Aachen - Hans Kauhsens „Winke-winke“ nach 17 Jahren

Hans Kauhsens „Winke-winke“ nach 17 Jahren

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Der letzte Blick ins Stadion – aber selbstverständlich nur als Aufsichtsrat: Hans Kauhsen beim CHIO 2017. Foto: Harald Krömer
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Gemeinsam mit Wolfgang ‚Tim‘ Hammer, Wolfgang Mainz, Klaus Pavel (Ehrenpräsident), Carl Meulenbergh (Präsident), Stefanie Peters, Baron Wolf von Buchholtz (Vizepräsident) und Peter Weinberg (kleines Foto von links) bildete Hans Kauhsen bis zum jüngst ausgetragenen CHIO den Aufsichtsrat des ALRV. Foto: Michael Jaspers/Andreas Steindl

Aachen. Der CHIO Aachen 2017 ist vor rund zwei Wochen zu Ende gegangen. Die Melodie von „Muss i denn zum Städtele hinaus…“, die traditionelle „CHIO-Hymne“ zum Abschied der Nationen, dürfte der eine oder andere Öcher noch als Ohrwurm mit sich herumtragen.

Auch Hans Kauhsen wird dieses Turnier wohl so schnell nicht vergessen. Denn es war sein letztes als Aufsichtsratsmitglied des CHIO-Organisators Aachen-Laurensberger Rennverein e. V. (ALRV). Nach 17 Jahren hat sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aachen aus diesem ALRV-Amt verabschiedet. Altersbedingt, wie er im Samstagsinterview mit Carolin Cremer-Kruff verrät.

Aachen ohne den CHIO. Ist das für Sie überhaupt vorstellbar?

Kauhsen: Sehr schwer. Denn meiner Meinung nach gehört der CHIO genauso zu Aachen wie der Dom. In gesellschaftlicher und sportlicher Hinsicht ist er das Highlight des Jahres in Aachen. Ich selbst habe schon als Kind Jahr für Jahr das Turnier besucht.

Und können Sie sich den ALRV ohne Hans Kauhsen vorstellen?

Kauhsen: (lacht) Ja, natürlich. Das Leben geht ja weiter, auch der CHIO Aachen. Selbstverständlich ist ein bisschen Wehmut mit meinem Abschied verbunden, denn immerhin habe ich bei 20 Turnieren zunächst als Schatzmeister, später im Aufsichtsrat mitgewirkt. Aber schließlich habe ich die Entscheidung ja freiwillig getroffen.

Vermissen Sie Ihre Aufgabe nicht trotzdem ein bisschen?

Kauhsen: Naja, ich habe auch 46 Jahre bei der Sparkasse Aachen gearbeitet. Dinge bleiben halt nicht immer gleich. Das ist auch eine meiner Stärken: Ich kann Veränderungen akzeptieren. Außerdem bin ich ja nicht von der Bildfläche verschwunden und werde auch außerhalb des Turniers den Kontakt zu dem einen oder anderen Mitarbeiter pflegen.

Das heißt, Sie würden durchaus noch einmal zum Telefonhörer greifen, wenn Sie eine gute Idee für die CHIO-Organisatoren hätten?

Kauhsen: Darauf werde ich nicht verzichten (lacht). Man verfolgt die Entwicklungen ja weiter. Daher werde ich mich sicher hier und da weiterhin engagieren, ohne allerdings jemandem reinreden zu wollen.

Am Turniersamstag wurden Sie offiziell im Hauptstadion verabschiedet. Folgte noch eine Verabschiedung im kleinen Kreis?

Kauhsen: Der Samstag war schon sehr emotional. Aber am Dienstag nach dem letzten CHIO-Wochenende gab es noch eine wunderbare Überraschung. Nach der turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung „entführten“ mich der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung mit dem Planwagen zum Essen. Beim Verlassen des Turniergeländes haben mich die Mitarbeiter mit weißen Taschentüchern verabschiedet zu dem Lied „Muss i denn zum Städtele hinaus…“. Schöner kann ein Abschied doch nicht sein!

