Helfer der Kinder in Auschwitz: Zeitzeugen erinnern an Fredy Hirsch

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wenn die Geschichte nicht so verlaufen wäre, wie sie ist, hätte Oberbürgermeister Marcel Philipp Fredy Hirsch vielleicht am 11. Februar mit einem Blumenstrauß zu Hause besucht, um ihm zum 100. Geburtstag zu gratulieren.

Doch Fredy Hirsch wurde am 8. März 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Vorher hat der Aachener vielen Menschen – besonders Kindern – dort durch die Einrichtung des so genannten Kinderblocks das Leben gerettet. Er hat ihnen Schutz und in der von Menschen gemachten Hölle ein ethisches Fundament gegeben.

Blumen kann Marcel Philipp ihm also nicht mehr bringen. Doch dem OB und verschiedenen anderen Akteuren ist es wichtig, des ehemaligen Schülers des heutigen Couven-Gymnasiums zu gedenken und ihn damit stärker in das Bewusstsein der Aachener zu rücken. „Hirsch hat auch in schweren Zeiten Courage gezeigt. Damit ist er besonders heute ein Vorbild“, sagte Günther Sonnen, Rektor des Couven-Gymnasiums.

Im Rahmen des Gedenkens kommen Zeitzeugen, die Fredy Hirsch während seines Exils in Prag und später in Auschwitz kennengelernt haben oder mit ihm verwandt sind, rund um den Geburtstag Hirschs nach Aachen.

Für die Mitglieder des „Gedenkbuchprojektes für die Opfer der Shoah aus Aachen e.V.“ ist Hirsch kein Unbekannter. Sie haben sein Leben von 2006 und 2008 für ihre Biografie-Bände über die Schicksale Aachener Juden aufgearbeitet. Vereinsvorsitzende Bettina Offergeld ist dennoch – oder gerade deshalb – sehr gespannt, was die Zeitzeugen über den verfolgten Sohn der Stadt erzählen werden.

Das Couven-Gymnasium wurde durch die Vorbereitung des 70-jährigen Schuljubiläums auf Hirsch aufmerksam. Er besuchte bis 1931 das damalige Hindenburg-Gymnasium, das 1945 den unverfänglicheren Namen des Barockbaumeisters Johann Joseph Couven bekam. Fredy-Hirsch-Schule war da längst noch kein Thema.

Schule wird ausgezeichnet

Mit der Umbenennung der Mensa im Rahmen des Festaktes am 12. Februar, 18 Uhr, in Fredy-Hirsch-Forum will die Schule an der Lütticher Straße ihm jetzt die Ehre erweisen. Auch bei diesem Festakt werden die Zeitzeugen sprechen. Zudem wird die Schule von Schulministerin Sylvia Löhrmann als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet.

Die Gäste kommen auf Einladung der Jüdischen Gemeinde, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und des Dialogs der Religionen bereits am Abend zuvor (11. Februar) um 18.30 Uhr für ein Gedenken in den Saal der Jüdischen Gemeinde am Synagogenplatz. „Ob dann noch Plätze frei sind, können Interessierte gern unter der Email-Adresse info@jgaachen.de erfragen“, meinte Geschäftsführer Friedrich Thul.

Zum guten Schluss nimmt das Stadtarchiv den Geburtstag Hirschs zum Anlass für seine „Archivalie des Monats“ Februar. Sie zeigt Fotos vom Geburtshaus Hirschs, dem ehemaligen Hindenburg-Gymnasium, der heutigen Philosophischen Fakultät der RWTH und ein Bild des leidenschaftlichen Turners und Pfadfinders. Keine Blumen für Hirsch, aber viele beeindruckende Spuren seines Lebens für alle Aachener.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert