Happyend für die archäologische Vitrine im Elisengarten

Von: mh
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Mehr als ein „Hingucker”: Der aufwändig gestaltete Rahmen des Fensters in die Stadtgeschichte soll im Herbst komplett vorgefertigt über den Funden im Elisengarten platziert werden.Animation: Kadawittfeld Architekten

Aachen. Vor ein paar Monaten, in einem lichten Moment des vergangenen Herbstes, nutzte Dr. Eckhard Schulz seine wahrscheinlich ziemlich spärlich gesäte Freizeit, um sich auf der Terrasse des Restaurants am Elisengarten niederzulassen.

Über die Folgen des beschaulichen Päuschens dürfte nicht nur der Geschäftsführende Gesellschafter der „DSA Daten- und Systemtechnik GmbH” noch lange - und gern - reden.

Denn natürlich schweifte sein Blick seinerzeit nicht nur über das ziemlich frisch gesprossene Grün im Schatten des Doms, sondern eben auch über die hässliche vermeintliche Kiesgrube am Rand des neu gestalteten City-Parks. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die am Mittwoch, natürlich an Ort und Stelle, feierlich besiegelt wurde.

Jetzt nämlich haben die städtischen Gestalter ein vordem wahrlich tiefgreifendes Problem weniger. Und die Aachener und ihre Gäste werden bald um ein wahrlich herausragendes Kleinod reicher sein: Ende Oktober soll die - dereinst - heiß umstrittene archäologische Vitrine quasi als kulturhistorisches Ausrufezeichen den Blick auf die rund 5000-jährige Geschichte der Stadt freigeben.

Denn Fakt ist nunmehr: Das Projekt zur Präsentation der sensationellen Funde im Elisengarten, welche die nahtlose Besiedlung des Talkessels dokumentieren, seit die ersten Feuerstein-Keile am Fuß des Lousbergs gefertigt wurden, wird nicht unter der Grasnarbe an der Ursulinerstraße beerdigt. Mit einer Spende von 175.000 Euro hat die DSA den städtischen Anteil an der Finanzierung der archäologischen Vitrine als glitzerndem Mosaikstein der „Route Charlemagne” übernommen.

Kleine Party mit dem OB

Und so war bei den maßgeblichen Akteuren des öffentlichkeitswirksamen Coups in Sachen „Public Private Partnership” schon am Mittwoch ein wenig Party angesagt im Restaurant Elisenbrunnen - allen voran für OB Marcel Philipp, Architekt Gerhard Wittfeld, Stadtärchaologe Andreas Schaub sowie nicht zuletzt den größten Teil der rund 200-köpfigen Belegschaft des renommierten Aachener Unternehmens.

Vor rund 30 Jahren gegründet, setzt die DSA inzwischen weltweit Maßstäbe, wenn es etwa um modernste Systemtechnik für Wartung und Reparatur edelster Sportwagen geht, erläuterten führende Mitarbeiter beim lockeren Talk mit Moderator Robert Esser. Und die beinahe euphorische Stimmung ließ keinen Zweifel aufkommen, dass der außergewöhnliche Brückenschlag nicht nur in der Marketing-Abteilung des Hauses für reichlich Freude sorgt.

„Natürlich”, bekannte Schulz, „wollen wir damit auch unsere Bekanntheit am Standort Aachen selbst erheblich verbessern - und ich freue mich schon jetzt auf die vielen künftigen City-Besuche mit Geschäftspartnern aus aller Welt . . .”

OB Philipp darf derweil einem politischen „Spaziergang” bereits Ende Januar im Rat entgegensehen: „Die Zustimmung zum Bau der Vitrine ist jetzt nur noch Formsache”, sagte er - wohl wissend, dass das Projekt angesichts gähnend leerer städtischer Kassen nicht nur bei den Bürgern, sondern auch auf den Oppositionsbänken auf heftige Kritik gestoßen war. Geschichte: Der erforderliche Eigenanteil am finanziellen Gesamtpaket von insgesamt 864.000 Euro ist durch den Beitrag der DSA komplett gedeckt.

Und damit werden auch die Träume von Andreas Schaub und Gerhard Wittfeld wahr, dessen Architekturbüro Kadawittfeld per Ausschreibung mit der Realisierung der knapp 70 Quadratmeter umfassenden, transparenten Dokumentationsstätte betraut wurde. Die Planer können ihr Konzept nun nämlich ohne Abstriche umsetzen.

So wird die eigentliche Fundstätte mit historischen Zeugnissen von der Kelten- und Römerzeit über die Tage der Merowinger und Karolinger bis hinein in die Frühe Neuzeit durch eine transparent gestaltete „emotionale Hülle” zum echten Hingucker, wie Wittfeld es formulierte.

Durch seine raffinierte Stahlkonstruktion soll das archäologische Fenster nicht nur in lichten, sprich sommerlich-regenfreien Momenten zur Erkundung der in bis zu zweieinhalb Metern Tiefe gelegenen Siedlungsreste einladen.
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