Helfer der Stadt im Einsatz: Fürsorge statt Feuerwerk für die Flüchtlinge

Von: Matthias Hinrichs
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Flüchtling
Feuerwerk und Böller zum Jahreswechsel? Für traumatisierte Menschen - insbesondere für Kinder - kann die Tradition zum Problem werden. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Aachen. Auch und gerade zum Jahreswechsel ist der Beistand geschulter Kräfte in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt gefragt: Selbstverständlich sei dafür gesorgt, dass städtische Sozialarbeiter und Hausmeister in den großen Quartieren rund um die Uhr im Einsatz sind.

Das erklärte der Leiter des Sozialamts, Heinrich Emonts, auf Anfrage. Denn was die Alteingesessenen begeistert, kann vor allem für Flüchtlingskinder und traumatisierte Menschen, die gerade erst aus den Kriegsgebieten der Welt geflohen sind, zum schrecklichen Erlebnis werden, das grausame Erinnerungen wachruft.

Längst nicht alle Migranten sind zudem mit dem Silvesterbrauch vertraut, weiß Emonts. „Wir haben den Menschen in den großen Unterkünften deshalb erklärt, was es mit der Böllerei auf sich hat.“ Nun seien vor allem die Eltern kleiner Kinder gefragt, ihren Sprösslingen im Vorfeld möglichst die Angst vor dem lautstarken und grellen Spektakel mit Kanonenschrecks, Knallfröschen und Co. zu nehmen. Sie sollen ihnen vermitteln, dass auch das neue Jahr – gewissermaßen im Zuge traditioneller Willkommenskultur – begrüßt wird.

Unterdessen ist das Abfeuern von Raketen und Krachern in den Notunterkünften des Landes untersagt worden, bestätigt Emonts. Grundsätzlich sei die Brandgefahr in oftmals beengten Flüchtlingsheimen schlichtweg zu groß. Schockreaktionen seitens traumatisierter Migranten könnten nicht ausgeschlossen werden.

Allerdings sind in den Übergangseinrichtungen des Landes derzeit noch reichlich Kapazitäten vorhanden, um weitere Flüchtlinge vorläufig unterzubringen, berichtet Emonts. Momentan sind dort 800 von derzeit 1060 Plätzen verfügbar. Das dürfte sich freilich rasch wieder ändern: Bereits in der ersten Woche des neuen Jahres rechnet die Stadt mit rund 400 Personen, die in den Aufnahmestellen des Landes unterkommen müssen.

Allein im Zuge der offiziellen Zuweisungen werden im Januar zudem weitere rund 650 Menschen erwartet. „Wir sind nach wie vor auf der Suche nach geeigneten Quartieren“, erklärt Emonts. Bislang sei der Bedarf an Unterkünften nur etwa zur Hälfte gedeckt.

Kurz vor Jahresende zählte die Stadt laut Emonts rund 2550 regulär zugewiesene Flüchtlinge, von denen viele bekanntlich in Turnhallen untergebracht werden mussten, sowie rund 650 unbegleitete Minderjährige. Inzwischen würden besonders schutzbedürftige Neuankömmlinge nicht mehr in die Obhut der Kommunen gegeben, sondern in qualifizierte Einrichtungen des Landes, berichtet der Amtsleiter. Behinderte, schwerkranke, schwangere und massiv traumatisierte Menschen sollen dort besondere Zuwendung erhalten.

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