Hangeweiher: Wie Fledermäuse zu Quasseltanten werden

Von: Jessica Küppers
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Geduld gefragt: Wer wie Biologe Burkhard Kern (l.) und Artenschützer Winfried Engels Fledermäuse beobachten will, braucht eine Taschenlampe, einen Batdetektor und Zeit. Foto: stock/blickwinkel, Andreas Schmitter

Aachen. Fledermäuse sind richtige Quasseltanten. Zumindest die, die sich an lauen Sommerabenden am Hangeweiher tummeln. Was für menschliche Ohren normalerweise nicht zu hören ist, wird mit einem sogenannten Batdetector, den Biologe Burkhard Kern mitgebracht hat, auch für uns hörbar.

Das Gerät ist eine Art Übersetzer. Hohe Frequenzen im Bereich von 20 bis 100 Kilohertz werden so verändert, dass Menschen sie hören können. Die Rufe der Tiere unterscheiden sich je nach Art. Mindestens drei verschiedene Fledermausarten werden an diesem Abend an dem Gewässer unterwegs sein. Doch der Reihe nach.

Taschenlampe und Batdetector

Es ist 20.30 Uhr. Die Sonne ist schon untergegangen. Einzelne Streifen sind am Himmel noch zu sehen. Burkhard Kern und Winfried Engels, der bei der Unteren Landschaftsbehörde für den Artenschutz zuständig ist, stehen am Ufer des Hangeweihers. Er gilt im Aachener Stadtgebiet als Hotspot für Fledermäuse. Die beiden wollen Fledermäuse beobachten, wie es am Samstag anlässlich der Internationalen Fledermausnacht in vielen Städten und Gemeinden Deutschlands gemacht wird – so auch am Samstag am Hangeweiher.

Dafür braucht man eine Taschenlampe, den Batdetector und viel Geduld. „Die braucht man sowieso für alle Naturbeobachtungen“, scherzt Kern. Ihr Blick wandert immer wieder zum Himmel. Bislang ist weit und breit noch keine Fledermaus zu sehen.

Wann die nachtaktiven Tiere auftauchen, hänge ebenfalls von der Art und vom Wetter ab, erklärt der Biologe. „Fledermäuse lieben es warm und windstill.“ Wenn es sehr windig ist, ziehen sie sich zum Jagen in windstille Wälder zurück. „Da“, ruft Kern plötzlich. Er hat die erste Fledermaus am Himmel entdeckt. Es ist kurz nach 21 Uhr und es wird langsam dunkler. Der Batdetector reagiert noch nicht. „Zu weit weg“, sagt der Experte.

Es handele sich um eine Zwergfledermaus, die weit verbreitet sei. Im Flug sehen die Tiere ungefähr so groß aus wie ein Spatz – nur ohne Schwanz. Daran sind die flinken Säuger auch für den Laien leicht erkennbar. Auf einmal ist ein Knattern wie von einer Nähmaschine zu hören. „Die fliegt hier irgendwo über uns“, verrät Kern. Zu sehen ist sie nicht, aber ihr Rufen ist durch das Hilfsmittel deutlich zu hören. Unaufhörlich schnattert sie im Flug. Durch das Rufen orientieren sie sich und spüren Nahrung auf. Fledermäuse ernähren sich überwiegend von Insekten.

In Deutschland gibt es laut Nabu rund 25 unterschiedliche Fledermausarten. „Ein Dutzend ist in Aachen anzutreffen“, sagt der Experte. Auch wenn der Hangeweiher offenbar ein beliebtes Jagdrevier ist. Fledermäuse gibt es nahezu in der gesamten Stadt. „Jede Straße hat noch ihre Fledermaus“, sagt Kern.

Damit das so bleibt, stehen die Säuger unter Artenschutz. „Das ist zum Beispiel bei Haussanierungen wichtig“, erklärt Engels. Sind die Tiere im jeweiligen Haus heimisch, muss die Bauphase auf die Untermieter abgestimmt werden. Ein Umbau sollte möglichst dann stattfinden, wenn die Tiere ausgeflogen sind. „Es ist auch möglich, Ersatzquartiere einzurichten“, ergänzt der Artenschützer. Fledermäuse sind sehr soziale Wesen und können auch mit Sack und Pack umziehen, wenn ein Quartier nicht mehr geeignet ist.

Die Exemplare, die sich am Hangeweiher herumtreiben, haben im Moment keinen Anlass, ihr Quartiere zu verlassen. Insekten gibt es jedenfalls zuhauf. Darauf haben es auch die Wasserfledermäuse abgesehen, die im Zweier-Team blitzschnell über die Wasseroberfläche flitzen, um mit ihren Füßen schlüpfende Mücken einzusammeln. Ihre Rufe klingen wie ein leises, unterschwelliges Prasseln. „Das geht nicht anders, weil das Wasser reflektiert, und sonst wäre das für sie selbst zu laut“, sagt Kern.

So laut wie ein Presslufthammer

Anders ist es bei der größten Stadtfledermausart. Die Breitflügelfledermaus gibt eindringliche laute Klänge von sich. Sie schallen weit durch die Nacht. Dadurch können die etwa Amsel-großen Säuger auch größere Insekten wie Käfer aufspüren. Der Große Abendsegler, eine große Fledermausart, die ebenfalls in Aachen heimisch ist, ruft beispielsweise mit einer Lautstärke von 110 Dezibel. Das ist in etwa so laut wie ein Presslufthammer.

„Da können wir schon fast froh sein, dass wir das nicht hören können“, sagt Kern lachend. Von dem Krach der Größeren lässt sich die Zwergfledermaus kaum beeindrucken. Vorwitzig war sie die Erste, die sich an diesem Abend am Himmel gezeigt hat, und ebenso selbstbewusst ruft sie dazwischen.

Das schönste Erlebnis hatte der Fledermausexperte zu Beginn seiner Arbeit. „Es war toll, die Tiere das erste Mal in der Hand zu halten.“ Sie seien weich und warm gewesen, aber vor allem bei größeren Arten müsse man aufpassen. „Das sind Raubtiere, und die können schmerzhaft beißen“, sagt er. Wie genau die sozialen Säuger miteinander kommunizieren, ist noch nicht ausreichend erforscht. Das will er ändern und geht dafür regelmäßig mit Taschenlampe und Detektor auf Beobachtungstour. Und wenn ihm das wilde Gequassel einmal zu viel wird, schaltet er das Gerät einfach aus und genießt ihren Anblick – in aller Ruhe.

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