Herausforderungen über dem Haarbach

Von: Stephan Mohne
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160 Meter lang, rund 20 Meter hoch, 32 Meter breit: Die große Haarbachtalbrücke muss erneuert werden. Die Baukosten liegen bei 22 Millionen Euro. Zusätzlich muss es für die Baufahrzeuge eine neue Passage über den Haarbach geben. 2016 soll es losgehen. Foto: Michael Jaspers

Haaren. Seit 1955 rollt das Blech in 20 Metern Höhe über das Haarbachtal. Mittlerweile sind es weit über 50.000 Autos und Laster, die über das Bauwerk brettern – Tag für Tag. Doch schon vor mehr als sieben Jahren schrillten die Alarmglocken.

Risse waren plötzlich in den Fahrbahnen auf der großen Haarbachtalbrücke aufgetaucht. Zeitweise wurde eine Spur gesperrt, dann gab es ein Verbot für Schwerlaster. Denn den Schäden wollte man beim Landesstraßenbaubetrieb Straßen.NRW auf den Grund gehen.

Besteht akute Gefahr? So lautete damals die Frage. Die Antwort: „Nein, aber...“ Die Prüfer fanden Schäden im Betonfundament und Rost an einigen Spannelementen. So schnell wie irgendmöglich sollte die Brücke erneuert werden, jährliche Prüfungen wurden angeordnet. Heute steht das Bauwerk immer noch. Aber nicht mehr lange, wie es aktuell bei Straßen.NRW heißt.

Der Neubau, der seine Schatten vorauswirft, wird eine ebenso spektakuläre und komplizierte wie teure Angelegenheit. „Das hat es wirklich in sich“, sagt Joachim van Bebber. Schon in der Planungsphase rauchen beim Abteilungsleiter Bau und seinem Team in Krefeld die Köpfe.

Die Haarbachtalbrücke hat nämlich einiges an Herausforderungen zu bieten. Und das auch, aber nicht nur, weil die Brücke 160 Meter lang, fast 20 Meter hoch und mehr als 30 Meter breit ist. Es geht auch um die Rahmenbedingungen. Denn die Grundvoraussetzung lautet: Der Verkehr auf der Autobahn 544 zwischen Europaplatz und Aachener Kreuz soll während der rund dreijährigen Bauzeit weiter fließen. „Die Autobahn jahrelang zu sperren ist unmöglich“, weiß van Bebber. Das würde insbesondere zur Berufsverkehrzeit in Aachen und Umgebung für ein dauerhaftes Verkehrschaos sondergleichen sorgen.

Was also tun? Die Lösung sieht so aus: Neben der alten Brücke wird zunächst in Fahrtrichtung Köln eine halbe neue Brücke gebaut. Über die wird der Verkehr dann geleitet, wenn das 60 Jahre alte Konstrukt dem Erdboden gleichgemacht wird. Doch auch das hört sich einfacher an, als es ist. Wegen der großen Höhe kann man nämlich nicht einfach mit schwerem Gerät an der Brücke „knabbern“ und die Einzelteile dann in die Tiefe krachen lassen.

Es muss also einen geordneten „Rückbau“ geben, der einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Ist der Altbau weg, wird in die Lücke die zweite Hälfte der neuen Brücke gebaut. Der eigentliche Clou kommt zum Schluss: Die erste Hälfte wird in die Lücke „geschoben“ und dann mit dem Rest verbunden. Ein Glück ist, dass die Brücke völlig gerade ist.

Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren für den Neubau. Wobei es nicht „nur“ um die Haarbachtalbrücke selbst geht. Denn in direkter Nachbarschaft zur zukünftigen Großbaustelle soll gleich noch eine weitere Brücke neu gebaut werden. Und zwar geht es um den Nirmer Weg (in Haaren mündet er in die Haarbachtal-straße), der nahe der großen Brücke den Haarbach quert.

Diese Bachüberführung ist jedoch laut van Bebber für das Gewicht der Bau- und Kettenfahrzeuge, die beim Bau der Haarbachtalbrücke zum Einsatz kommen, nicht geeignet. Eine Kalkulation habe ergeben, dass der Abriss der heutigen Querung und ein anschließender Neubau die günstigere Variante darstellt.

Doch damit ist es immer noch nicht getan. Unter der Haarbachtalbrücke muss ein Entwässerungsbecken gebaut werden. Das sei eine Auflage. Und damit das in dem Becken aufgefangene Wasser dann auch sauber in den Haarbach gelangt, sollen auch noch Filterstufen eingebaut werden. Ein riesiger Aufwand. Entsprechend hoch ist die Investitionssumme, die derzeit von Straßen.NRW mit 22 Millionen Euro beziffert wird.

Wenn die Genehmigung vorliegt, soll es ins Ausschreibungsverfahren gehen. 2016 sollen dann der Bau der Haarbach-Querung am Nirmer Weg sowie der Bau des neuen Beckens in Angriff genommen werden. 2017 ist die Haarbachtalbrücke fällig. 2020 soll alles fertig sein. Die neue Brücke wird übrigens auch zunächst vier Fahrspuren haben. Sie soll allerdings Platz für deren sechs bieten – falls irgendwann eine Verbreiterung der A544 kommt.

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