Heiße Debatten um Hilfe für die Alemannia

Von: Stephan Mohne
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In Schieflage: Der Alemannia fehlen Millionen, jetzt soll die Stadt helfen, es wieder zu richten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das werden heiße politische Tage im kühlen April - kurz vor der Landtagswahl. Soll die Stadt der klammen Alemannia finanziell unter die Arme greifen? Einfache Frage. Schwierige Antwort.

Und so erwarten die Fraktionsvorsitzenden am kommenden Montag höchst kontroverse Debatten, wenn die Parteien intern beraten, wie sie sich mittwochs im Stadtrat verhalten werden.

Am Dienstag hatte Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer im AZ-Interview einmal mehr die Hilfe der Stadt angemahnt. Von einem Drei-Millionen-Engpass bei der Finanzierung des neuen Tivoli war die Rede, plus 2,5 Millionen Euro, die man für den Bau dringend benötigter Infrastruktur - darunter Trainingsplätze für die Jugend - benötigt. Alleine könne man das nicht mehr stemmen.

Und auch Michael Westkamp hatte für den Hauptsponsor „AachenMünchener” ein weitergehendes Engagement in Aussicht gestellt - wenn auch die Stadt mit einsteigt.

Die Reaktionen der Politik darauf ließen am Dienstag - obwohl ein wichtiges Gespräch mit der Verwaltung erst auf Donnerstag terminiert ist - nicht auf sich warten. Einhelliger Tenor: Einen reinen Zuschuss für die Alemannia wird es nicht geben, über andere Hilfsmodelle wie eine Bürgschaft wird zumindest nachgedacht.

Für die Grünen prophezeit Fraktionssprecher Michael Rau eine interne Kontroverse. Da gehe es um die Frage, ob es eine öffentliche Aufgabe sein könne, „ein wirtschaftliches Unternehmen mit Steuergeld zu unterstützen”.

Oder auch um die Frage, wie die Alemannia dem Rat stets habe mitteilen können, dass die Stadionfinanzierung sicher sei, dies aber offenbar gar nicht zutreffe. Und es müsse die Frage erlaubt sein, ob die Alemannia „sehenden Auges nach dem Motto die Stadt wird schon helfen in diese Misere gerannt ist”.

Möglicherweise, so Rau, werden die grünen Ratsleute unterschiedlich abstimmen - wie übrigens auch die FDP. Und selbst für den Fall einer Bürgschaft müsse die Alemannia Sicherheiten bieten - etwa in Form von Stadionanteilen.

Auf derselben Linie liegt Harald Baal als CDU-Fraktionsvorsitzender. Auch er sagt, dass „ein verlorener Zuschuss”, nicht zur Diskussion stehe. „Leistung und Gegenleistung lautet die Devise, denn auch diese Bürgschaft birgt Risiken”, so Baal, der hinzufügt, dass „Alemannia ein Unternehmen wie andere auch ist, das keinen Anspruch auf Hilfe geltend machen kann”.

Andererseits schwingt in allen Politikerstimmen das Dilemma mit, dass man ohne den Profiverein an der Krefelder Straße ein leeres Stadion nebst millionenteurer Infrastruktur stehen haben würde.

Harald Baal betont, dass erst einmal der Regierungspräsident einer Hilfe zustimmen müsste. Dort wurde Kämmerin Annekathrin Grehling vorstellig. Dem Vernehmen nach hat Hans-Peter Lindlar bereits zuvor angedeutet, mitspielen zu wollen. Kein Wunder. Ginge die Alemannia pleite, würde die Landesbürgschaft über 20 Millionen Euro fällig.

SPD-Fraktionsvorsitzender Heiner Höfken würde „zwischen der Pest in Form einer insolventen Alemannia und der Cholera einer städtischen Haushaltsbelastung die Cholera wählen”.

Aber das sei abhängig von den Zahlen, die am Donnerstag vorgelegt werden. Abwarten bis dahin wollen Andreas Müller von den Linken und Wilhelm Helg von der FDP. Aber auch für sie steht fest: kein Zuschuss. Mit im Hilfspaket wäre stattdessen noch die Stundung von Zahlungen an die Stadt - etwa die Erbpacht fürs Grundstück in Höhe von mehreren hunderttausend Euro pro Jahr. Die Alemannia übrigens will bis zur Entscheidung dazu nichts mehr sagen.

Eine Gratwanderung wird´s allemal. Am Montag ging es im Finanzausschuss um den Etat 2010. Da geht es weiter abwärts. Und Kämmerin Grehling nahm erstmals ein drohendes böses Wort in den Mund: Haushaltssperre.
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