Aachen - Haufenweise Gift in den Wald gekippt

Haufenweise Gift in den Wald gekippt

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Beliebtes Naherholungsziel: der Dornbruchweg im Aachener Wald. Links des Weges liegen allerdings giftige Altlasten im Boden, denn früher wurde dort Klärschlamm aus der Soers entsorgt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Begriff „Altablagerung“ wird im Verwaltungsdeutsch mit „AA“ abgekürzt. Im vorliegenden Fall trifft dies den Nagel thematisch voll auf den Kopf. Denn es geht um Klärschlamm. Also das, was nach der Reinigung des Abwassers übrig bleibt und entsorgt werden muss.

Sowohl für das, was im Abwasser landet, wie auch für die Reinigung desselben und die Entsorgung des Klärschlamms gibt es heute klare gesetzliche Regelungen. Das war vor rund 50 Jahren noch völlig anders – und damit hat jetzt die Stadt zu kämpfen. Und das dürfte ihr dem Thema entsprechend ziemlich stinken.

Mitten im Aachener Wald nämlich ist Ende der 1960er Jahre haufenweise Klärschlamm entsorgt worden. Mit dieser Hinterlassenschaft muss sich nun der Fachbereich Umwelt intensiv befassen.

Alter Kalkbruch als Deponie

Es geht dabei um eine „Gefährdungsabschätzung“. Denn Klärschlamm enthält giftige und/oder gesundheits- und/oder umweltschädliche Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Zink, Chrom, Nickel, Kupfer und Quecksilber. Damals war das noch viel stärker als heute der Fall. Erst eine „Klärschlammverordnung“, die 1982 erlassen wurde, führte zu geringeren Schwermetallanteilen. Und Klärschlamm enthielt früher noch eine ganze Liste anderer hochgefährlicher Gifte.

Darunter mehrere polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK/teils krebserzeugend), chlorierte Kohlenwasserstoffe (beispielsweise DDT/giftig) und polychlorierte Biphenyle (PCB/gesundheitsschädlich). Viele Gifte gelangten durch den damaligen Gebrauch mittlerweile verbotener gefährlicher Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel ins Abwasser und damit später auch in den Klärschlamm.

Heute wird Klärschlamm größtenteils verbrannt. So etwa in Kraftwerken wie jenem in Weisweiler, wohin der für Aachen zuständige Wasserverband Eifel-Rur einen Teil des Klärschlamms aus seinen Kläranlagen bringt. Zu diesen Anlagen gehört die ARA Soers. Der dort anfallende Klärschlamm wurde vor knapp 50 Jahren nicht nach den heutigen Kriterien entsorgt.

Vielmehr hatte die Stadt – die damals noch die Kläranlagen betrieb – dazu auch ein Gelände auserkoren, das nahe dem Waldfriedhof gelegen ist. Dort im Bereich Wildparkweg – er verbindet den Waldfriedhof von der Monschauer Straße aus mit Forsthaus Schöntal am Kornelimünsterweg – und Dornbruchweg wurde einst Kalk abgebaut. In den ehemaligen Kalkbruch kippte man den Klärschlamm, dem man damals offenkundig keine große Gefährlichkeit zuschrieb. Andere Variante: Den damals Handelnden war das egal.

Heute ist das anders. Das Gelände firmiert in der Verwaltung als „AA 9896“ – eine von etwa 880 „Altablagerungen“ im Stadtgebiet. Wenige Dutzend Meter entfernt fließt der Beverbach. Die Wasserschutzzone Eicher Stollen ist auch nicht weit entfernt. Die Verwaltung hat auf der rund 1500 Quadratmeter großen Fläche an sieben Stellen bis zu zwölf Meter tief bohren lassen. V

ier Bohrungen wurden zu Grundwassermessstellen ausgebaut. Zwar laufen die chemischen Analysen noch, doch schon jetzt ist klar: „Der Gehalt der Schadstoffe ist hoch, so dass weitere Untersuchungen vor allem des Grundwassers erforderlich sind“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Das gilt für organische wie anorganische Verbindungen. Es muss gehandelt werden. Die Ergebnisse analysiere man auch mit dem städteregionalen Gesundheitsamt und werde die Ergebnisse dann mitteilen. Detailuntersuchungen sollen folgen. Die sind aber teuer, weswegen Landeszuschüsse beantragt werden.

Sünden der Vergangenheit

Die Ergebnisse der Analysen werden das weitere Vorgehen bestimmen. Die Palette reicht in solchen Fällen von dauerhafter Überwachung der Schadstoffströme im Grundwasser über eine Abdichtung der Deponie bis hin zum „Worst Case“, dem Ausbaggern. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Sünden der Vergangenheit große und teure Probleme bereiten – siehe Philips-Gelände. Der Umweltausschuss befasst sich mit dem Thema am 8. Dezember.

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