Aachen - Hein Kolberg ist im Alter von 93 Jahren gestorben

Hein Kolberg ist im Alter von 93 Jahren gestorben

Von: hpl
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Faszinierender Redner, überzeugter und überzeugender Friedensaktivist: Hein Kolberg ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftshauptschule Drimborn waren es bewegende Momente, als Hein Kolberg ihnen noch im vergangenen Herbst vom Krieg, von den Nazi-Verbrechen, von den menschlichen Abgründen berichtete. Damals war Hein Kolberg bereits 93 Jahre alt, aber unermüdlich in seinem Begehren, jungen Menschen eine politische Orientierung zu geben.

Dies war seine politische Botschaft: Kampf gegen Faschismus, gegen Nationalsozialismus und für die Toleranz gegenüber anderem demokratisch-politischen Denken. In der Nacht vom 1. auf den 2. Januar ist – so wurde am Montag bekannt – Hein Kolberg gestorben. „Damit verliert die Stadt Aachen eine ihrer ganz großen Persönlichkeiten“, sagt der Aachener DGB-Vorsitzende Ralf Woelk in seiner Würdigung des jahrzehntelangen Gewerkschafters.

Kindheit und Jugend waren geprägt von der bitteren Armut des Arbeitermilieus, den Gefahren, Ängsten, aber auch prägenden Eindrücken des Kriegseinsatzes in Russland und vom entbehrungsreichen Neubeginn nach der Kriegsgefangenschaft. Der am 21. November 1921 im Arbeiterviertel an der Peterstraße geborene Junge wurde früh Halbwaise, lebte mit drei Geschwistern und seiner Mutter in einer 30 Quadratmeter großen Wohnung mit nur einem Fenster.

Früh musste er an die Front, wurde mehrfach verwundet und kam auf Umwegen in britische Gefangenschaft. Wieder in Aachen, fand Kolberg 1947 einen Arbeitsplatz in der Reifenfabrik Englebert. Parallel engagierte er sich gewerkschaftlich und kam mit den Ideen von Marx, Engels, Liebknecht und Luxemburg in Berührung. „Mich faszinierte die Idee, sozialen Frieden zu schaffen, indem man den Arbeitern Macht gibt“, beschriebt er seine Motivation in einem Interview mit unserer Zeitung anlässlich seines 90. Geburtstages im November 2011.

Überhaupt war der Gerechtigkeitsgedanke der rote Faden im Leben des Hein Kolberg. Er wurde unermüdlicher Betriebsratsvorsitzender, Gewerkschafter, bedingungsloser Antifaschist und vor allem ausdauernder Friedensaktivist. Kaum eine Chance ließ der Aachener aus, um vor allem die jungen Menschen vor den Gefahren des Rechtsradikalismus zu warnen. Ende der 80er Jahre gehörte das Mitglied der Friedensbewegung zu den Mitgründern des Aachener Friedenspreises, der ihm 2011 die Ehrenmitgliedschaft verlieh.

Auch im fortgeschrittenen Alter waren Kolbergs öffentliche Auftritte geprägt von Energie, Überzeugungskraft und hoher Authentizität. Gerade dies machte ihn zu einem gern gesehenen Redner bei politischen Veranstaltungen und viel gefragten Gast in vielen Schulen. Seine Erzählungen hinterließen deutlich mehr Eindrücke als Schulbücher. Er ging keiner Auseinandersetzung aus dem Wege, blickte auch rechtsradikalen Gegnern unerschrocken ins Gesicht. Für die Gewerkschaft wurde Hein Kolberg zu einer Galionsfigur – konsequenterweise erhielt er vom Deutschen Gewerkschaftsbund 2002 die Hans-Böckler-Medaille als dessen höchste Auszeichnung.

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg, so lautete ein Postulat des politischen Menschen Kolberg. „Tut alles, damit ihr nicht eine Minute das erlebt, was wir in unserer Zeit erleben mussten“, gab er den jungen Menschen mit auf den Weg. Nicht nur seine Kinder, Enkel und Urenkel haben ihm fasziniert zugehört, auch mehrere Schülergenerationen. Sie werden bestätigen, was Ralf Woelk in Erinnerung an den Friedensstifter schreibt: „Hein Kolberg wird uns fehlen.“

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