Aachen - Helene-Weber-Haus: Vorfreude aufs neue „öffentliche Wohnzimmer“

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Helene-Weber-Haus: Vorfreude aufs neue „öffentliche Wohnzimmer“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Bald sind die Töpfe wieder gefüllt: Astrid Natus-Can vom Helene-Weber-Haus freut sich auf reges Leben im Mehrgenerationen-Haus. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Gerade gibt der Kühlschrank im neuen Mehrgenerationenhaus in Rothe Erde nicht allzu viel her. „Wir und auch unser Vermieter, das Kinder- und Jugendhaus St. Barbara, sind im Ferienbetrieb“, sagt Astrid Natus-Can fast entschuldigend, als sie fürs Foto nur einen Topf Margarine hervorzaubern kann.

Natus-Can ist Leiterin und Geschäftsführerin des Helene-Weber-Hauses in Stolberg und im Moment zusammen mit ihrer Stellvertreterin Marianne Kaufmann entscheidend am Aufbau des neuen Hauses in der Aachener Barbarastraße beteiligt.

Helene-Weber-Haus? Das ist für viele Aachener eine reine Stolberger Institution. Doch der angesehene Bildungsträger aus der Nachbarstadt hat längst seine Fühler auch bis nach Aachen ausgestreckt.

Nach der Gründung einer Geschäftsstelle in der Innenstadt hat er nun den Zuschlag vom Bundesfamilienministerium für ein neues Mehrgenerationenhaus für Rothe Erde und Eilendorf bekommen. Zunächst einmal für vier Jahre erhält das Helene-Weber-Haus jährlich 40.000 Euro – 30.000 Euro vom Bund, 10.000 Euro von der Stadt Aachen – um das „Wirkinstrument im Sozialraum“, so der ministerielle Anspruch, so mit Leben zu füllen, dass es die Bewohner des Sozialraums als „eine Art öffentliches Wohnzimmer“ wahrnehmen und nutzen. Das soll der zunehmenden Vereinsamung der Viertel-Bewohner entgegenwirken. Eine Verlängerung ist natürlich möglich.

Das Helene-Weber-Haus bringt als Träger bereits viel Erfahrung mit und weiß, wie man verschiedene Zielgruppen wie Kinder, Jugendliche, Eltern, Senioren, Migrantinnen und Migranten im wahren Sinne an einen Tisch bringen kann. Seit Ursula von der Leyen als Bundesfamilienministerin die Idee der Mehrgenerationenhäuser vor zehn Jahren aus der Taufe hob, ist das Helene-Weber-Haus mit einem MGH – so die Kurzform – in Stolberg für die Städteregion in der Förderung.

Schon zwei Mal konnten sie die Zuschussverlängerung erreichen. Trotzdem: „Was in Stolberg funktioniert, muss hier noch lange nicht funktionieren“, weiß Natus-Can. „Das Klientel ist hier ein anderes. Es ist wichtig, Alltagsbezüge herzustellen. Zudem haben wir die Herausforderung, mit Rothe Erde und Eilendorf zwei gänzlich unterschiedliche Stadtteile in den Blick nehmen zu müssen.“

Funktionieren kann das, so hofft die Geschäftsführerin, vor allem beim gemeinsamen Kochen und Essen – womit wir wieder beim dann hoffentlich vollen Kühlschrank sind. Einmal gab es schon im Rahmen des „Esstischs der Generationen im Café H“ ein solches ungezwungenes Zusammentreffen, am 26. August soll die zweite Auflage folgen und sich dann einmal im Monat etablieren. Wichtig ist: Jeder kann kommen, ohne Anmeldung und fast kostenfrei. „Für den Einkauf sammeln wir einen kleinen Obolus ein – allerdings mehr symbolisch, um den Wert des Ganzen bewusst zu machen“, erläutert Natus-Can.

Zunächst kamen viele Senioren

Beim ersten Mal kamen vor allem Senioren aus Rothe Erde. Natus-Can ist aber zuversichtlich, dass Heterogenität in Sachen Alter, Staatsangehörigkeit und Religion bald der Normalzustand ist. Auch bei allen anderen Angeboten.

Im ersten Flyer wird da schon eine gehörige Bandbreite geboten: Nähen und Flicken, Stricken und Häkeln, Deutsch sprechen üben, Musizieren und Singen, Demenzberatung, Tai Chi mal drinnen, mal draußen, Gehirntraining, Selbstverteidigung… Im Moment sind die regelmäßigen Öffnungszeiten allerdings so gestaltet, dass die Besucher des MGH nicht unbedingt in Kontakt mit den Besuchern des Kinder- und Jugendhauses kommen. „Zunächst einmal schauen wir, dass wir uns ein wenig aus dem Weg gehen“, so Natus-Can.

Eine tatsächliche Vermischung der Generationen könnte also noch ein bisschen auf sich warten lassen. „Mal sehen, welche Kooperationen sich später anbieten.“ Die soll die zukünftige Leitung des MGH, die hoffentlich bald gefunden wird, auch mit anderen Institutionen und Akteuren in den beiden Quartieren suchen und vertiefen. „Ein wesentlicher Aufgabenschwerpunkt ist die Vernetzungsarbeit“, meint Natus-Can zum Jobprofil.

Und wie ist es mit der Überschreitung der imaginären Trennlinie der beiden Stadtteile am Madrider Ring? Natus-Can ist da realistisch: „Wenn die Menschen nicht zu uns kommen, gehen wir halt zu den Menschen.“ Tai Chi wird bereits im Pfarrheim St. Apollonia angeboten, Waldtage für Familien in der Kita St. Severin. Vielleicht ist das Überschreiten der Grenze dann nicht mehr ganz so schwierig.

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