Aachen - Haverkamp hält noch einmal Hof mit der ersten Garde

Haverkamp hält noch einmal Hof mit der ersten Garde

Von: Grzeschik
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(Schwarzer) Humor satt: Wendelin Haverkamp und Co. zogen zum Finale noch einmal alle Register der satirischen Rede. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Abend begann – mit gesalzener Kritik am deutschen Bildungssystem – fast schon erwartungsgemäß. Die große Polit-Prominenz – darunter Seehofer, Erdogan und Trump – bekamen erst später ihr Fett weg. So oder so gab es am Samstagabend eine Menge zu lachen, schließlich lud Wendelin Haverkamp ein letztes Mal zu seiner Öcher Veranstaltungsreihe „!Au Banan“ ins Stadttheater.

Gestartet war der vielfach hochkarätig besetzte Reigen der großen Kleinkunst-Stars im Jahre 1991 im damaligen Jakobshof, seit 2007 fand „!Au Banan“ drei- bis viermal pro Jahr im „Franz“ eine Heimat.

In den vergangenen 25 Jahren war es Haverkamp immer wieder gelungen, sattsam bekannte Kollegen ins Dreiländereck zu lotsen, darunter die Kabarettisten Volker Pispers und Horst Evers. Das Konzept war dabei von Anfang an dasselbe: Befreundete Künstler laden zum süffisant-satirischen Tete-à-Tete und unterhalten sich über Gott und die Welt. Und so überrascht es wenig, dass auch die letzte Veranstaltung, die zugleich das 25-jährige Jubiläum von „!Au Banan“ darstellte, mit namhaften Gästen aufwartete.

Zum vielleicht größten Zuschauerliebling mauserte sich am Samstagabend Lars Reichow, der durch mehrere Projekte bei regionalen Fernsehsendern und zuletzt mit einer eigenen ZDF-Reihe bundesweite Bekanntheit erlangte. Er servierte dem Publikum einige der frechsten und spitzesten Witze des Abends und arbeitete sich zudem an verschiedenen Aufregern des aktuellen Zeitgeschehens ab. So bekam unter anderem US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump sein Fett weg. „Die USA ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – auch für Vollidioten“, meinte Reichow und erntete prompt begeistertes Gelächter.

An die Adresse des bayerischen Ministerpräsidenten witzelte er, es brauche keine Obergrenze für Flüchtlinge, „sondern eher für politische Amokläufer wie Horst Seehofer“. Höhepunkt seines Auftritts war ein fiktives Telefonat zwischen Angela Merkel und Wladimir Putin, das Reichow seinem Publikum in gesungener Form am Flügel servierte. Aus dem bekannten Lied „Moskau Moskau“ wurde da im Handumdrehen „Putin, Putin“. Mit weniger harmonischer Stoßrichtung, versteht sich.

Kölner Tiraden und Öcher Blues

Lachsalven erntete auch der TV-geeichte Chef-Grantler vom Dienst aus Köln, Wilfried Schmickler, der die Gangart in punkto Polit-Tiraden erwartungsgemäß massiv verschärfte. Da tat eine kleine Auszeit mit lokalpatriotischer Note gelegentlich ganz gut: Immer wieder wurde das kabarettistische Programm kongenial garniert durch den wahren „Öcher Blues“, virtuos und mit viel Herzschmerz dargeboten von Gitarrist Dieter Kaspari und seiner Band. Das geriet souverän und durchaus passend, schließlich verschaffte es den Zuschauern ein wenig Luft beim Mitdenken angesichts der meisterlich zelebrierten Wortkaskaden auf der Bühne. Bestens komplettiert wurde die Garde der Spötter und Humoristen durch Erwin Grosche, der dem Publikum etliche redegewandte Rezepte zum Training der Lachmuskeln verpasste.

Trotz alledem: Der Star des Abends hieß selbstverständlich Wendelin Haverkamp. Wann immer er die Bühne enterte, schlug ihm wärmste Sympathie entgegen. Kein Wunder, schließlich hat sich der Maestro der gepflegten Großattacke wider den Zeitgeist den Erfolg seiner Veranstaltungsreihe über 25 Jahre hinweg erarbeitet. Dafür, dass er über die Jahre hinweg jedes Mal vor ausverkauften Rängen auftreten durfte, bedankte sich der 68-Jährige bei seinem Publikum ausnahmsweise mal ganz ernsthaft.

Und so rückte die Uhr am Samstagabend schon der elften Stunde entgegen, als Haverkamp unter großem Applaus und Standing Ovations die Bühne verließ und eine kleine Tradition ihr endgültiges Ende fand.

Das Publikum zeigte sich trotz gelegentlicher melancholischer Reminiszenzen höchst beglückt und strömte, um den einen oder anderen „finalen“ satirischen Gedankenanstoß reicher, hinaus in die Nacht. Nicht ohne eine letzte Botschaft für die Daheimgebliebenen im Gepäck: Für alle, die „!Au Banan“ verpasst haben, sendet WDR 5 am Samstag, 5. November, gegen 15 Uhr einen Mitschnitt der Veranstaltung im Radio.

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