Haverkamp: Mit satirischer Sense gegen die Worthülsen

Von: Matthias Hinrichs
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„Sprache ist wie die Gewächse im Garten – sie verändert sich mit dem Untergrund“: Wendelin Haverkamp blickt mit seinem neuen Programm „Alles muss man zweimal sagen“ nicht immer, aber immer öfter über die Öcher Kirchturmspitzen hinaus. Am 20. November stellt er es im „Franz“ erstmals vor. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Hallo?! Geht‘s noch? Geht. Gut sogar! Auch wenn derlei eigentlich unverdächtige Fragen heutzutage eher als Vorwürfe denn als freundliche Floskeln verstanden werden. Ein Mensch seines Schlages reagiert da zuweilen empfindlich. Und kontert auf seine Weise: „Alles muss man zweimal sagen“, heißt das neue abendfüllende Programm, mit dem Altmeister Wendelin Haverkamp seit kurzem die einschlägigen Rampen der Republik bedient – und einer neuen „Kultur“ der Gedankenlosigkeit Paroli bieten will.

Dabei ist der Titel seines jüngsten „Kleinkunst“-Coups seinerseits zunächst mal gar nicht böse gemeint – sondern eben wörtlich zu verstehen: „Ich stelle fest, dass viele Themen, mit denen man sich vor längerer Zeit befasst hat, noch immer brandaktuell sind – und dass man sie heute deshalb umso entschiedener ansprechen muss“, sagt Haverkamp. Deshalb hat er so manchen seiner heimlichen „Aufreger“ in den vergangenen drei Jahren kabarettistisch neu reflektiert. Und festgestellt, dass ohne die gute alte Muttersprache noch immer wenig „geht“. Mit ihr aber eben manches auch nicht mehr...

Er selbst gestattet sich in diesem Zusammenhang eine ziemlich üppige Metapher: „Unsere Sprache ist wie die Gewächse im Garten: Wenn die sich verändern, muss sich auch im Untergrund etwas verändert haben.“ Allerdings scheint ihm der humanistische Humus mittlerweile vielfach reichlich dünne. „Früher war um Gottes willen nicht alles besser. Aber man stellt fest, dass die Wellen der Erregung über vermeintliche Skandale in immer kürzeren Intervallen über uns hinweg schwappen“, sagt Haverkamp.

Vor allem angesichts der „digitalen Verpestung“ greife die rhetorische und gedankliche Oberflächlichkeit, die Hektik auch in den Hirnwindungen in ungeahntem Maße um sich. Will sagen: Soziale und politische Hintergründe blieben tatsächlich allzu oft: im Hintergrund. „Man hat den Eindruck, dass einfach nicht mehr nachgedacht wird. Bestes Beispiel ist für mich da die endlos naive Einstellung à la ,Ich hab‘ ja nix zu verbergen!‘, wenn es etwa um die totale Überwachung durch das Internet geht.“

Dabei sei der allumfassende Computer-Kult unserer Tage durchaus im Begriff, „unsere Kultur, unsere Berufsbilder, ja unsere gesamte Gesellschaft zu zerstören. Und das spiegelt sich eben auch in den vielen seltsamen Worthülsen unserer ,Fatzebuck‘-Generation wider.“

Derlei fatalen Entwicklungen setzt der Satiriker und Wiederholungstäter Haverkamp freilich am liebsten augenzwinkernde Argumente entgegen. „Lyrische und poetische Texte finden ihren Platz im neuen Programm ebenso wie kleine Lieder mit Klampfe und Geschichten aus dem Alltag“, unterstreicht er.

Und natürlich gerät dabei auch die „politische Klasse“ – von der untersten bis zur obersten Ebene – ins Schussfeld des Pointenjägers. Ob‘s um die „500 fleischfarbenen Wülstlinge auf dem Katschhof zur ,Feier‘ des Karlsjahrs“ geht oder um die „moralische Bräsigkeit unseres Herrn Bundespräsidenten“ – Haverkamp ist das Lachen keinesfalls vergangen. Vielleicht zeigt der inzwischen 66-Jährige dabei nur noch mehr die Zähne: „Ich muss nicht mehr so viel Rücksicht nehmen“, sagt er. „Die Befindlichkeiten gewisser Leute sind mir mittlerweile egal. Das mag hier und da weh tun – aber ich glaube, es ist vor allem schön.“

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