Haufenweise Haarspray und Selbstbräuner beim TSC Blau-Silber

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Stundenlange Vorbereitung für ein paar Minuten im Rampenlicht: Zwei Mitglieder des TSC Blau-Silber stylen sich für ihren Bundesligaauftritt mit der Lateinformation. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn die Tänzerinnen und Tänzer des TSC Blau-Silber in den Bundesligakampf ziehen, ist akribische Vorbereitung gefragt. Der Sprühraum ist eingerichtet: Plastikplanen schützen Fußboden, Wände und Decke einer kleinen Nische in der Nähe der Umkleiden in der Sporthalle Neuköllner Straße.

Jetzt kann hier nach Herzenslust und vor allem nach Notwendigkeit gesprüht werden: Haarspray. Dosenweise. Und natürlich farbiges Haarspray. Schwarz. Körperpuder darf auch nicht fehlen. Schließlich sind heute nicht das blonde Gretchen und der blonde Hans gefragt, sondern heiße Latinlover-Pärchen. Da müssen Lukas Spychalsky und Sabine Zits zumindest äußerlich ein bisschen nachhelfen.

Der 27-jährige Informatik-Student und die 25-jährige Kommunikationsdesign-Studentin sind Teil der A-Latein-Formation des Aachener TSC Blau-Silber. Am Samstagabend starteten sie gemeinsam mit ihren 14 Mannschaftskollegen in die zweite Saison in der ersten Bundesliga. Vor Heimpublikum.

Oberkörper wird rasiert

Doch lange bevor sich die Halle füllt und sich Schlangen vor der Kasse bilden, bereiten sich die Tänzer und Tänzerinnen vor. „Wir Männer brauchen nur so eineinhalb Stunden”, überschlägt Spychalsky. Allerdings nicht zum Aufwärmen, sondern zum Stylen: Oberkörper rasieren, Make-up für den sichtbaren Hemdausschnitt bis knapp oberhalb des Bauchnabels und fürs Gesicht, ein wenig Lidstrich und Wimperntusche und natürlich Haare schwärzen und den richtigen Style verpassen. Dann rein ins Kostüm.

Die Damen haben da schon ein wenig mehr zu tun. „Drei Tage vor dem Turnier kommt der Selbstbräuner zum Einsatz”, beschreibt Zits den Anfang. Natürlich am ganzen Körper, denn blasse Winterhaut passt nicht zum lateinamerikanischen Tanzrausch. Am Turniertag werden viele Köfferchen mit kleinen und großen Zaubermitteln in die enge Umkleide der Sporthalle Neuköllner Straße getragen.

Körperpuder, Haarteile und Glitzerelemente, Gel, Watte-pads, Tape und alles für ein ausdruckstarkes Make-Up: viel Lidschatten, viele falsche Wimpern, viel Lippenstift. „Dicht dran stehend sieht das schon ein bisschen eigenartig aus, aber Tanzsport - besonders Formationstanz - braucht Entfernung, um zu wirken”, erklärt Kristina Barinka. Sie hatte in der vergangenen Saison noch selbst in der A-Mannschaft getanzt und kümmert sich jetzt um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

In der Aufwärmhalle nehmen sich die Frauen und Männer dann bei der Hand und tanzen einen Salsa Rueda. „So kommen wir als Mannschaft in Einklang, können den Körper gut vorbereiten und werden schön weich in den Hüften”, erklärt Zits und untermalt das ganze mit einem grazilen Hüftschwung.

Doch plötzlich ist keine Zeit mehr zum Plaudern. Im kleinen Finale ist Blau-Silber als erstes dran. Es geht um den Kampf um Platz sechs, denn Nummer sieben und acht der Liga steigen in wenigen Wochen ab. Das bedeutet weitere Reisen, härtere Konkurrenz und weniger Zuschüsse.

Die Platzierung bei der Deutschen Meisterschaft und das erste Turnier der Liga-Saison geben die Richtung vor. Bei der DM reichte es für Blau-Silber nur zu einem geteilten siebten und achten Platz. Jetzt wollen alle mehr. Fünf Mal die Woche Training - das soll schließlich nicht für die Katz gewesen sein. Auch die Zuschauer wissen, worum es geht. Blau-Silber wird frenetisch angefeuert.

Am Ende landet alles im Kanal

Doch die Preisrichter verbannen die Ambitionen von Zits, Spychalsky und Co. ins Reich der Träume: letzter Platz. Nicht mal die Aufsteiger der TSG Backnang mit ihrer - sagen wir mal - unkonventionellen - Show zu verschiedenen Rolling-Stones-Titeln konnten sie hinter sich lassen. Vielleicht ist sogar was dran. Das Publikum probt jedenfalls keinen Aufstand. „In den wenigen Wochen wird es schwierig, noch etwas zu verändern”, ist Barinka realistisch.

Blau-Silber hat den Humor dennoch nicht verloren. Bei der Siegerehrung geht es schon wieder lustig zu. Immerhin: Lohn des vierstündigen Turniers ist heute eine Flasche „Tänzerbrause” und eine warme Dusche, die Farbe und Schweiß der Kanalisation zuführt.
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