Hauch von Marokko über dem Chorusberg

Von: Andreas Steindl
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Aachen. Casablanca, Kanarische Inseln, Chorusberg. Der Zusammenhang zwischen der Stadt in Nordafrika, den Inseln im Atlantik und der kleinen Straße im Süden Aachens liegt nicht direkt auf der Hand.

Da muss man schon Hassan Alaoui kennen. Der 43-jährige Marokkaner ist kein Läufer, kennt aber trotzdem jeden Winkel des ATG-Vereinsgeländes am Chorusberg: Seit März diesen Jahres ist er der Pächter der Vereinsgaststätte und Hausmeister des Trainingsgeländes. Und er freut sich auf neue Gäste, wenn am 13. Dezember die Teilnehmer des ATG-Winterlaufs auf dem Chorusberg „einfliegen”.

Zunächst trieb den Physiker die Perspektivlosigkeit aus der geliebten Heimat ins Urlaubsparadies Playa del Ingls auf Gran Canaria. Hassan sorgte dafür, dass Seezunge, Tintenfisch und Calamaris auf die Teller der Touristen kamen. Unter den Urlaubern war eine junge Aachenerin. Der Marokkaner folgte ihr. Die Liebe verblasste schnell, aber Hassan wollte nicht mehr weg aus Aachen.

Mit verschiedenen Jobs hielt er sich über Wasser. Heute ist er für das Recycling von Kartuschen für Laserdrucker zuständig. Und täglich ab 16.30 Uhr findet man Hassan am Chorusberg: Kleine Reparaturarbeiten, Putzen sowie Grünarbeiten sind dann die Welt von Hassan Alaoui. „Drei Stunden brauche ich, um den ganzen Rasen zu mähen, 3000 Liter Grünabfall fallen dabei an”, erklärt der „Greenkeeper” der ATG. Kein Wunder, dass da neben dem Hauptberuf keine Zeit mehr für andere Tätigkeiten bleibt: „Die ATG ist mein Hobby”, lacht der ehemalige Fußballer, Schwimmer und Leichtathlet.

Zu seinen Aufgaben bei der ATG gehört auch die Bewirtung der Vereinsgaststätte. Dort sieht man nicht sofort, dass ein Hauch Marokko das Vereinsleben bereichert. Erst, wer Tee bestellt, wundert sich, dass dieser in einem Service aus 1000 und einer Nacht serviert wird: stilecht aus Marokko importiert, genau wie der köstliche Grüne Tee selber. Ist man zur richtigen Zeit vor Ort, erwischt man Hassan in der Küche bei der Zubereitung von Auberginenpuree, Bätterteigröllchen oder Spinat nach marokkanischer Art.

Um die hungrigen Läufer nach dem anstrengenden Winterlauf zu versorgen, ist derlei natürlich weniger geeignet. Dennoch fiebert auch Hassan dem Großereignis gespannt entgegen: „Auf meiner Einkaufsliste stehen schon Gulaschsuppe, Glühwein, Frikadellen, Kuchen, Bockwurst, Brötchen und natürlich jede Menge Getränke”. Damit die Läufer schnell verpflegt werden können, hat Hassan vorsorglich Freunde und Bekannte zusammengetrommelt: sein iranischer Freund Moggadamer-Far muss dabei nur über die Straße gehen, betreibt er doch die Küche beim benachbarten Tennisklub Blau-Weiss. Er war es übrigens auch, der Hassan am Jahresbeginn auf die vakante Stelle bei der ATG aufmerksam gemacht hat. „Und mit Gerätewart Hubert Stenten war ich mir dann schnell einig”, erinnert sich Alaoui an seinen Start bei der ATG. Der ist ihm mehr als gelungen.

Der 47. Winterlauf findet statt am Sonntag, 13. Dezember, um den Klaus Wintgens Gedächtnispreis. Unter dem Motto „Von Haus zu Haus” erfolgt der Lauf vom Western-Heim im Vichtbachtal zum ATG-Sportplatz am Chorusberg. Die Laufstrecke ist 18 Kilometer lang.
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