Heftiges Tauziehen um die Musikschule

Von: Matthias Hinrichs
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Massiver Handlungsbedarf: Die
Massiver Handlungsbedarf: Die Stadt betont, dass eine Sanierung im Gebäude der Musikschule unabdingbar sei - und will das Objekt deshalb verkaufen. Dagegen regt sich breiter Widerstand. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Noch sitzen rund 3000 Nachwuchskünstler nicht auf gepackten Instrumentenkoffern - da ist von Harmonie im Dreiklang zwischen Nutzern, Politik und Verwaltung längst rein gar nichts mehr zu spüren.

Die langjährige Residenz der Musikschule ist zum veritablen Zankapfel geraten, nachdem die Stadt im Februar klargestellt hat: Aufgrund massiven Sanierungsbedarfs im anno 1907 errichteten Prachtbau am Blücherplatz soll die Einrichtung ab Sommer in die ehemalige Grundschule Eintrachtstraße umziehen. „Die Entscheidung ist unumstößlich”, unterstrich Oberbürgermeister Marcel Philipp am Mittwoch nochmals. „Da der Brandschutz am Blücherplatz nicht gewährleistet ist, sind wir gezwungen, das Gebäude jetzt zu sanieren oder zu veräußern.”

Und der OB lässt keinen Zweifel daran, dass letztere Option mit Nachdruck weiterverfolgt werden soll. „Eine Herrichtung würde rund 2,5 Millionen Euro kosten. Das können wir uns nicht leisten. Zumal die Stadt noch immer zu viele eigene Raumkapazitäten hat.” Kurzum: „Am Umzug zur Eintrachtstraße führt kein Weg vorbei. Es gibt keine Alternative.”

Philipps „Basta” könnte dennoch erst die Ouvertüre im Tauziehen um den angestammten Standort markieren. Selbst in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsvorstands schieden sich nach AZ-Informationen die Geister in punkto langfristige Aufgabe.

Mit ungewöhnlich harschen Tönen bringt derweil Thomas Beaujean, langjähriger ehemaliger Leiter der Einrichtung, den wachsenden Zorn in den Reihen der Schüler, Eltern und Lehrenden auf den (Kontra-)Punkt: „Inzwischen wissen auch die Kulturpolitiker aus eigener Anschauung, dass die Situation an der Eintrachtstraße eine absolute Katastrophe ist”, sagt er. „Dort fehlen allein 14 Räume - vom Konzertsaal, der unbedingt gebraucht wird, ganz zu schweigen. Die Toiletten sind eine absolute Zumutung. Dass die Stadt den Umzug unter diesen Vorzeichen vorantreibt, finde ich wirklich bodenlos.”

Alternativen böten sich durchaus, etwa mit der ehemaligen Hauptschule Franzstraße oder - „geradezu ideal”, so Beaujean - dem Anwesen der Knappschaft an der Monheimsallee. „Damit könnte die Musikschule auch langfristig leben. Jetzt aber steht zu befürchten, dass sie ein für allemal an der Eintrachtstraße bleiben soll. Und das geht gar nicht.” Allein: Auch das Objekt der Knappschaft ist heftig umworben - ob die Stadt ihr Vorkaufsrecht gegenüber einem privaten Interessenten geltend machen kann, wird derzeit gerichtlich geklärt.

Fest steht indes, dass sich auch die Politiker mit dem Umzugsbeschluss keineswegs abfinden wollen: „Wir sind erstaunt, dass der Brandschutz plötzlich als derart dringlich dargestellt wird”, erklärt SPD-Ratsherr Claus Haase. „Außerdem sind die jetzt vorgelegten Zahlen zum Kostenumfang für uns so ohne weiteres nicht nachvollziehbar.” Ins gleiche Horn stößt CDU-Ratsherr Hubert Bruynswyck: „Zurzeit gibt es nur Schätzungen. Bislang ist der Rat gar nicht einbezogen worden.” Das weist Philipp zurück: „Bereits nach der letzten Sommerpause haben wir die Fraktionen in Kenntnis gesetzt, dass eine Fortführung des Unterrichts am Blücherplatz unverantwortlich wäre.”

Möglichkeiten für Aufführungen böten sich im Übrigen im Umfeld genügend - etwa im Space des Ludwig Forums oder in der Hugo-Junkers-Realschule. Selbstverständlich würden die zuständigen Ratsausschüsse in Kürze ausführlich über den Stand der Planungen informiert. Offene Raumfragen stehen nämlich allemal weiterhin im Raum: Nach den Ferien muss eine neue Bleibe für Teile von Abendrealschule und -gymnasium gefunden sein, die noch an der Eintrachtstraße untergebracht sind - und sich in Trägerschaft der Städteregion befinden. „Wir arbeiten täglich und mit Hochdruck an einer Lösung”, erklärte deren Sprecher Detlef Funken am Mittwoch.
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