„Hausmeister“ hofft jetzt auf Pinters Erben

Von: Matthias Hinrichs
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Damen tabu: Der Rowohlt-Verlag hat die Aufführung von Harold Pinters „Caretaker“ im Theater K vorläufig untersagt. Foto: Gerd Plitzner

Aachen. Im Theater K war der „Caretaker“, also der Hausmeister, zuletzt nur noch unter striktem Ausschluss der Öffentlichkeit im Einsatz – als es galt, die Requisiten für die Aufführungen des gleichnamigen Drei-Personen-Stücks von Harold Pinter einzumotten. Zumindest vorläufig.

Denn Ende vergangener Woche ereilte das Bastei-Ensemble die bittere Nachricht aus Hamburg: Der Rowohlt-Verlag, der über die Urheberrechte des Autors in Deutschland wacht, untersagte die Präsentation der Inszenierung von Annette Schmidt. Begründung: Der britische Dramatiker und Nobelpreisträger Pinter (1930-2008) habe grundsätzlich verfügt, dass die absurd-hintergründige Geschichte, uraufgeführt 1960, ausschließlich mit männlichen Schauspielern besetzt werden dürfe. Annette Schmidt aber hatte die Figuren der ungleichen Brüder Mick und Aston für ihre Bühnenversion in Damen verwandelt – und in Gestalt von Laura Thomas und Anna Scholten auch von Frauen spielen lassen. Folge: Nach dem beachtlichen Erfolg der ersten Aufführungen fiel der Vorhang unversehens, sozusagen aufgrund von höherer Gewalt.

In der Tat habe sie allerdings versäumt, die Inszenierung bei den Hamburger Rechtehütern „absegnen“ zu lassen, bekennt Schmidt. „Das ist mir ärgerlicherweise einfach durchgegangen.“ Zum Glück sei das Ensemble immerhin in der Lage, seinen Spielplan kurzfristig umzustricken (siehe Info). Dennoch sei zu befürchten, dass der verunglückte Abgang des „Caretaker“ ein durchaus dramatisches Loch von um die 10.000 Euro (inklusive 1000 Euro Konventionalstrafe) in die ohnehin knappen Kassen des freien Theaters reiße.

„Gerade erst habe ich den Verlag zum zweiten Mal angeschrieben in der Hoffnung, dass wir doch noch eine Freigabe erwirken“, erklärt Schmidt. Zumal Pinters bizarr-ironische Geschichte über die durchaus maskulinen Geschwister Mick und Aston, die bei der Instandsetzung von Astons heruntergekommener Bleibe ebenso unerwartete wie letztlich fatale Unterstützung durch den Obdachlosen Davies erhalten („werkgetreu“ dargestellt von Jochen Deuticke), sehr wohl bereits mit weiblichen Darstellern präsentiert worden sei. Zum Beispiel anno 1996 – in Aachen: Seinerzeit hatte Erika Gesell den „Caretaker“ im Grenzlandtheater auf die Bühne gebracht. Die Rolle des Aston hatte sie nach eigener Aussage ganz bewusst mit der Schauspielerin Jutta Schmidt besetzt. Und bereits 1984 war das Stück, ebenfalls in der Inszenierung der im Oktober gestorbenen Regisseurin, am renommierten Hamburger „Theater im Zimmer“ aufgeführt worden – in den Hauptrollen weiland: Irmgard Rießen, Inge Maux und Intendantin Gerda Gmelin persönlich.

Der berühmte kleine Unterschied: Erika Gesell hatte über Rowohlt und Pinters britische Agentur damals tatsächlich eine „Sondergenehmigung“ für die künstlerisch motivierte „Geschlechtsumwandlung“ ergattert. „Die Erlaubnis der Witwe des Autors ist bis heute zwingend erforderlich“, unterstreicht Nils Tabert, Leiter des Theaterverlags bei Rowohlt, auf Anfrage. Ob sie dem Bühnenkonzept zustimme oder nicht, werde sich voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Wochen klären. Annette Schmidt gibt die Hoffnung jedenfalls nicht auf: „Inzwischen haben sich die Zeiten ja geändert – und ich denke, dass Pinters Motiv, der teils perfide geführte Kampf um Macht, heutzutage genauso gut durch Frauen verkörpert werden kann. Und die sind, anders als in den Sechzigern, auch als Handwerkerinnen mittlerweile ja durchaus anerkannt...“

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