Hauptsache, es wird der Weg zur Urne gewählt

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Eigentlich hätten sie ja jubeln können, damals, am Abend des 21. Novembers 2004. Die Ergebnisse der Integrationsratwahlen waren gerade eingelaufen, und sie dokumentierten, dass die Liste „Migranten für Integration und Teilnahme” (MIT) auf Anhieb zur drittstärksten Kraft avanciert war.

Zum ersten Mal war sie angetreten und hatte sich mit knapp 16 Prozent der Stimmen nur der Wählergruppe „Aachener Demokratische Zusammenarbeit” (39,74 Prozent) und der Liste „Aachen Türk Toplumu Türkische Gemeinde Aachen” (32,27 Prozent) geschlagen geben müssen. Und weil beide die politische Landschaft schon seit der Zeit dominieren, als der Integrationsrat noch Ausländerbeirat hieß, hätten die 16 Prozent der MIT ihren Mitgliedern durchaus Anlass zur Freude geben können.

Aber sie feierten nicht. Weil ihnen ein anderes Ergebnis gründlich die Laune verhagelte. Von den 28219 Wahlberechtigten hatten nur 2740 ihre Stimme abgegeben. Das muss mehr werden, findet Eloisa Giancoli Tironi. Weil doch der Integrationsrat die einzige Mitbestimmungsmöglichkeit für Nicht-EU-Ausländer biete. Deswegen appelliert Tironi nicht zuvorderst dafür, „ihrer” Liste die Stimme zu geben, sondern überhaupt zur Urne zu gehen. Und zwar am Sonntag, 7. Februar. Dann wird der Integrationsrat gewählt.

Natürlich hofft die MIT dabei auf möglichst viele Stimmen. Dann könnte sie viele ihrer Kandidaten in das Gremium entsenden, das die Interessen der Ausländer auf kommunaler Ebene vertritt. Der Integrationsrat besteht aus 14 Mitgliedern. Sieben werden von den im Stadtrat vertretenen Fraktionen entsandt, sieben über die Listen gewählt. So wie Tironi im November 2004. In die Listen-Landschaft ist seitdem Bewegung gekommen. Statt sechs Wählergruppen und Einzelbewerber wie 2004 buhlen diesmal gleich elf um Wählerstimmen. Und die MIT mit Spitzenkandidatin Paola Blume setzt auf Internationalität. Zehn Nationen sind unter den elf Wahlkandidaten vertreten.

Einsetzen will sich die MIT unter anderem für ein kommunales Wahrecht für alle Migranten, damit Nicht-EU-Ausländer nicht weiter vom Urnengang ausgeschlossen sind. „Wenn ein Litauer nach Aachen kommt, darf er nach ein paar Monaten wählen. Andere leben seit 40 Jahren hier, kennen sich viel besser aus, aber dürfen nicht wählen”, begründet Tironi. Auch beim Versand der Wahlberechtigungen müsse nachgebessert werden. Viele Migranten bekämen keine Aufforderung zur Beteiligung an den Integrationsratwahlen. Das müsse sich ändern. Damit alle jubeln können. Weil die Wahlbeteiligung so hoch war.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert