„Herbstrasen“ im Grenzlandtheater: Schreckgespenst der Zukunft im Alter

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Besondere Begegnung im Baumhaus: Renate Fuhrmann in der Rolle der 79-jährigen Alexandra und Jens Woggon als ihr Sohn Chris. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Irgendwann dreht sich das Sorgeverhältnis im Leben um: Aus fürsorgebedürftigen Kindern werden Erwachsene, aus Eltern fürsorgebedürftige Alte. Wie gehen die Beteiligten damit um? Wie funktioniert die Staffelstabübergabe?

Jede Familie muss sich irgendwann mit diesem Thema beschäftigen – das Grenzlandtheater holt die Materie mit einer deutschen Erstaufführung des Stücks „Herbstrasen“ von Eric Coble auf die Bühne. Premiere ist am Donnerstag, 1. Juni, um 20 Uhr.

Alexandra hat sich in ihrem Haus, das einem Baumhaus ähnelt, verbarrikadiert. Die Tür ist mit Kisten verrammelt, um ihren Sessel, in dem sie im ersten Bild erschöpft eingeschlafen ist, steht eine Reihe von Molotow-Cocktails (Bühne: Manfred Schneider). In der Hand hält sie ein Feuerzeug griffbereit, um jederzeit die Lunte entzünden zu können. Die 79-Jährige will vorbereitet sein, falls ihre Kinder – Jennifer und Michael – ihre Ankündigung wahrmachen und sie notfalls mit Hilfe der Polizei aus ihrem Haus holen, um sie in ein „Betreutes Wohnen für Senioren“ zu bringen.

Mit Chris, ihrem dritten und einstigen Lieblingskind, hat sie allerdings nicht gerechnet. Nach 20 Jahren Funkstille klettert er am Baum hoch und steigt durchs Fenster in die verrammelte Wohnung. 90 Minuten Zeit hat er von seinen Geschwistern bekommen, um die Mutter „zur Vernunft“ zu bringen. Es beginnt eine schonungslose Reise durch die Familienvergangenheit – offen, verletzend, berührend.

Intendant und Regisseur Uwe Brandt hat Renate Fuhrmann für die Rolle der 79-jährigen Alexandra und Jens Woggon für ihren Sohn Chris engagiert – beide genau in dem Alter und auch in ähnlichen Lebenslagen der Figuren. „Bis auf die beginnende Demenz von Alexandra kenne ich die Beschwerlichkeit des Alters“, meinte die 75-Jährige, die 2013 für ihre Rolle der Maude in „Herold and Maude“ im Grenzlandtheater mit dem Kurt-Sieder-Preis der Stadt Aachen ausgezeichnet wurde. „Alexandras kraftvolle Art zu trauern, dass sie nicht mehr sie selbst ist, hat mich sehr bewegt.“

„Hier starrt mich das Schreckgespenst meiner Zukunft an“, lautet hingegen eine der Textzeilen, die Woggon als Chris sagt. „Es sind elementare, sogar existenzielle Fragen, die hier behandelt werden“, so Woggon im Pressegespräch. Auch für Brandt ist „Herbstrasen“ eine spürbare Herzensangelegenheit: „Kann man mit den alten Menschen nur noch das tun, was scheinbar noch geht? Sollte man nicht stärker hinterfragen, warum es nicht mehr geht?“ Ein Theaterabend für Mütter und Väter, Töchter und Söhne – am besten generationenübergreifend besucht.

Die Premiere ist ausverkauft, für alle anderen Vorstellungen bis 3. Juli gibt es noch Karten. Tickets unter Tel. 4746111.

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