Aber das Turnier werden Sie doch mit Sicherheit weiter besuchen!

Kauhsen: Ich werde gerne weiter dabei sein. Dann werde ich mir allerdings den Luxus erlauben, zu späteren Uhrzeiten auf das Turniergelände zu kommen (schmunzelt).

Es ist nicht schwer zu erraten, dass Sie als ehemaliger Mitarbeiter und Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen das Thema Finanzen im Aufsichtsrat vertreten haben.

Kauhsen: Ja, alleine schon deswegen, weil ich als Schatzmeister begonnen habe. Wir waren ja zunächst ein Original-Verein mit einem ehrenamtlichen Vorstand. 2008 wurde dann eine hauptamtliche Geschäftsführung installiert.

Wie kam es dazu, dass Sie damals diese Aufgabe übernommen haben?

Kauhsen: Als Hermann Freiherr von Nagel als Schatzmeister aufhörte, hat mich der damalige ALRV-Präsident Klaus Pavel gefragt, ob ich die Nachfolge antreten möchte. Ich fand diese Aufgabe von Beginn an reizvoll. Und da ich kurz vor der Pensionierung stand, sah ich darin auch eine neue Herausforderung. Die damalige Zeit war auch insofern spannend, da die ganzen Planungen und Vorbereitungen für die WM 2006 losgingen. All die Bauvorhaben haben wir in dieser Zeit begleitet. Da kamen schon sehr viele Sitzungen zusammen. Und dabei haben ja auch die Kostenkalkulationen eine große Rolle gespielt.

Was waren und sind die Herausforderungen bei einem Turnier dieser Größenordnung?

Kauhsen: Auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, nicht übers Ziel hinauszuschießen und nur das zu investieren, was man auch auf Dauer stemmen kann. Denn es ist nicht allein damit getan zu investieren, die Abschreibungen muss man schließlich nachher verdienen. Es geht auch nicht darum, große Überschüsse zu erzielen, sondern möglich plus/minus Null abzuschließen.

Inwiefern spielt die Weiterentwicklung dabei eine Rolle?

Kauhsen: Eine sehr große. Denn als Turnierveranstalter muss man sich weiterentwickeln. Stillstand ist Rückschritt. Dennoch ist es in all dieser Zeit gelungen, den volkstümlichen Charakter des Turniers zu bewahren. Es gibt zwar Menschen, die immer wieder betonen, dass sie sich das Turnier wie vor 20 Jahren zurückwünschen, mit dem Stehplatz auf dem Rasen und so weiter. Aber ich bin überzeugt, dass das Turnier heute nicht mehr existieren würde, wenn wir einfach stehengeblieben wären. Auf Veränderungen muss man reagieren.

Zum Beispiel auf die Digitalisierung.

Kauhsen: Ja, ein spannender Bereich. Mit Homepage, CHIO Aachen-App und Social-Media-Kanälen sind wir sehr gut aufgestellt. Natürlich habe ich mir dieses Jahr auch die neue Blogger-Lounge angesehen. Die Digitalisierung ist ein Fortschritt, den man mitgehen muss, alleine vor dem Hintergrund, mehr junge Leute für das Turnier zu begeistern. Außerdem sind die Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Bereich enorm.

Bei den Weltreiterspielen 2006 hat die Digitalisierung kaum eine Rolle gespielt. Welche Themen standen damals genauer im Vordergrund?

Kauhsen: Für dieses Großevent waren insbesondere die ganzen Baumaßnahmen entscheidend, die nötig waren, um dieses Championat mit sieben Disziplinen durchzuführen. Zum Beispiel wurde ja das Hauptstadion mit neuer Reitertribüne, aufgestockter Haupttribüne, Richterturm und neuer Flutlichtanlage komplett umgestaltet. Aber auch weitere Stallgebäude, ein Veterinärzentrum und die Planung der Geländestrecke Soers standen auf der To-do-Liste – alles unter dem Aspekt des nachhaltigen Bauens. Das wäre natürlich nicht möglich gewesen ohne die massive Unterstützung der öffentlichen Hand mit Land und Bund.

