Heiliger Hieronymus zieht als Erster ins Museum ein

Von: Sarah Sillius
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Restauratorin Ulrike Villwock und Museumsdirektor Peter van den Brink nehmen den „Heiligen Hieronymus” unter die Lupe. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Eine zugenagelte Holzkiste, daneben ein paar weiße Handschuhe und eine Taschenlampe. Rundherum gespannte Gesichter. Jetzt wird Restauratorin Ulrike Villwock die „Schatzkiste” öffnen.

„Ist das spannend”, sagt Peter van den Brink, Direktor des Suermondt-Ludwig-Museums und fiebert dem feierlichen Moment, in dem der Deckel fällt, entgegen.

In der Kiste: eines von über 60 Exponaten des Künstlers Joos van Cleve, die ab dem 17. März im Suermondt-Ludwig-Museum ausgestellt sind, der „Heilige Hieronymus in seinem Studierzimmer”. „Es ist so schön, endlich das Original zu sehen. Es gehört zu meinen Lieblingsbildern der Ausstellung”, sagt Kuratorin Alice Taatgen.

Dann ist es endlich soweit: Die Restauratorin und der Museumsdirektor heben das Bild aus der Kiste und entfernen die Schutzfolie. Van den Brink greift zur Taschenlampe und nimmt das Gemälde in Augenschein. In einem Protokoll müssen mögliche Schäden festgehalten werden. Für den Direktor ist der Transport der Exponate „ein logistischer Alptraum”. Die Porträts, Andachtsbilder und Altarstücke reisen aus renommierten Museen und Privatsammlungen aus der ganzen Welt an.

Aus New York, Madrid, London oder Paris. Der Heilige Hieronymus stammt aus einem Privatbesitz - Ort geheim - und war zuletzt in Brügge ausgestellt. Von dort hat er den Weg nach Aachen angetreten - sicher verpackt in der gepolsterten Kiste und einem speziell klimatisierten Lastwagen. „Wenn die Bilder ankommen, müssen sie erstmal 24 Stunden stehen bleiben”, erklärt die Kuratorin. Hieronymus hat sich ganz in Ruhe an die Temperatur im Suermondt-Ludwig gewöhnen können. Die erste Untersuchung zeigt: Das Bild ist in gutem Zustand. „Ich kann noch nicht mal kleine Risse entdecken”, sagt van den Brink und ist erleichtert.

Ein kleines Wunder, immerhin ist das Gemälde rund 490 Jahre alt. Joos van Cleve, wegen seines an Da Vinci erinnernden Stils auch als „Leonardo des Nordens” bezeichnet, ließ sich bei seinem Gemälde von einem anderen großen Künstler inspirieren. Von Albrecht Dürer und seinem Bildnis vom Heiligen Hieronymus aus dem Jahr 1521. „Joos van Cleve hatte eine größere Liebe zum Detail”, erklärt die Kuratorin, was den besonderen Stil van Cleeves auszeichnet.

Rund um den Heiligen zu sehen: eine fast abgebrannte Kerze, ein Totenschädel, eine Sanduhr, ein Schild mit der Aufschrift „Homo bulla”, was so viel heißt wie „Der Mensch ist wie eine Seifenblase”. Typische Vanitas-Symbole also, sehr filigran gezeichnet.

Und der Heilige selbst? Der berührt mit dem Finger den Totenschädel und schaut den Betrachter direkt an. „Als wollte er sagen: âGuck mal, der Mensch ist sterblich!Ô”, interpretiert es Taatgen. „Diese symbolische Einheit war unglaublich populär, wurde von vielen als Vorbild genommen”, erzählt die Kuratorin, die hohe Erwartungen an die Ausstellung hat. „Viele Gemälde werden zum ersten Mal gezeigt. Das wird sicher viele neue Erkenntnisse für die Wissenschaft bringen.”
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