Heiligtumsfahrt klingt mit furiosem Schlussakkord aus

Von: Robert Esser
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Phänomenale Kulisse zum Finale: Der Talk- und Musikabend vor dem von der Abendsonne erleuchteten Dom war ein weiterer Höhepunkt der Heiligtumsfahrt 2014. Foto: Andreas Steindl
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Munteres Gespräch zum „Adieda“: (v.l.) Sandra Albarus, Gabriele Philipp, Karl Reger, Caroline Reinartz und AZ-Chefredakteur Bernd Mathieu. Foto: Andreas Steindl
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Glücklich: Wallfahrtsleiter Hans-Günther Vienken darf auf seine Mitarbeiter stolz sein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Obwohl es nur Stunden zuvor noch wie aus Kübeln geschüttet hat, strömen Sonntagabend hunderte Pilger vor die gewaltige Altarinsel auf den Katschhof. Klasse. Kein Meer aus Gläubigen, aber viel mehr als erhofft. „Adieda in sieben Jahren“ heißt der charmant-schöne Schlussakkord der Aachener Heiligtumsfahrt ab 20.30 Uhr.

Zum furiosen Finale blasen dann um 22.25 Uhr die Turmbläser der Privatkapelle Neuß das „Urbs Aquensis“ vom Dach (!) der Chorhalle des Doms – Gänsehaut. Grandios. Geht nicht besser. Was nichts mit Temperaturen rund um 14 Grad Celsius zu tun hat, die zuvor tausende Besucher am Münster auf dem Endspurt ihres Pilgerweges (am heutigen Montagmorgen um 9 Uhr beginnt die Verschließungsfeier im Aachener Dom) tapfer ignorieren.

Es gibt am späten Abend wunderbar warmen Applaus bei dem besinnlichen, informativen, witzigen Resümee mit viel Öcher Flair – moderiert von AZ-Chefredakteur Bernd Mathieu. Vor der Altarbühne (die unterhalb der durch die Abendsonne orange-rot erleuchteten Dom-Silhouette noch fantastischer glänzt) amüsiert sich das Publikum prächtig. Als Mathieu so locker erläutert, dass der Florist, der seinen prächtigen Blumenschmuck an und auf der Altarbühne am Abend an Besucher verkauft, auch die Lieferung nach Hause garantiert, erinnert der Moderator im weitesten Sinne an Pilgerwege: „Ich freue mich schon, wenn unsere Besucher aus Johannesburg einen Strauß kaufen...“

Es ist eine ausgesprochen entspannte Atmosphäre an diesem Schlussabend – genau dieses spezielle Öcher Flair, das die Heiligtumsfahrt 2014 auszeichnet. Der Chor der Domsingschule unter der Leitung von Irma Wüller intoniert herrlich dialektisch Hymnen über den Dom als Stolz der Aachener. Dann setzen die Doktoren Karl Allgaier und Manfred Birmans mit ihrem Öcher Verzäll über Windel-„Höddelche“ und armverkürztes Marienkleid noch einen drauf. Fazit: All das – inklusive 2000 Jahre alter Geruch – macht die Reliquien doch noch viel wertvoller! Was spontan Applaus erntet.

Genauso wie das Öcher Original Caroline Reinartz, die schon 1937 im Kinderwagen vor die Heiligtümer gekarrt wurde – wie sie auf der Bühne erzählt. „Die vielen Kinder, diese Stimmung – die Generationen hinter uns sind da!“, ruft sie dem Publikum heute zu. Beifall. Dann freut sich die stellvertretende Direktorin des Aachen Tourist Service, Gabriele Philipp, über Synergie-Effekte: „Die Ausstellungs-Trias zum Karlsjahr und die Heiligtumsfahrt haben voneinander profitiert“, bestätigt sie am Mikrofon.

Aachen ist voller Besucher. Frohlockend, frenetisch, frisch, friedlich, mal frech und zuweilend frappierend fromm fasziniert die Kaiserstadt. Auch Weihbischof Karl Reger. „So viele gebrechliche Menschen, schwer krank, haben das Zeichen der Krankensalbung in St. Paul erlebt“, erzählt er dem Publikum. Und berichtet sichtlich ergriffen, dass ihn dies genauso bewegt hat wie die Begegnung mit tausenden Kindern, die tags zuvor so unbeschwert „unsere“ Reliquien gefeiert haben.

Dann „folgt“ der typisch-emotionale Wechsel in Sachen „innere Einkehr“: Am Mikrofon von Bernd Mathieu zitiert Sandra Albarus, die Gastronomin der Albrecht-Dürer-Stuben, – bekanntlich im Schatten des Doms – die meist gestellte Frage der Pilger: „T‘schuldigung. Haben Sie eine Toilette?“ Es darf gelacht werden. Und gejubelt. Ebenso bei den Talkgästen Angelika Krott (Domsingschule), Thomas Zintzen (Goldschmied des neuen Marienschrein-Schlosses) und Gesa Hollinger (BDKJ).

Was die zwölf Kehlen von Capella a Capella so vielstimmig harmonisch am Sonntagabend zu Gehör bringen, schmeichelt dem Ohr noch mehr als der „Wehrhafte Schmied“ zur Melodie von „Griechischer Wein“. Bewegt spricht Dompropst Helmut Poqué den Schlusssegen unter den Sternen. Auch er weiß: Durch diese Heiligtumsfahrt gibt es ein „Mehr“ an Gläubigen. Auch wenn sie nicht überall strömen. Man sieht sich wieder.

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