„Harold und Maude“: Unkonventionell und makaber

Von: Ines Kubat
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Schicken die Zuschauer auf eine Reise zwischen Lachen und Schaudern: Johannes Franke und Renate Fuhrmann als Harald und Maude. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Mit seinem blässlich ausgezehrten Gesicht und dunkel unterlegten Augen scheint Harold dem Bühnentod fast näher als dem Leben – und genau das passt auch zu seiner leicht morbiden Freizeitgestaltung, auf dem Friedhof Beerdigungen fremder Leute beizuwohnen oder dem „Sterben“ von Autos auf Müllhalden zuzusehen.

Harold, der von Johannes Franke gespielt wird, ist einer der Protagonisten des neuen Stücks im Grenzlandtheater, das am Donnerstag Premiere feiern wird.

Es ist die Adaption des Filmklassikers aus dem Jahr 1971, der ein noch immer aktuelles Thema behandelt: das gesellschaftliche Tabu einer Liebe zwischen einer älteren Frau und einem jungen Mann. Doch „Harold und Maude“ hat noch viel mehr zu bieten. Es geht um starre soziale Konventionen, um Generationenkonflikte und schließlich schlicht – aber vielleicht nicht einfach – um „Leben und Tod“, erklärt Intendant Uwe Brandt.

Puristisches Bühnenbild

Harold lebt allein mit seiner Mutter, die an jeden anderen denn ihren Sohn denkt – allen voran jedoch mit sich selbst beschäftigt ist. Dieser Mutter-Sohn-Fremdheit wird besonders durch die emotionale Sterilität des puristischen Bühnenbilds der Harold-Welt Ausdruck verliehen. Der Junge, der nun nach der einzigen Möglichkeit sucht, die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu erlangen, täuscht immer wieder Selbstmordversuche vor – was die skurrilsten Momente der makaberen Art auf der Bühne entstehen lässt.

Seine Welt wird jedoch tüchtig auf den Kopf gestellt, als er der lebensfrohen, unkonventionellen und leicht verrückten Maude begegnet, die ihm ein ganz anderes Leben bietet. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters schöpft sie aus dem Vollen, liebt Farben, Musik, die Natur, und strahlt pure Lebensfreude aus. Die Requisiten „ihrer“ Bühnenhälfte – der liebevolle Kitsch, die Buddhafiguren, Lichterketten und bunte Bilder – bilden einen extremen Gegensatz zu den exquisit spärlichen Ausstattung in Harolds Zuhause.

Eine Gratwanderung

„Keiner der Heiligen lächelt – ist das nicht ein Widerspruch?“, fragt Maude – alias Renate Fuhrmann - lachend den Priester, der verdutzt zögert. Sie hinterfragt die Stereotypen und scheint für das Lieben und Lachen zu plädieren. Und tatsächlich sei das Stück, so der Intendant, eine Gratwanderung, die das Publikum vom puren Gelächter zu schockiertem Stutzen führt und am Ende möglicherweise mit der Frage entlässt, warum denn eigentlich die Liebe zwischen einer älteren Frau und dem einsamen jungen Mann so ungewöhnlich und schlimm ist.

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