HeJoe Schenkelberg setzt auf sein „kumpeliges Instrument“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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HeJoe Schenkelberg weiß die Vorzüge eines Akkordeons zu schätzen: „Es braucht keinen Strom, ich bin beweglich und es ist leicht zu transportieren“, erzählt er im AZ-Interview. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Eigentlich fand HeJoe Schenkelberg das Akkordeon schon immer gut. Leider hatte das Instrument in Deutschland lange einen miserablen Ruf – zumindest bei Rockmusikern. Durch Einflüsse von außen hat sich das mittlerweile geändert – und Hejoe Schenkelberg kann von seiner Akkordeonmusik leben.

Im Wochenendinterview mit der AZ spricht er über leere Kühlschränke, seine Liebe zu einer italienischen Diva, Filmmusik ohne Film und sein neues Album „Ambiances“.

Sie spielen Akkordeon. Was schätzen Sie an diesem Instrument?

Schenkelberg: Ursprünglich komme ich vom Klavier. Als Jugendlicher habe ich die erste Heinsberger Rockband mitbegründet und stand an den Keyboards. Irgendwann hat mir der Aufwand mit den ganzen Instrumenten gereicht. Just da war ich ein paar Tage in Paris und habe eine Frau Akkordeon spielen hören. So habe ich mich erinnert, dass ich eigentlich Akkordeon immer gut fand. Nur : Vor 30, 35 Jahren war das Instrument ein absolutes „no go“ in der Rockmusik.

Werden Sie denn heute auch noch mit Vorurteilen konfrontiert?

Schenkelberg: Selten. Der Einfluss von außen – über Internet, YouTube – hat ja den Vorteil, dass die Welt zu einem kommt. So kamen die ganzen weltweiten Akkordeonklänge auch zu uns nach Deutschland: südamerikanischer Tango, französische Musette. In Frankreich war es schon vor 30 Jahren normal, dass jeder Keyboarder bei einem Liebeslied ein Akkordeon dabei hatte.

Was sind denn die Vorteile des Akkordeons?

Schenkelberg: Es braucht keinen Strom, ich bin beweglich und es ist leicht zu transportieren. Und: Das Akkordeon hat mich immer wieder berührt. Nach einem Konzert sagte mal jemand: „Das Akkordeon ist ein kumpeliges Instrument.“ Ich glaube, das ist der treffende Ausdruck.

Gibt es etwas, das mit Akkordeon gar nicht geht?

Schenkelberg: Spontan würde ich sagen, nein (lacht). Es gibt ganz moderne Akkordeons, die wie Keyboards sind. Aber ich trenne das gerne. Für die Elektronik nehme ich die Keyboards, das Akkordeon hat den klassischen Sound.

Was spielen Sie für ein Instrument?

Schenkelberg: Ein italienisches der Marke „Polverini“. Das ist eine kleine Manufaktur, wie es früher auch viele in Deutschland gab. Davon sind heute nur noch Hohner in Westdeutschland und Weltmeister im Osten übrig geblieben.

Was macht das italienische aus?

Schenkelberg: Seine Schönheit. Es ist eine italienische Diva (lacht). Ich war sofort verliebt, obwohl es sehr überholungsbedürftig war. Der Klang ist ein bisschen luftiger und leichter als bei deutschen Instrumenten. Außerdem bin ich Italien-Fan.

Sind Sie Autodidakt?

Schenkelberg: Ja, ich habe einfach ein bisschen herumprobiert. Über meinen Bruder, der in einem Altersheim in Köln arbeitete, bin ich günstig an mein erstes, kleines Akkordeon gekommen. Die Besitzerin hatte Gicht und konnte nicht mehr spielen. Der Vorteil ist, dass ich nicht von irgendeinem Lehrer geprägt wurde. Ich bin von der Rockmusik zum Akkordeon gekommen, und so habe ich mich auch Sachen getraut, die man normalerweise nicht lernt.

Was wäre das?

Schenkelberg: Bestimmte Akkorde zum Beispiel. Heute ist das anders, aber früher wurde Akkordeon in Deutschland eigentlich nur für Seemannslieder und Schlager genutzt. Natürlich gab es das Akkordeon auch zum Beispiel in der Tangomusik, aber das war damals in Deutschland nicht präsent.

Ihre Musik ist aber heute nicht mehr unbedingt die Rockmusik.

Schenkelberg: Auf der neuen CD wieder. Es ist die erste, auf der ich auch mit Rhythmen gearbeitet habe. Dort sind viele Rock- und auch Jazzelemente zu hören. Bei drei Stücken ist auch Claudia da Pigna dabei, eine klassisch ausgebildete Sängerin. Ich arbeite gern mit vielen Gegensätzen.

Und Sie haben sich anscheinend stark von der Tierwelt inspirieren lassen: Fest der Glühwürmchen, Froschkinder, Gnu-Wanderung, Tiefseemajestäten, Wüstenschiff heißen fünf der 17 Songs.

