Aachen - Haufenweise Ärger mit Hundehaltern

Haufenweise Ärger mit Hundehaltern

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Das kommt nicht in die Tüte? Von wegen! Hans und Gabi Spiertz – hier im Westpark unterwegs – sammeln Lissys Hinterlassenschaften ausnahmslos ein. Für viele andere Hundehalter gilt das nicht. Foto: Michael Jaspers
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Schäbig: Um Hundetoiletten – wie hier im Westpark an der Gartenstraße – machen viele einen Bogen.
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Verbannt: Hunde dürfen nur angeleint in Parks – hier der Hangeweiher. Das alte Hundeklo ist verwaist.
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Verdreckt: Tüten-Spenderboxen auf der Oppenhoffallee sind fast so ekelhaft wie der Hundekot selbst.

Aachen. Wenn Lissy mal muss, kann das nicht groß in die Hose gehen. Weil Lissy ein Hund ist. Und weil Frauchen wie Herrchen das Häuflein eintüten. Immer, jeden Tag, seit sechs Jahren – wie Gabi und Hans Spiertz betonen. Ihr niedlicher Jack Russel Terrier hinterlässt zwar keine Berge: „Aber es geht doch ums Prinzip, für alle“, sagt Hans Spiertz. „In der Straße, wo wir wohnen, gibt es bestimmt 20 Hundehalter.

Aber höchstens drei sammeln die Haufen auf und entsorgen sie“, schätzt er. „Eine Sauerei!“, fügt Gattin Gabi hinzu. Deswegen drückt in Sachen Hundehaufen vielen Aachenern der Schuh. Nicht nur mitten in der Stadt, auf Gehwegen und Plätzen, trete man in die klebrig-stinkenden Hinterlassenschaften von Vierbeinern. Auch in vielen Parkanlagen und Waldlagen rund um Aachen „stinke es zum Himmel“, wie eine AZ-Leserin der Redaktion geschrieben hat.

Eine simple Rechnung veranschaulicht die Dimension: 9100 Hunde sind derzeit in Aachen steuerpflichtig angemeldet – übrigens 1700 mehr als noch vor drei Jahren. Legt man nun eine tägliche Durchschnittsausscheidung von 100 Gramm „Lösung“ pro Hund zugrunde, also quasi einen Mittelwert zwischen Terrier Lissy und der dicken Dogge nebenan, ergibt das 910 Kilogramm Hundekot – pro Tag. Macht pro Jahr 332 Tonnen, nur in Aachen. Und das ist noch konservativ kalkuliert.

Wenn der Großteil der tierischen Exkremente auf Straßen, Gehsteigen, Waldwegen und in Parkanlagen landet, kann das demnach kein Stadtbetrieb wegschaufeln. In Sachen Sauberkeit geht‘s hier also buchstäblich um die Wurst: Falls Herrchen oder Frauchen erwischt werden, wenn‘s Hündchen einen Haufen legt und der nicht vom Zweibeiner am anderen Ende der Leine entsorgt wird, droht Strafe. Das kann ziemlich teuer werden, wie Rita Klösges vom Presseamt vorrechnet: „Die Verunreinigung durch Hundekot wird inzwischen mit einem erhöhten Verwarnungsgeld von 35 Euro geahndet“, erklärt sie. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren bei Hundebesitzern neuerdings aber noch intensiver: „Wer kein Behältnis für Hundekot mitführt, muss mit 25 Euro Verwarnungsgeld rechnen“, erklärt Klösges.

Neue Freilaufflächen geplant

Lissys Erziehungsberechtigten, Gabi und Hans Spiertz, droht also keinerlei Ärger. Trotzdem: „Ich zahle zwar 120 Euro Hundesteuer, darf mit Lissy aber nirgendwo mehr ohne Leine Gassi gehen“, ärgert sich Herrchen. Das bestätigt auf Nachfrage Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke: Freilaufende Hunde seien „im Kern“ nur noch in Waldgebieten erlaubt. Die Verwaltung arbeitet allerdings an einem Konzept für Freilaufflächen in Aachen, wie es jüngst in der Bezirksvertretung Mitte hieß. Vor Ende des Jahres wird dieses Konzept allerdings nicht stehen.

Wobei: Frauchen vermisst vor allem Mülleimer: „Die Tüte in der Tasche, das Aufsammeln – das ist ja in Ordnung und sollte selbstverständlich sein. Aber oft finde ich einfach keinen Mülleimer, um die Sch... wegzuschmeißen und muss die dann den ganzen Spaziergang bis nach Hause mitnehmen“, schildert Spiertz. „Das ist ein Unding“, findet das Ehepaar. Zudem kritisieren die Terrier-Freunde: Die meisten eigens vor Jahren eingerichteten, eingezäunten Hundetoiletten in Aachener Parkanlagen seien zu „gammelig, ungepflegt und dreckig“. Folge: „Unsere Lissy würde da nie reingehen und machen. Und viele andere Hunde sicher auch nicht“, sagt Hundevater Spiertz.

Was also kurzfristig tun? Die Stadt hat im Rahmen ihrer von Oberbürgermeister Marcel Philipp vor einem Jahr gestarteten Sauberkeitsoffensive bereits hunderte zusätzliche Abfalleimer montiert. Jetzt kommen – zu den alten Boxen, die man etwa auf der Oppenhoffallee installiert hat – viele weitere „Hundekot-Tüten-Spender“ hinzu. Rund 150 hat der Aachener Stadtbetrieb bereits bestellt. OB Philipp will die neuen „Tüten-Standorte“ im Laufe der kommenden Wochen vorstellen.

Einige Bezirke, in denen Aachenern diesbezüglich haufenweise der Schuh drückt, haben AZ-Leserinnen und Leser schon ausgemacht. Rund um den Stauweiher Diepenbenden könne man zuweilen nur entlang der Mitte des Schotterweges der braunen Gefahr ausweichen. Auch im Kurpark, im Westpark und am Hangeweiher drohten besonders viele Tretminen, heißt es.

Erklärtes Ziel von Stadt und bestimmt auch der Mehrheit der Bürger: Hundebesitzer sollen sensibilisiert werden. Was künftig allen bestenfalls einen Haufen Ärger erspart. „Muss doch nicht sein“, findet Hans Spiertz. Und fingert Lissys Tütchen aus der Tasche...

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