwochen des Jahres, schließlich mit dem Bau der vier besten Modelle begonnen wird.
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