Aachen - Harte Kritik an Bischof: Mehr Asyl gewähren

Harte Kritik an Bischof: Mehr Asyl gewähren

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Ihre Äußerungen schlagen weiter hohe Wellen: Grünen-Politikerin Hilde Scheidt.

Aachen. Allerorten engagieren sich dieser Tage Aachener Christen, um Flüchtlingen mit vielfältigsten Initiativen zur Seite zu stehen. Daran hegen auch die Grünen keinen Zweifel. Trotzdem fragt Hilde Scheidt (Grüne) jetzt: Wo sind die Kirchen – allen voran die katholische –, wenn es darum geht, Asylsuchenden konkret Zuflucht zu gewähren?

Denn über geeignete Immobilien verfüge gerade das Bistum in erheblichem Maße, sagt die Bürgermeisterin. „Wir meinen, der Bischof selbst muss endlich darauf hinwirken, dass Schutzsuchenden menschenwürdige Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden – in Gemeinden, in Klöstern, in Begegnungszentren.“ Damit könne Heinrich Mussinghoff auch mit Blick auf die evangelischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften Zeichen setzen und mit gutem Beispiel vorangehen.

Jetzt hat Scheidt sich daher in einem offenen Brief an den Bischof gewandt mit der nachdrücklichen Bitte, Platz zu schaffen für Schutzsuchende. „Leider sind praktisch alle Appelle, die Politik und Verwaltung in den vergangenen Monaten an das Bistum gerichtet haben, erfolglos geblieben“, bedauert die Politikerin auch im Namen ihrer Fraktion im Stadtrat. Und erinnert an jüngste Brandreden von höchster Stelle: Papst Franziskus habe die Diözesen in die Pflicht genommen, alle Möglichkeiten zu nutzen, um Asylsuchenden geeignete Unterkünfte zu bieten. Doch während die Stadt seit Monaten alle Hebel in Bewegung setze, möglichst kurzfristig Kapazitäten zu schaffen und ein Investitionsprogramm zum Wohnungsbau beschlossen worden sei, zeigten die Verantwortlichen im Bistum so gut wie keine Bereitschaft, sich auch finanziell zu engagieren. Lediglich in Viersen sei ein Objekt für rund 60 Flüchtlinge bereitgestellt worden.

„Das klare Wort des Bischofs wird die Kirchenvorstände vor Ort noch einmal ermuntern, leerstehenden Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, schreibt Scheidt an Mussinghoff – auch aus konkretem Anlass. So sei eine Initiative in der Gemeinde St. Gregorius, zwei leerstehende Gebäude herzurichten, vom Kirchenvorstand abgeschmettert worden, ergänzt Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig. Dessen Vorsitzender, Pfarrer Frank Hendriks, wies dies am Donnerstag allerdings zurück. Zwar habe er selbst besagte Gebäude ins Gespräch gebracht. „Es hat sich jedoch erwiesen, dass sie viel zu marode sind, um menschenwürdige Unterkünfte zu bieten“, betonte er. Derzeit prüfe der Kirchenvorstand, ob eine Sanierung oder auch ein Neubau möglich sei, um ebendies zu gewährleisten.

Dennoch: „Wir wissen, dass es leerstehende Gebäude gibt. Aber offenbar wird die Verantwortung auch angesichts verschiedener Träger hin und her geschoben“, kritisiert Ludwig. „Es ist völlig unverständlich und inakzeptabel, dass da nicht mehr geht.“ Zumal die Pfarren vor rund 20 Jahren angesichts der Balkan-Krise etlichen Kriegsflüchtlingen aus Bosnien Unterschlupf gewährt hätten. Scheidt: „Wir vermissen Männer wie damals Pfarrer Kaefer, der Wohnraum in Haaren bereitgestellt hat – und seinerseits der Politik die Leviten gelesen hat.“

Dass die Politiker genau dies jetzt mit umgekehrter Blickrichtung tun, stieß bei Bistums-Sprecher Stefan Wieland am 'Donnerstag indes auf Unverständnis: „Natürlich sehen wir unsere besondere Verantwortung und nehmen sie auch wahr“, sagte er der AZ. Im Ganzen seien bislang rund 150 Plätze vor allem für Familien und junge Flüchtlinge bereitgestellt worden. „Wir tun alles, was möglich ist“, betonte Wieland. Auch die Behauptung der Grünen, das Bistum stelle allenfalls Darlehen zur Sanierung leerstehender Objekte bereit, wies er zurück. „Wir haben einen Förderfonds über eine Million Euro eingerichtet. Diese Mittel werden auch abgerufen – und sie müssen nicht zurückgezahlt werden.“ Viele größere Immobilien seien allerdings nachhaltig marode und nicht ohne Weiteres herzurichten. Und: Auf die Ordensgemeinschaften könne der Bischof qua Amt nun einmal keinen Einfluss geltend machen.

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