Schenkelberg: Das hat sich entwickelt. Ich habe in der Entstehungsphase die Stücke einigen Freunden vorgespielt, die gut zuhören können, um herauszufinden, was gut ist, was nervt. Assoziationen von ihnen habe ich gerne für die Titelfindung aufgenommen. Aber es geht nicht nur um Tiere. Das Album heißt „Ambiances“, also Stimmungen. Grundsätzlich lasse ich mich von meiner gesamten Umwelt zu Musik inspirieren.

Wie lange haben Sie an der CD gearbeitet?

Schenkelberg: Fünf Jahre. Natürlich nicht durchgängig, sondern immer mal wieder. Mir ist es immer wichtig, alles selbst in der Hand zu haben. Deshalb nehme ich in meinem kleinen Studio hier alles auf, um dann im professionellen Studio genau sagen zu können, wie es klingen soll.

Wann wird das neue Album erscheinen?

Schenkelberg: Am 11. September stelle ich es das erste Mal in der Galerie 45, Ludwigsallee 45, vor. Am 16. September spiele ich in der Burg Frankenberg – bei schönem Wetter im Burghof. Dann werde ich natürlich die CDs dabei haben.

Wie werden Ihre Fans auf diesen anderen Sound reagieren?

Schenkelberg: Vielleicht werden einige überrascht sein, aber bestimmt werden sich auch neue begeistern. Man kann sich ja auch nicht immer nach der Meinung der Fans richten. Außerdem weiß man nie: Besonders bei Älteren bin ich öfter überrascht, was sie dann doch gut finden. Die Leute wollen mich ja wegen meines Stils, wie ich Akkordeon spiele, hören. Dieser Stil findet sich auch auf der neuen CD.

Für Ihre zweite CD, „Out of Paris“, haben Sie den Deutschen Rock- und Pop-Preis für die beste Filmmusik bekommen. Das ist schon ein wenig skurril, weil es dazu gar keinen Film gibt.

Schenkelberg: Na ja, wieso sollte das nicht möglich sein? Davon könnten sich Filmemacher ja auch inspirieren lassen. Tatsächlich könnte es aber sein, dass vielleicht ein Film zu „Out of Paris“ gemacht wird.

Haben Sie eine Vorstellung, was in dem Film passieren soll?

Schenkelberg: Teilweise. Tragödie, Komödie – wahrscheinlich ist von allem etwas drin. (Überlegt) Es könnte auch ein Dokumentarfilm sein. Aber ich lass mich überraschen.

Ursprünglich waren Sie Architekt. Wieso sind Sie heute Musiker?

Schenkelberg: Ich habe tatsächlich fast vier Jahre als angestellter Architekt gearbeitet. Bauen war für mich ein Fundament, etwas Fassbares. Damit konnte ich auf dem Boden stehen. Musik ist nicht fassbar. Da fühle ich mich wie ein Radiosender, der etwas aus dem Universum empfängt und an die Erde weitergibt. Als die Gehälter der Architekten aber deutlich in den Keller gingen, dachte ich mir: Wenn schon Architektur brotlose Kunst ist, kann ich auch Musik machen. Bei dieser Leidenschaft kann ich auch mal einen leeren Kühlschrank ertragen.

Wie stark wird Ihre Leidensfähigkeit heute noch beansprucht?

Schenkelberg: Wie bei allen Freiberuflern ist es ein Auf und Ab. Ich lebe ja nicht nur von CD-Verkauf und Konzerten. Ich spiele bei Geburtstagen, Hochzeiten und Firmenfeiern. Neulich habe ich zum Beispiel ein Boule-Turnier musikalisch begleitet. Und ich gebe Unterricht.

Im klassischen Sinn?

Schenkelberg: Die Klassik ist mir bei meinem eigenen Klavierunterricht vergrault worden. Diese Etüden… Mein Ding war schon früh das Improvisieren. Meinen Unterricht gestalte ich deshalb auch nicht mit viel klassischer Literatur. Durch meinen Kontakt zu Claudia da Pigna ist mir die klassische Musik aber näher gekommen.

An ein Zurück in einen bürgerlichen Beruf denken Sie nicht?

Schenkelberg: Musik ist das, was ich den Menschen bieten kann. Damit kann ich sie mit auf Reisen nehmen. Da bekomme ich die Bestätigung für mein Tun.

Wie geht es mit Ihnen musikalisch weiter? Werden wieder fünf Jahre bis zur nächsten Veröffentlichung vergehen?

Schenkelberg: Ich habe jetzt wirklich lange daran gearbeitet. In der Zeit ist musikalisch auch vieles entstanden, was thematisch nicht zu „Ambiances“ gepasst hat. Die nächste CD wird wieder mehr „handgemacht“ sein und bestimmt auch nicht ganz so lange dauern.

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