Heiligtumsfahrt: Über 160 Kinder gemeinsam auf dem Weg

Von: Johannes Mohren
Letzte Aktualisierung:
8545258.jpg
„Man geht länger als sonst, aber man hält auch länger aus“: Die Pennäler der KGS Kornelimünster hatten sichtlich Spaß bei ihrer Premiere in Sachen Heiligtumsfahrt. Foto: Andreas Schmitter

Kornelimünster. Als die kleinen Pilger die dritte und letzte Station ihrer Reise erreichen, ist die Erleichterung groß. Denn nun wird Pause gemacht – und die Lichtung im Klauserwald in eine großen Picknickfläche verwandelt.

„Pilgern macht Spaß. Man geht länger als sonst – aber man hält es auch länger aus“, sagt Nele aus der Klasse 1b, lässt sich gegen einen dicken Baumstamm fallen und beißt beherzt in ihr Brot. Das grüne Pilgertuch, das sie auf dem Kopf trägt, ist ein wenig verrutscht. Neben ihr hat es sich eine kleine Gruppe aus Drittklässlern in einem Kreis auf dem Boden bequem gemacht. Wie das Pilgern sei? „Sehr cool“, ruft prompt ein Junge mit kurzen blonden Haaren, der wie alle hier eine Pilgermuschel um den Hals trägt, und seine Nachbarin fügt an: „Es ist toll, dass wir gerade im Wald sind, hier draußen essen und keinen Tisch haben.“

Sie alle haben sich morgens um 9 Uhr an der KGS Kornelimünster auf den Weg gemacht, um durch den Klauserwald zu pilgern und anschließend gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Mehr als 160 Kinder, die ganze Grundschule. Sie sind eine besondere Pilgergruppe, selbst in Tagen der Heiligtumsfahrt, wo es so viele Besucher zu den Heiligtümern an die Inde zieht. Auf den schmalen, kurvenreichen Waldwegen bilden sie einen endlos wirkenden, hörbar fröhlichen Strom. „Es ist eine super Idee, um die Kinder langsam an die Kirche und den Glauben heranzuführen“, betont Michael Cosler, der gleich drei Kinder an der Schule hat und die Gruppe gemeinsam mit anderen Eltern begleitet.

Für die meisten Schüler ist es das erste Mal, dass sie pilgern – eine ganz neue Erfahrung. „Ich war bisher nur mit meinem Papa wandern“, erzählt Nina. Insgesamt gefalle ihr das Pilgern gut – „nur nicht, wenn es bergauf geht“, sagt sie und schmunzelt. Für die Anstiege hat sie wie ihre Mitschüler einen Pilgerstab dabei. Ninas Exemplar ist besonders groß und wie die anderen mit viel Mühe und individuell gestaltet – buntes Kreppband ist an zahlreichen dicken Ästen ebenso zu sehen wie goldenes Lametta, das einen beinahe zwangläufig an die letzte Weihnachtsdekoration erinnert.

„Bei solchen Stäben besteht eigentlich immer die Gefahr, dass sie von Kindern schnell zweckentfremdet werden. Das passiert aber gar nicht und zeigt, wie wichtig sie den Schülern geworden sind“, sagt Cornelia Tillmanns, Verbindungslehrerin Religion an der Grundschule, die mit ihren Fachkolleginnen die Pilgerreise vorbereitet hat. Die Stäbe, betont sie, seien ein Teil des Versuchs, die Schüler an das Thema Pilgern heranzuführen: „Wir hoffen natürlich, dass es für die Kinder mehr ist als nur ein Wanderabenteuer im Wald, dass vielleicht der Klick-Effekt da ist.“

Im Unterricht ist der Ausflug deshalb ausführlich vorbereitet worden. „Wir haben gemeinsam erfahren, dass pilgern bedeutet, sich auf den Weg zu machen mit einem festen Ziel vor Augen “, berichtet Tillmanns. Das Ziel selbst, die Stoffheiligtümer, sei für die Kinder natürlich sehr abstrakt. „Es ist doch auch vielen Erwachsenen – und dazu zähle auch ich – heute fremd, ein Stück Stoff zu verehren. Trotzdem wollen wir uns bewusst darauf einlassen“, sagt die Religionslehrerin und fügt hinzu: „Ob die Tücher wirklich echt sind, ist für mich gar nicht der Kern der Glaubensfrage, sondern vielmehr, dass seit Jahrhunderten Menschen lange Wege dorthin auf sich nehmen und ihre Hoffnungen und Sehnsüchte mitbringen.“

Das habe sie auch ihren Schülern vermittelt. Die haben bei der Beschäftigung mit dem Thema schon zum ersten Teil der Heiligtumsfahrt im Juni selbst kleine Stoffflicken mit ihren Sorgen und Wünschen bemalt, aus denen die Eltern dann ein großes Tuch genäht haben. Dieses bunte Gemeinschaftswerk ist nun bei der kleinen Pilgerreise dabei. Allen Menschen Glück, wünscht ein Schüler da, ein anderer, dass auf der Welt Frieden herrscht. Eine ganz individuelle Annäherung an die so abstrakte Verehrung. Die findet bei den kleinen Pilgern auf der Strecke entlang der Inde immer wieder statt. Zusammen. In der Gemeinschaft.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert