Aachen - Heinz Ramrath feiert seinen 80. Geburtstag

Heinz Ramrath feiert seinen 80. Geburtstag

Von: wb
Letzte Aktualisierung:
10499348.jpg
Feier im Kreise der Familie: Der bekannte Aachener Gastronom Heinz Ramrath freut sich über die nächsten Generationen mit den Söhnen Franz Dieter (3. von rechts) und Heinz-Peter (4. von rechts), den Schwiegertöchtern und Enkelkindern. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Natürlich kann man Heinz Ramrath nach seinem Erfolgsrezept fragen, aber es bringt nicht viel. „Man hat es, oder man hat es nicht“, sagt der Traditionswirt. Der Senior der alteingesessenen Gastronomenfamilie hat es offenbar: Die Gaststätte Am Knipp ist im wahrsten Sinne des Wortes wirtschaftlich erfolgreich.

Da kann Heinz Ramrath am Montag zufrieden seinen 80. Geburtstag feiern. Zumal die Nachfolge ja ohnehin geregelt ist, eigentlich immer schon. „Sobald man über die Theke gucken kann, ist man mit im Geschäft“, erklärt Sohn Franz-Dieter Ramrath die Familientradition. Der Hüne kann das jetzt schon lange, sein Bruder Heinz-Peter hat in der Küche den Überblick, die Ehefrauen Alexandra und Lilly sind ebenfalls mit im Geschäft, auch die Kinder Julia, Paul und Sebastian gucken über die Theke.

So ist auch Heinz Ramrath hineingewachsen in den Betrieb, den sein Vater Franz 1927 übernommen hatte. Den gab es schon seit 1698, aber 16 Jahre nach Franz Ramraths Einstieg war erstmal Schluss. „1943 wurden wir ausgebombt“, erzählt Heinz Ramrath. Vom Lokal war nicht mehr viel übrig, immerhin konnten sich die Ramraths zu Verwandten nach Alsdorf durchgeschlagen und dort für ein halbes Jahr unterkommen. Nach dem Krieg bauten Vater Franz und Sohn Heinz den Laden wieder auf, eröffnet wurde im Januar 1951.

Dass am „Knipp“ die lange Tradition dennoch spürbar ist, mag an der Sammelleidenschaft der Wirtsleute liegen. Antiquitäten in jedem Winkel, historische Bier- und Weinkrüge, eine rheinische Madonna aus dem 14. Jahrhundert, Holzvertäfelungen mit Delfter Kacheln, ein Blausteinboden – das Ambiente würde auch gut zu einem Museum passen. Aber so ruhig wie in einem Museum ist es am „Knipp“ eher nicht. „Früher hatten wir sogar morgens ab acht Uhr für eine Stunde auf“, erinnert sich Heinz Ramrath, „für die Schülerinnen von St. Ursula.“ Danach war eine Stunde Pause, und ab 10 Uhr kamen die ersten Stammgäste. Bis zur „Polizeistunde“ um ein Uhr nachts lief der Betrieb, dann endete auch die Spätschicht von Heinz Ramrath. „An manchen Tagen habe ich im Restaurant und in der Couvenstube alleine bedient, wenn die Eltern hinter der Theke standen“, sagt er. Serviert wurden Schinkenplatten, Heringstöpfe oder Sülze – kalte Küche eben.

Für freie Abende blieb da keine Zeit, aber Anfang der 1960er Jahre wurde immerhin der Dienstag zum Ruhetag. „Das kam durch den Streik“, erklärt Heinz Ramrath: Die Stadt Aachen erhob eine Getränkesteuer von zehn Prozent „auf alles außer Bier“, im Landkreis Aachen gab es diese Steuer nicht. Aachens Wirte fanden das ungerecht und drehten aus Protest die Zapfhähne hoch. „Es war ein Dienstag“, weiß Heinz Ramrath noch, „und wir sind an den Rhein gefahren.“ Weil es wohl ein schöner Dienstag war, blieb die Gaststätte fürderhin dienstags geschlossen.

Das ist bis heute so, auch gönnt sich die Familie in den Betriebsferien mal ein Pause. Dennoch hat es schon prominente Ruhestörer gegeben: Für den damaligen österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky haben die Ramraths eine Ausnahme gemacht. Im Umfeld der Karlspreisverleihung wollten Vranitzky und Anhang zunächst am „Knipp“ nur etwas trinken. „Sie kamen viel früher als angekündigt“, erinnert sich Franz-Dieter Ramrath, „und essen wollten sie auch.“ Was Heinz-Peter Ramrath in der Küche improvisierte, hat den Österreicher offenbar beeindruckt. Schriftlich bedankte er sich später bei den Ramraths für die „Flexibilität“.

Der Karlspreis bescherte dem Lokal auch einen Auftritt des damaligen EU-Parlamentspräsidenten Pat Cox hinter der Theke. Überhaupt ist Prominenz am „Knipp“ keine Seltenheit. Der Sänger und Schauspieler Johannes Heesters war schon da, Dieter Hallervorden, Dieter Thomas Heck oder Schlagersänger Roland Kaiser.

Auch Studenten

Die gehören sicher nicht gerade zur jungen Generation, aber die kommt auch. „Leider glauben manche, wir hätten nur älteres Publikum“, sagt Heinz-Peter Ramrath. Doch am „Knipp“ träfen sich ebenso Studenten oder junge Familien, deren Kinder die persönliche Ansprache des Familienbetriebs zu schätzen wüssten. Wie kommt ein so altes Traditionslokal an so junges Publikum? „Durch junges Personal“, meint Enkelin Julia. Sie gehört zur vierten Generation und hat es wahrscheinlich auch vom Opa geerbt.

Der feiert seinen 80. Geburtstag am 20. Juli im „erweiterten Familienkreis“. Die Gästeschar ist – naturgemäß bei der Popularität des Jubilars – immer noch recht groß. Dennoch fällt die Feier jetzt etwas kleiner aus als noch beim 60. Geburtstag. „Das war damals ein kleines Volksfest in der Soers“, erinnert sich Sohn Franz-Dieter Ramrath. Von Geschenken will das Geburtstagskind übrigens nichts wissen. „Es wird gesammelt für den Aachener Tierpark“, sagt Heinz Ramrath.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert