Hans-Conrad Zander setzte seine „Zeitzeichen“ in der alten Reichsabtei

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
12151324.jpg
Gewann die Zuhörer in der Reichsabtei schnell für sich: Hans Conrad Zander. Foto: Kurt Bauer

Kornelimünster. „Zander-Filets“ – das hat nichts mit Fischen und deren Zubereitung zu tun. Sondern mit religiöser und historischer Gelehrsamkeit, verpackt in geschliffenes Wort. Dass das tatsächlich höchst amüsant ist – davon wurden die Besucher der Lesung von Hans-Conrad Zander in der Reichsabtei schnell restlos überzeugt.

Aus der Kochbuchecke geholt

„Heute sortieren nicht mehr Buchhändler die Bücher ins Regal, sondern Computer legen fest, in welche Abteilung sie gehören“, stellte Hans-Conrad Zander nicht ohne Larmoyanz zu Beginn fest. Zum Glück gebe es bei der Kulturinitiative Kornelimünster (KiK) eine Frau, die so viel von Computern verstünde, dass sie ihnen nicht traue.

Und sein Buch „Zander-Filets“ – er habe dem Verlag vom Titel abgeraten – zusammen mit ihm selbst aus der Kochbuchecke in die Reichsabtei geholt habe. In einem der erlesenen Räume, in der sonst die Kunstsammlung NRW zu bestaunen ist, legte er den Zuhörern vier viertelstündige Kabinettstückchen vor, die sonst als „Zeitzeichen“ über den Äther von WDR5 ausgestrahlt werden.

Liebhaber dieser Sendereihe erkennen Zander zuerst an seinem niemals abgelegten Schweizer Dialekt, obwohl er schon seit geraumer Zeit Köln seine Heimat nennt. Aber vor allem an seiner Kunst, scheinbar verstaubte (Religions-)Geschichte so zu erzählen, als ob Agnes von Mansfeld gerade erst den Erzbischof von Köln zur Heirat gezwungen oder die Heilige Paula dem Zölibat vorgestern zur Durchsetzung verholfen hätte: Der Zölibat habe nur von Frauen kommen können. Der Heilige Hieronymus sei ein leidenschaftlicher Prediger des Zölibats und der Keuschheit gewesen. Doch nur mit einer reichen, mächtigen und gebildeten Frauenbewegung im Rücken habe er erfolgreich sein können.

Pointenreich, ja! Platt und plakativ – das würde Zander nie einfallen. Aus jedem seiner Sätze spricht die Leidenschaft für Sprache und die Akribie der Recherche. Er kriecht in Archive, sucht und findet Quellen, kombiniert sie mit immensem Wissen und baut sie zu einer Geschichte zusammen, in dem jahrhundertealte Begebenheiten einem modernen Filmplot gleich lebendig werden und doch der Realität entsprechen.

Lauter Symbole der Weiblichkeit

Sei es die Reliquiensammelwut der Heiligen Helena von Konstantinopel im vierten Jahrhundert, die sogar den Essigschwamm der Kreuzigung noch feucht vorgefunden haben will. Oder die Mühe der Kirchenväter im beginnenden 5. Jahrhundert nach Christus, den an sich weiblich anmutenden Heiligen Geist zuerst sächlich, später männlich umzudeuten, um im neuen zölibatären Kirchengefüge keine Unruhe aufkommen zu lassen.

Unzureichend, wie das eindeutige Urteil des fast 80-jährigen ehemaligen Dominikanermönches ausfällt. „Der Heilige Geist zieht lauter Symbole der Weiblichkeit hinter sich her. Die Umwandlung gelang nur im Hirn, nicht in der christlichen Seele.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert