„Hedda Gabler“: Illusion der perfekten Fassade

Von: Svenja Pesch
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Bringen Hedda Gabler auf die Bühne des Theaters Aachen: Philipp Berweger (links, Bühne und Kostüme), Julie Paucker (Dramturgin) und Ludger Engels (Chefregisseur). Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer wird von wem bestimmt? In einem Raum, wo keiner zu Hause ist? Wo alles fremd und irgendwie nicht greifbar ist? Inmitten von Intrigen und Machtspielen steht vor allem eines im Fokus: Die Suche nach sich selbst.

Das Theater Aachen beleuchtet in der Tragödie „Hedda Gabler“ von Henrik Ibsen eine Thematik, die sich um das Aufrechterhalten einer Fassade und der damit verbundenen Suche nach sich selbst befasst.

Die aus einer Generalsfamilie stammende Hedda Gabler heiratet Jorgen Tesman, der sie anbetet und ehrlich liebt. Doch Hedda, eine Frau um das Jahr 1890, ist unzufrieden. Wobei ihr Zufriedenheit trotz oder gerade wegen ihres luxuriösen Lebens gänzlich fremd ist. Vielleicht überfordert es sie auch einfach. Doch mit dem Auftreten von Eilert Lovborg, einem ehemaligen Geliebten Heddas, kommt wieder Schwung in ihren Alltag.

Nicht nur, dass Tesman plötzlich einen Konkurrenten hat, da beide sich auf denselben Universitätsposten beworben haben, auch Hedda hat eine neue Freundin: die Muse Lovborgs, die für ihn ihren Mann verlassen hat. Entgegen der gängigen, gesellschaftlichen Vorstellungen.

Ludger Engels, der das Stück inszeniert, richtet das Augenmerk vor allem auf den Zauber, der von der Protagonistin ausgeht: „Hedda Gabler ist eine Frau mit viel Charme. Da sie dies jedoch weiß, schwingt immer auch etwas Gefährliches mit. Sie zerstört durch ihre Spielchen Menschen und versucht, stets die Fassade aufrecht zu halten. Sie ist nicht fähig, sich auf echte Gefühle einzulassen und kann nie wirklich bei sich sein.“ Aber ist es nicht auch ungeheuer schwer, ganz bei sich zu sein? Zu dem zu stehen, was man macht? Entgegen aller moralischer Normen und Zwänge zu handeln ist eben immer auch ein Risiko.

Vielleicht ein Risiko, durch welches man lernt, zu sich zu finden. Doch ist Heddas Ehe mit Tesman wirklich eine reine Zweckhochzeit gewesen? Als Frau ohne Ausbildung, ohne Beruf war es eben nur Tesman, der sie für immer wollte und nicht nur für eine Nacht. So treffen sie alle aufeinander, die die im Leben etwas riskiert haben, die, die Fassade nicht zum Einstürzen bringen wollen und die, die eine emotionale Abhängigkeit geschaffen haben.

Julie Paucker, Dramaturgin, sieht in den ganzen Verflechtungen dennoch eine Gemeinsamkeit: „Die Frage bei allen handelnden Personen ist doch die, ob man den Mut hat, etwas zu verfolgen. Ob man für sich selbst steht, auch wenn das bedeutet, das luxuriöse Leben, wie es bei Hedda der Fall ist, aufzugeben.“ Schließlich hat jeder Mensch seine eigene Vergangenheit – stellt sich die Frage: Wie weit ist man bereit zu gehen?

Die Premiere am 17. Mai ist bereits ausverkauft. Weitere Termine: 22./25. Mai, 1./8./11./16./19./ 25. Juni und 3./5./9./12. Juli. Karten erhalten Sie in den Aachener Servicestellen des Zeitungsverlages im Verlagsgebäude, Dresdener Straße 3 und im Mediastore, Großkölnstraße 56.

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