„Haus für Musik”: Alternatives Modell wartet auf den Mäzen

Von: Christoph Classen
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Skizzierten Perspektiven fürs Haus für Musik: Werner Schlösser, Ruth Crumbach-Trommler und Dr. Martin Thull (rechts). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es ist ein wenig still geworden um das Haus für Musik. Was nicht heißen soll, dass sich dessen Förderverein zur Ruhe gesetzt hat. Das stellte Ruth Crumbach-Trommler bei der Mitgliederversammlung für das Jahr 2008 unmissverständlich klar.

„Man könnte den Eindruck gewinnen, wir betreiben hier einen Totenkult. Das Haus für Musik gilt vielen als beerdigt, die Idee als tot”, sagte die Vorstandvorsitzende des Fördervereins Haus für Musik.

Das genaue Gegenteil sei allerdings der Fall. Der Verein habe mittlerweile über 600 Mitglieder, Crumbach-Trommler zählt ihn zu den größeren kulturellen Initiativen Aachens, „auch wenn wir in der Öffentlichkeit nicht ständig mit irgendwelchen Aktionen präsent sind.”

Sicher ist: Sein Ziel, eines Tages ein geeignetes Haus für klassische Konzerte mit feinster Akustik zu realisieren, hat der Verein nach wie vor fest im Blick. Auch wenn der erste ehrgeizige Plan, der einen reinen, 1400 Besucher fassenden Konzertsaal mit imposanter Architektur in direkter Nähe zu Casino und Eurogress vorsah, und in dessen Entwurf eine sechsstellige Summe investiert wurde, mittlerweile vom Tisch ist.

Alternativen gibt es aber zur Genüge. Vorstellbar wäre beispielsweise - erhebliche Umbauten vorausgesetzt - ein Haus für Musik im Neuen Kurhaus. Manko: Der Vertrag mit dem Spielcasino, derzeit im genannten Gebäude ansässig, wurde jüngst bis 2014 verlängert. Die Pläne wären frühestens danach umsetzbar.

Deswegen favorisiert der Förderverein ein anderes Modell. Im Rahmen einer Eurogress-Erweiterung soll auf dem Parkhaus an der Monheimsallee, dem ursprünglichen Wunschstandort für ein Haus für Musik, ein kombinierter Konzert- und Kongresssaal errichtet werden. Diesbezüglich seien die Gespräche mit allen Parteien bislang durchweg positiv verlaufen, sagte Crumbach-Trommler. Voraussetzung: Für die finanzielle Basis müsse der Verein sorgen, die Folgekosten dürften die Stadt nicht über Gebühr belasten.

Mit seiner derzeitigen Planung befinde sich der Förderverein mit dem Eurogress vollkommen auf einer Linie, sagte Werner Schlösser. Das Kongresszentrum könne mit dem derzeitigen Raumangebot die steigende Nachfrage ohnehin nicht befriedigen, „und Konzerte blockieren acht Wochen lang das Eurogress”, sagte der Schatzmeister des Fördervereins. In dieser Zeit dort Kongresse stattfinden zu lassen, sei sehr viel profitabler. Schlösser hofft außerdem, bei einer Kombination aus Kongress- und Konzertsaal doch noch etwas mit dem ehemaligen Entwurf anfangen zu können. „Der ist das eigentliche Vermögen des Vereins.”

Apropos Finanzen: Das ist die wohl größte Hürde, die das Haus für Musik zu nehmen hat. Zwischen 30 und 40 Millionen Euro dürfte es kosten. „Wir haben momentan weder Sponsoren noch Mäzene”, sagte Schlösser „dafür brauchen wir ein konkretes Projekt.” Stiftungszusagen hat es dagegen schon in der Vergangenheit gegeben. Allerdings galten die für den ursprünglichen Entwurf. Es müsse in Erfahrung gebracht werden, ob die finanziellen Zusagen auch bei Planänderungen noch gültig seien, sagte Crumbach-Trommler.

Abschließend referierte Dr. Peter Dönninghaus, Vorsitzender des Freundeskreises der Bochumer Symphoniker. Auch in der Ruhrstadt gab es den Wunsch nach einem geeigneten Haus für klassische Musik, auch dort setzte sich ein Verein mit großem bürgerschaftlichen Engagement dafür ein. Im Oktober des vergangenen Jahres votiert Bochums Stadtrat für den Bau.

Dass der Weg dorthin lang war, dass er über ungezählte Diskussionen und Rückschläge führte, wurde bei Dönninghaus Vortrag deutlich. Und er verschwieg auch nicht, dass die Realisierung letztlich nur durch die eine fünf Millionen Euro Spende eines Mäzens möglich wurde. So einer ist in Aachen (bislang) noch nicht in Sicht.

Vorländer folgt auf Hermanns

Neu in den Vereinsvorstand wählte die Mitgliederversammlung Professor Michael Vorländer. Der Leiter des Instituts für Technische Akustik der RWTH gilt als weltweit renommierter Experte auf seinem Gebiet. Als Beisitzer des Vorstands ersetzt er Norbert Hermanns, der auf eigenen Wunsch ausschied.

Für weitere drei Jahre in ihrem Amt bestätigt wurden Vorstandsvorsitzende Ruth Crumbach-Trommler, Schatzmeister Werner Schlösser und Schriftführer Dr. Martin Thull.
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