Haus Löwenstein ist für AKV tabu

Von: Robert Esser
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Das Haus Löwenstein am Markt:
Das Haus Löwenstein am Markt: Ursprünglich sollte hier die Sammlung Crous des AKV eine neue Bleibe finden, doch jetzt zieht dort wieder das Presseamt Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es hagelt weiter Absagen für den Aachener Karnevalsverein (AKV). Erst prellt Karl-Theodor zu Guttenberg den AKV zur Ordensverleihung, dann tritt ein Elferrat im Streit zurück - und jetzt gibts einen deftigen Dämpfer von der Stadt.

Der von AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil anvisierte Umzug der stadthistorischen Sammlung Crous ins Haus Löwenstein am Markt wird nicht stattfinden. Ebenso wenig wie der Einzug der AKV-Geschäftsstelle. Das bestätigte das Presseamt auf Anfrage der Aachener Zeitung. Und dieses sollte im vorliegenden Fall besonders genau Bescheid wissen, denn: „Nicht der AKV, sondern der Fachbereich Presse und Marketing wird dort neue Büros beziehen”, erklärte dessen Leiter, Stadtpressesprecher Hans Poth.

Aquensien-Sammlung

Eigentlich wollte der AKV im Haus Löwenstein künftig in Wechselausstellungen tausende Ansichtskarten, Grafiken, Bücher und Landkarten mit uralten Aachener Motiven aus seiner wertvollen Aquensien-Sammlung ausstellen. Für einen fünfstelligen Euro-Betrag hatte man bereits Mitte 2011 Architekten eingeschaltet und ein detailliertes, 60-seitiges Raumkonzept für die museale Präsentation erarbeiten lassen. Damit hätte die Sammlung Crous die derzeit an der Ecke Pontstraße/Markt im Erdgeschoss beheimatete Infostelle zur Route Charlemagne abgelöst.

Bei der jüngsten AKV-Mitgliederversammlung im vergangenen August hatte Pfeil für Umzug und Umbau geworben, was dann nur noch auf einer „außerordentlichen Mitgliederversammlung” abgesegnet werden sollte. Pfeil hatte betont, die Pläne seien mit Oberbürgermeister Marcel Philipp und den Stadtratsfraktionen abgesprochen worden. Sogar der Landschaftsverband Rheinland habe finanzielle Unterstützung für die multimediale Ausstellung nebst Lesesaal und Archiv signalisiert, hieß es damals. Damals hieß es allerdings auch, dass Ritter zu Guttenberg in Aachen in den Narrenkäfig tritt. Nun erweist sich beides als Fehleinschätzung.

Sowohl AKV-Präsident Pfeil als auch der Geschäftsführer der Sammlung Crous, Dr. Walter Maassen, zeigten sich gegenüber unserer Zeitung überrascht von der Absage der Stadt. „Wir waren in Gesprächen. Von einer endgültigen Absage wusste ich bislang nichts”, sagte Pfeil. Maassen reagierte enttäuscht: „Das ist schon sehr schade. Wir müssen sehen, wie es jetzt mit der Sammlung weitergeht”, erklärte er.

Die Stadt betonte indes, dass es gegenüber dem AKV niemals eine verbindliche Zusage für das Haus Löwenstein gegeben habe. Zumal die Planungen für die anstehenden, komplexen Umzüge hunderter städtischer Bediensteter nach Fertigstellung der Verwaltungsetagen im neuen Centre Charlemagne auf dem Katschhof noch nicht abgeschlossen seien. Nach Auskunft des Presseamts sollen dort im Herbst die Fachbereiche Wirtschaftsförderung, Finanzwirtschaft, Steuern und Kasse sowie die Verwaltungsleitung auf rund 120 Büros verteilt werden. Laut Poth ist deswegen für Presseamt und Stadtmarketing - momentan in der Elisabethstraße und der Aurelius-straße verstreut - kein gemeinsamer Platz mehr. Der stehe nur im Haus Löwenstein bereit.

So wird die Sammlung Crous wohl weiter in der ziemlich unzugänglichen AKV-Geschäftsstelle im dritten Stockwerk des Alten Kurhauses residieren. An der Kurhausstraße schlummern unter anderem 7000 Druckschriften aus den Jahren 1521 bis heute, jahrhundertealte Papierkunstwerke, 55 Miniaturtafeln mit Porträts deutscher Kaiser und Motiven des Aachener Münsters, 1000 historische Fotografien und tausende Ansichtskarten, die Aachen zwischen 1890 und 1920 zeigen.

Einen Lichtblick gibt es aber trotzdem: Die Pacht für die Räume im Alten Kurhaus hat der AKV schon vor langer Zeit in weiser Vor-aussicht bezahlt. Bis zum Jahr 2020 ist die Miete beglichen.

Adelige Familie „Lewe” als Namenspatron

Der Name „Haus Löwenstein” geht vermutlich auf die adelige Aachener Familie „Lewe” zurück.

Im Jahr 1478 bewohnte eine „Ida von Löwenstein” das Haus. Im 15. Jahrhundert vereinigten sich hier Handwerker und Gewerbetreibende zu Zünften, um Einfluss auf den Stadtrat im Rathaus gegenüber zu nehmen.

Vermutlich ist das „Haus Löwenstein” ähnlich alt wie das Rathaus und nach dem Großbrand des Jahres 1344 errichtet worden. Vom mittelalterlichen Haus ist nur die Fassade erhalten.

In jüngster Zeit waren hier übergangsweise das Zeitungsmuseum und auch das Presseamt untergebracht.
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