War die EM vor zwei Jahren vergleichbar?

Kauhsen: Die EM war auch schön. Aber ich muss gestehen: Die WM 2006 ist einfach nicht zu toppen! Das war schon eine hohe Nummer. Die Begeisterung im Stadion und die Eröffnungsrede von der damaligen FEI-Präsidentin Prinzessin Haya von Jordanien habe ich jetzt noch vor Augen.

Und was beeindruckt Sie am meisten am CHIO Aachen?

Kauhsen: Vieles, aber insbesondere die vielen freiwilligen Mitarbeiter beim Turnier. Ich habe auch dieses Jahr wieder mit vielen gesprochen. Einige haben mir gesagt, dass sie sich für das Turnier extra Urlaub nehmen, teilweise seit Jahren oder Jahrzehnten, die Tradition der Mitarbeit wird innerhalb der Familie oft weitergegeben.

Sie selbst haben im Laufe Ihres Lebens auch viele ehrenamtliche Tätigkeiten übernommen. In diesem Jahr möchten Sie alle abgeben. Warum?

Kauhsen: Ich denke, dass man diese Entscheidung mit 80 Jahren guten Gewissens fällen kann. Bis Herbst dieses Jahres unterstütze ich noch den Förderverein des Grenzlandtheaters und zurzeit engagiere ich mich noch in der Flüchtlingsunterstützung, allerdings privat. Ich muss dazu sagen, dass es eine besondere Herausforderung war, das Aachener Turnier so lange ehrenamtlich zu begleiten. Man muss sich das wie ein Unternehmen vorstellen. Ein ganzes Jahr wird auf zehn Tage hingearbeitet. Wenn man einmal dabei war, weiß man, wie viel Organisation dafür nötig ist.

Wie sehen Sie die Zukunft des CHIO Aachen?

Kauhsen: Es wird immer schwieriger, Turniere zu veranstalten, weil es immer mehr um hohe Preisgelder geht. Bei vielen Turnieren handelt es sich um reine Sportevents, denen die gesellschaftliche Komponente einfach fehlt. In Deutschland sind viele mittelgroße Veranstalter nicht mehr in der Lage, ihren Etat zu stemmen. Daher können wir uns in Aachen mit den vielen Sponsoren, die dem Turnier teilweise schon seit Jahrzehnten die Treue halten, glücklich schätzen. Aber dafür muss man sich eben weiterentwickeln, um attraktiv zu bleiben.

Ich bin der Überzeugung, dass dies in Zukunft weiterhin auf der Grundlage der konstruktiven und harmonischen Zusammenarbeit zwischen dem ALRV-Vorstandsvorsitzenden Frank Kemperman und ALRV-Vorstandsmitglied Helen Rombach-Schwartz, Michael Mronz, dem Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH (ART), und ART-Prokuristin Conny Mütze, den anderen Aufsichtsratsmitgliedern und ALRV-Präsident Carl Meulenbergh und den Mitarbeitern gelingen wird.

Und was steht ganz oben auf der To-do-Liste?

Kauhsen: Das Turniergelände muss erweitert werden. Dabei setze ich auf die Politik. Ich kann allerdings nicht verstehen, wie man diese Seite der Krefelder Straße, die in den letzten 20 Jahren durch beauftragte externe Rahmenplanungen dreimal als Sportbereich deklariert wurde, nun mit einem Vergnügungspark – sprich Bend – belegen will.

Es geht ja nicht darum, dass der CHIO Aachen immer größer werden soll. Er muss sich halt nur den aktuellen Entwicklungen anpassen. Denn neben der Digitalisierung soll auch die Jugendförderung vorangetrieben werden. Das heißt: Während des CHIO Aachen sollen in Zukunft noch mehr Nachwuchsprüfungen durchgeführt werden. Dafür ist mehr Platz erforderlich.

Und wie sieht der Blick in Ihre Zukunft aus?

Kauhsen: Ich werde meine ruhigere Zeit genießen, insbesondere mit meiner Frau Elisabeth und unserem Golden Retriever Luba. Das sind doch schöne Aussichten!

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