Heftige Reaktionen auf Beschluss zur vierten Gesamtschule

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Aachen. Das Vorhaben von SPD, Grünen und CDU, eine vierte Gesamtschule einzurichten und dafür das Geschwister-Scholl-Gymnasium, die Hugo-Junkers-Realschule und die Hauptschule Aretzstraße „auslaufen” zu lassen, schlägt weiter Wellen.

In einem offenen Brief an die Ratsfraktionen und die Schulaufsicht kritisieren Hardy Gluth und Lothar Grodde für den Lehrerrat der Hauptschule Aretzstraße, dass man von den Plänen aus der Presse erfahren habe.

Von einem „ernsthaften Dialog” mit den Betroffenen könne keine Rede sein. „Das bedauern wir sehr, weil wir den verantwortlichen Schulpolitikern sehr gerne unsere Sicht der Dinge, unsere pädagogischen Konzepte und unsere Ideen für eine Zukunft unserer Schule (in Zusammenarbeit mit anderen Schulen) vorgestellt und dargelegt hätten.”

Es sei „verfrüht und wenig durchdacht”, eine vierte Gesamtschule und das Ende der betroffenen Schulen auszurufen. Weiter heißt es: „Erfolgversprechende Kooperationskonzepte von Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien entstehen nicht durch von oben verordnete politische Initiative, sondern sind das Ergebnis eines aufwändigen und konstruktiven Abwägungs- und Abstimmungsprozesses, an dem Lehrerkollegien, Eltern, Verwaltung und Politik beteiligt sind.”

Der Lehrerrat bittet Politik und Verwaltung, die Lehrer- und Elternvertreter der Aretzstraße „so schnell wie möglich ausführlich und im persönlichen Gespräch” über die Beweggründe der Entscheidung und über die nächsten politischen Initiativen zu informieren und das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen, „damit unsere Kenntnisse über die notwendigen Strukturen und Bedingungen berücksichtigt werden können”.

Auch Holger von Boetticher und Walter Lohne, betroffene Lehrer und Mitglieder des Leitungsteams des Stadt- und Kreisverbandes Aachen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, schalteten sich in die Diskussion ein.

Der Beschluss komme überraschend, heißt es. Man frage sich, „ob es nicht besser gewesen wäre, damit bis nach der Landtagswahl 2010 zu warten, um eventuell mehr Entscheidungsoptionen zu haben”. Aufgrund des Schulwahlverhaltens der Eltern und der zurückgehenden Schülerzahlen bestehe sicher Handlungsbedarf.

Auch die Standortwahl im Ostviertel sei sinnvoll. „Aber sollte man den bestehenden weiterführenden Schulen im Ostviertel nicht Gelegenheit und etwas Zeit geben, Möglichkeiten der Kooperation zu entwickeln.”

Die eigentliche Herausforderung für die neue Gesamtschule werde darin bestehen, „ein integratives Konzept zu entwickeln, das für die heterogene und teilweise aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammende Schülerschaft im Ostviertel einen pädagogischen Mehrwert erbringt, der die Auflösung von drei gewachsenen, intakten Schulen dieses Stadtviertels rechtfertigt”.

Die Art und Weise, wie diese Entscheidung für eine weitere Gesamtschule kommuniziert werde, sei „für uns als Lehrer an der aufzulösenden Hugo-Junkers-Realschule und der Hauptschule Aretzstraße aber kritikwürdig. Warum sprechen Politik und Verwaltung nicht zuerst mit den betroffenen Schulen, ehe man an die Öffentlichkeit geht?”

Soviel Fingerspitzengefühl und Professionalität müsse von der Lokalpolitik erwartet werden können, „auch um für die Akzeptanz der Entscheidung bei den Betroffenen zu werben und Wertschätzung für die bisher geleistete pädagogische Arbeit auszudrücken”. Bei den Kollegien der drei Schulen bleibe das Gefühl, beliebige Manövriermasse der Politik zu sein.

„Die politischen Entscheidungsträger bewirken durch diesen Stil, der an aktuelle Standortschließungen in der Privatwirtschaft erinnert, selbst die von ihnen beklagte Politikverdrossenheit der Bürger.”
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