Aachen - Haubentaucher: Ausgetrocknet und vertrieben

Haubentaucher: Ausgetrocknet und vertrieben

Von: Thorsten Karbach
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Hat seinen Nistplatz verlassen: der Haubentaucher. Foto: Imago

Aachen. Die Stadt hat dem Haubentaucher das Wasser abgegraben. Jedenfalls hat sie für Bauarbeiten am Entnahmeturm des Kupferbach-Stausees am Wochenende am Wochenende den Wasserspiegel um rund 50 Zentimeter gesenkt. Zu viel für die nistenden Haubentaucher.

Dutzende Nester mit Brut lagen damit auf dem Trockenen, und der Haubentaucher (Podiceps cristatus) ist auf Wasser rund um seine Nistplätze angewiesen. Die Vögel haben daraufhin ihre Nester verlassen, die Brut ist verloren. Jungvögel werden in diesem Jahr keine mehr schlüpfen.

Da hat sich die Stadt ein dickes Ei ins Nest gelegt. Findet Norbert Krohn. Der Hobby-Ornithologe kann es immer noch nicht fassen. „Wenn der normale Bürger drei Äste an einem Baum absägt, bekommt er direkt eins auf die Finger. Hier wird eine ganze Brut zerstört”, sagt er trocken und schaut auf die ausgetrockneten, verlassenen Nester.

In einer Pressemitteilung der Stadt spricht Umweltdezernentin Gisela Nacken ihr „außerordentliches Bedauern” aus. Die Nachkommenschaft „einiger Wasservögel” sei in Mitleidenschaft gezogen worden. „Wir gehen jedoch davon aus, dass die betroffenen Wasservögel nach Wiedereinstau mit einer zweiten Brut beginnen werden und die Population damit nicht nachhaltig geschädigt wird”, Nacken.

Brutzeit ist immer im April

Dem widerspricht Krohn energisch. Haubentaucher - groß wie eine Stockente, dunkles Kleid mit weißem Gefieder an Bauch und Unterseite - brüten Jahr für Jahr Anfang bis Mitte April. „Die Baumaßnahme hätte nur ein paar Wochen später erfolgen müssen”, sagt er. Dann wären die Jungvögel geschlüpft und hätten das Nest verlassen. Sie können von Geburt an schwimmen. Nun sei es zu spät. Und auch Blesshühner und ihre Brut seien betroffen.

„Warum ist das Wasser nicht später abgelassen worden?”, fragt sich der pensionierte Vermessungstechniker. War die Maßnahme derart dringend? „Notwendig”, heißt es in der städtischen Mitteilung. Nach AZ-Informationen gibt es aber auch im städtischen Umweltamt Stimmen, die anderes verlauten lassen. Nämlich, dass das Wasser während der bekannten Brutzeit des Haubentauchers nicht abgelassen hätte werden dürfen. Wurde es nun aber. „Und die ganze Brut ist aufgegeben”, sagt Krohn. Der Vogel des Jahres 2001 - zwischen 16.000 und 26.000 Paare soll es in Deutschland noch geben - wird 2010 am Kupferbach keine Jungtiere mehr ausbrüten.

Der Wiedereinstau am Stausee hat inzwischen begonnen. Durch die trockene Witterung wird der Wasserspiegel jedoch nur langsam den ursprünglichen Stand erreichen.

„Bei der Absenkung des Wasserspiegels handelt es sich um ein einmaliges Ereignis; die Arbeiten am Entnahmeturm sind damit abgeschlossen, erklärt Nacken. Die Sanierungsarbeiten sind damit für die nächsten Jahre abgeschlossen. „Der wunderschöne Weiher wird damit schon in Kürze wieder für Mensch und Tier als Naherholungs- und Lebensraum uneingeschränkt zur Verfügung stehen”, sagt Nacken.

Bei einer ähnlichen Maßnahme an der Stauanlage Diepenbenden werde, so heißt es im Umweltamt, besondere Rücksicht auf den Schutz der Tierwelt genommen.
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