Aachen - Hauptschule Drimborn heimst bei Qualitätsanalyse Bestnoten ein

Hauptschule Drimborn heimst bei Qualitätsanalyse Bestnoten ein

Von: Annika Kasties
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Topwerte: Schulleitung und Schüler der Hauptschule Drimbborn freuen sich darüber, bei einer Qualitätsanalyse das beste Ergebnis einer Hauptschule im gesamten Regierungsbezirk Köln erzielt zu haben. Foto: Andreas Steindl
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Konrektorin Andrea Leitner freut sich über die guten Noten, die die Hauptschule Drimborn für ihre Arbeit eingeheimst hat. Foto: Andreas Steindl
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Für die Zukunft dieser Schulform in Aachen sieht Schulleiter Michael Geurtz gleichwohl schwarz. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage ist in der Marktwirtschaft bekannt. Verkürzt auf den Punkt gebracht besagt es: Es wird nur so viel angeboten, wie vom Verbraucher verlangt wird. Nun ist Bildung kein Produkt im klassischen Sinn, und Eltern von Schülern lassen sich streng genommen auch nicht als Verbraucher bezeichnen.

Dennoch gilt auch hier: Lässt die Nachfrage nach einer bestimmten Schulform nach, sinkt auf lange Sicht auch das entsprechende Angebot – und zwar unabhängig davon, wie pädagogisch wertvoll die Arbeit der Lehrer an den entsprechenden Schulen ist.

Nur noch drei Hauptschulen

Viele Hauptschulen können davon ein Lied singen. Während es in Aachen vor wenigen Jahren noch sechs Hauptschulen gab, sind es mittlerweile nur noch drei. Dass sinkende Anmeldezahlen dabei nur bedingt Rückschlüsse auf die Qualität des Unterrichts zulassen, zeigt insbesondere das Beispiel der Gemeinschaftshauptschule Drimborn. Die heimste nämlich im Rahmen der jüngsten Qualitätsanalyse (QA), der sich Schulen in Nordrhein-Westfalen alle fünf bis sechs Jahre unterziehen müssen, hervorragende Ergebnisse ein. Mehr noch: „Wir haben das beste Ergebnis einer Hauptschule im Regierungsbezirk Köln erreicht“, sagt Schulleiter Michael Geurtz.

Vier Tage lang hatten Qualitätsprüfer im November die Arbeit an der Schule unter die Lupe genommen. Die Fachleute besuchten unangemeldet den Unterricht des 40-köpfigen Kollegiums und führten ausführliche Interviews mit Schülern, Eltern und allen Berufsgruppen, die an der Schule tätig sind. Bestnoten gab es unter anderem für die individuelle Förderung, die Beteiligung der Schüler am Schulentwicklungsprozess und die Kooperation mit außerschulischen Beratungsstellen.

„Das ist eine tolle Wertschätzung für die Kollegen“, sagt Geurtz. Dass der Schule insbesondere im Bereich „Soziales Klima“ eine Vorbildfunktion attestiert wird, freut den Schulleiter und seine Konrektorin Andrea Leitner besonders. Schließlich sei die „öffentliche Wahrnehmung“ mit Blick auf die Schulform in diesem Bereich durchaus von Vorurteilen geprägt.

Ebenjenes Spannungsfeld – ausgezeichnete pädagogische Arbeit auf der einen, aber geringe Akzeptanz seitens der Eltern auf der anderen Seite – bereitet nicht nur der Schulleitung an der Oberen Drimbornstraße Sorgen. „Die Hauptschule wird im Vergleich zur Gesamtschule leider nicht als Schulform wahrgenommen, die individuell fördert“, sagt Geurtz. Die Zahlen sprechen für sich: Zum laufenden Schuljahr nahm die GHS Drimborn 36 Fünftklässler auf.

An der Hauptschule an der Aretzstraße waren es 31, in Burtscheid sogar nur 13. Zum Vergleich: Die Zahlen für die Gesamtschulen blieben mit insgesamt 605 Anmeldungen auch zum Schuljahr 2017/18 auf konstant hohem Niveau. Gedankenspiele über mögliche Schulschließungen wollte die Politik mit Bekanntgabe der Anmeldezahlen im Frühjahr noch nicht aufkommen lassen. Doch die Zahlen für das kommende Schuljahr dürften mit Blick auf die weitere Entwicklung der Aachener Schullandschaft aufmerksam zur Kenntnis genommen werden. Zumal auch die Schulaufsicht – die Bezirksregierung Köln – hellhörig wird, sobald eine Schule nur noch einzügig ins neue Schuljahr startet.

Dabei kann die Gesamtschule die Hauptschule nach Ansicht von Geurtz nicht komplett ersetzen. „Wir haben eine Klientel, die bestmöglich in einem kleinen System zu fördern ist.“ Wie wichtig kleine Klassen und eine engmaschige Betreuung seien, zeige sich insbesondere dann, wenn in der siebten und achten Jahrgangsstufe die Schüler auf der Hauptschule landen, die dem Unterricht an anderen Schulformen nicht mehr folgen können und „abgeschult“ werden. „Dann müssen wir Aufbauarbeit leisten“, sagt Geurtz. Den Beleg dafür, dass diese Arbeit trotz dieser Brüche in der Biografie durchaus erfolgsversprechend sei, sieht Konrektorin Leitner in dem guten Drittel der aktuell rund 80 Zehntklässler, die auf einen mittleren Schulabschluss (früher: mittlere Reife) hinarbeiten.

„Schulen nicht ausbluten lassen“

All diesen Erfolgsmeldungen zum Trotz: Dass seine Schulform auf lange Sicht in Aachen bestehen wird, glaubt Geurtz nicht. „In NRW steht das Elternwahlrecht nun mal über allem.“ Wie genau dieser Elternwille in Aachen tatsächlich aussieht, das dürfte eine Befragung ergeben, die die Stadt Aachen zurzeit an Grundschulen durchführen lässt.

Alle Eltern von Schülern der dritten Klasse sind gefragt, welche Schulform sie sich für ihr Kind wünschen. Ob die Hauptschule dabei häufig genannt wird? Geurtz bezweifelt es. Eine Perspektive für die Zukunft sehe er beispielsweise in der Sekundarschule. So oder so: Ein Gesamtkonzept für ganz Aachen müsse her. Denn: „Wir können nicht eine Schule nach der anderen ausbluten lassen.“

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