Hauptfeuerwache: Spagat in Sachen Denkmalschutz

Von: Hans-Peter Leisten
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Als Musterbeispiel der „Nachkriegsmoderne“ ein Baudenkmal: Die Feuerwache an der Stolberger Straße wird komplett saniert. Die vorbereitenden Arbeiten sind so gut wie abgeschlossen. Die unten liegenden Tore werden vorgezogen, die Fassade bleibt sonst unverändert. Foto: Michael Jaspers
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Sie betreuen den Umbau: Abteilungsleiter Manfred Lennartz (rechts) und Projektsteuerer Georg Ulbrich vom Gebäudemanagement. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für die einen ist es ihr Arbeitsplatz, für die Bürger der Ort, der ihre Sicherheit garantiert. Für Manfred Lennartz und Georg Ulbrich aber ist das Gebäude derzeit eine in Beton gegossene Herausforderung. Die Hauptfeuerwache an der Stolbergerstraße ist schwer in die Jahre gekommen und muss saniert werden.

Was für die beiden Experten vom städtischen Gebäudemanagement kein Problem wäre, stünde das Gebäude nicht seit gut zwei Jahren unter Denkmalschutz. Und weil das so ist, gilt es einen Spagat zu vollziehen: die Wache einerseits für die kommenden Jahrzehnte fit zu machen, das andererseits aber so zu schaffen, dass man so gut wie nichts davon sieht.

Die Zeit läuft: „Am 31. März 2017 ist definitiver Fertigstellungstermin“, nennt Georg Ulbrich die Vorgabe. Dann erfolgt die Rückkehr vom derzeitigen Interimsquartier auf dem Hammer-Gelände auf der Hüls. Bis dahin werden 12,85 Millionen Euro so in die 5500 Quadratmeter Bruttogesamtfläche geflossen sein, dass die Frauen und Männer der Berufsfeuerwehr sich genauso auf den Wiedereröffnungstermin freuen können wie die Experten von der Denkmalpflege.

Bis dahin ist manch architektonisch-konservatorischer Drahtseilakt zu vollziehen. 1964 wurde der dreigeschossige Bau samt Schlauchtrockenturm und Werkstattgebäude im Hof nach den Plänen des Aachener Architekten und Hochschulprofessors Rudolf Steinbach fertiggestellt. Der war eine Größe seiner Zunft und hat viele charakteristische Elemente und damit Zeitgeist in den Betonkomplex einfließen lassen.

„Beton brut“ hieß der Stil, wobei „brut“ keineswegs für trocken im Schaumwein-Sinne steht, sondern für brutal. Brutal wie pur – die Tragekonstruktion ist zu weiten Teilen mit Fertigbetonteilen verkleidet. „Ein wichtiges Beispiel für die sogenannte „Nachkriegsmoderne“, wie der Denkmalschutzexperte des Landschaftsverbandes Rheinland, Prof. Dr. Walter Buschmann, der der Stadt in seinem Gutachten bescheinigte.

Gutachten beendet Diskussion

Damit war auch die Diskussion um einen Neubau beendet, der aus rein funktionaler Sicht sicher Sinn gemacht hätte. Die Erhaltung der äußeren Hülle und Modernisierung des kompletten Innenlebens müssen also auf einen Nenner gebracht werden. Was mit Blick auf die Fassade das geringste Problem zu sein scheint. „Hier müssen wir eine übliche Betonsanierung vornehmen“, schildert Manfred Lennartz die Vorgehensweise, die durch eine Schutzbeschichtung ergänzt wird.

Energetisch ist von außen bis auf neue Fenster nichts zu machen. Eine Konzession an den Denkmalschutz. Grundsätzlich ist die Sanierung das Ergebnis eines ständigen Verhandlungs- und Abstimmungsprozesses zwischen dem städtischen Gebäudemanagement und dem Denkmalschutz. „Läuft aber sehr harmonisch“, wie die Vertreter der Stadt bestätigen. Und das ist wichtig, denn die moderne Feuerwehrtechnik fordert ebenfalls Zugeständnisse.

Und die werden zur augenfälligsten Veränderung führen: Die Ausfahrttore werden komplett verändert, denn die modernen Löschfahrzeuge sind deutlich länger geworden. Die bislang zurückgesetzten, zehn Jahre alten Metalltore werden durch Glasfalttore ersetzt, die vorgerückt bald bündig mit der Fassade abschließen. So gewinnt man auf der Vorder- und der Rückseite insgesamt drei Meter Platz. Eben für die neuen Autos. Die Tore selbst will man anderer Stelle wiederverwenden.

Verschwinden wird der Trakt an der Stolberger Straße links neben dem Schlauchturm. Dort war zuletzt die Atemschutzwerkstatt, ganz zu Beginn aber Aachens Pockenstation. Beim Bau der Hauptfeuerwache herrschten nämlich auch in Aachen die Pocken und wurden im Anbau bekämpft. Das ist Vergangenheit, und auch die Instandsetzungszahl von rund 1000 Atemschutzeinheiten pro Jahr wird künftig in einem Neubau deutlich handlicher – zumal die Feuerwache erstmals in der Geschichte unserer Stadt über einen Aufzug verfügen wird...

Nachdem bislang schadstoffbelastetes Material aus dem Gebäude entfernt wurde, kann zum Jahresende wirklich mit der Entrümpelung der Etagen begonnen werden. Dann wird auch Platz sein für eine komplett neue Gebäudetechnik, also Heizung, Lüftung, Sanitär- und Elektroanlagen und die Entwässerung. „Hier wird kein altes Kabel mehr hängen“, verspricht Lennartz.

Komplett neu wird die erste Etage nach Plänen der pbs-Architekten mit den Büros, den Ruheräumen, Duschen und dem gemeinsamen Aufenthaltsbereich samt Fitness-Räumen für 170 Leute. Auch auf dem Dach tut sich einiges. Dass dies bei solch einer Maßnahme neu gedeckt wird, versteht sich fast von selbst. Dass das komplette Obergeschoss bis auf die Stahlträgerkonstruktion entsorgt werden muss, hat selbst auch der Denkmalschutz schnell erkannt. So gibt es demnächst auf dem Dach – umrahmt von einer erhaltenswerten Brüstung – neuen Platz für Kantine, Küche, Versammlungsraum und die Chefbüros.

Kompromissfähigkeit

Energetisch keine Rolle spielen die Treppenhäuser, die im Design der 60er Jahre erhalten bleiben. Sie sind ein Beispiel für Kompromisse und Kompromissfähigkeit, die die Beteiligten der gewaltigen Maßnahme an den Tag legen mussten. Manfred Lennartz und Georg Ulbrich merkt man die Freude und die Begeisterung an, die das Projekt entfacht. Das ein oder andere Detail wollen sie hinüberretten in die neue Ära der Feuerwache. Ein Holztor zum Beispiel, oder auch ein altes Fenster. Denn bei allem Sinn für die funktionale „Ausbaukernsanierung“ haben die beiden Architekten auch ein Herz für die Bautradition im Sinne des Prof. Rudolf Steinbach.

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