Hangeweiher kontaminiert: Stadt mauert

Von: Robert Esser und Oliver Schmetz
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Schwimmen wegen Gesundheitsgefahren verboten: Das Aachener Freibad Hangeweiher wurde am Dienstag – anders als zunächst von der Stadt behauptet – nicht wegen „technischer Probleme“ für alle Badegäste gesperrt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Vertuschungsversuch gescheitert? „Aus technischen Gründen muss das Freibad Hangeweiher ab sofort bis zunächst zum Sonntag, 29. Juni, einschließlich geschlossen werden.“ So lapidar informierte die Stadt Aachen am Dienstagnachmittag gegen 16 Uhr über einen wohl beispiellosen Vorgang – und verschwieg erstmal Gesundheitsrisiken durch das Bakterium „Pseudomonas aeruginosa“, denen Schwimmer offenbar schon vor Wochen ausgesetzt waren.

Die Proben mit den gefährlich hohen Messwerten im Freibad waren bereits am 11. Juni genommen worden. Schon wenige Tage später hätten die Laborergebnisse vorliegen können. Die Bakterienart ist weltweit verbreitet und führt vor allem bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr zu Erkrankungen – darunter Lungenentzündungen, Wundinfektionen, Blutvergiftungen und chronische Atemwegsentzündungen. Schleimhaut- und Hautentzündungen – besonders häufig Gehörgangsentzündungen – können bei allen Menschen ausgelöst werden, die mit Pseudomonaden in Kontakt kommen.

In Krankenhäusern gilt „Pseudomonas aeruginosa“ als einer der häufigsten Verursacher von Ansteckungen. Laut Robert-Koch-Institut ist „ein Vorhandensein dieses Erregers in Wasser für den menschlichen Gebrauch nicht zu tolerieren“. Ob Besucher des Aachener Freibads Hangeweiher bereits erkrankt sind und wie viele Kinder und Erwachsene tage-, womöglich wochenlang arglos in dem kontaminierten Badewasser planschten, ist völlig unklar. Denn von alldem war am Dienstag offiziell zunächst überhaupt keine Rede – ganz im Gegenteil.

Stundenlang weigerten sich das Aachener Presseamt und der Betriebsleiter des Freibads, Torsten Liebl, Auskunft über den Grund der Schließung zu erteilen – Informationen lägen angeblich noch nicht vor, hieß es. Niemand sei erreichbar. Die AZ rief Freibadchef Liebl daraufhin kurzerhand zu Hause an. Er wohnt im Freibad. Doch der wimmelte am Telefon ab: „Ich hab‘ Feierabend. Ich hab frei. Morgen gibt‘s Näheres, wahrscheinlich vom Sportamt.“ Dessen Leiterin hatte sich da auch schon in den Feierabend verabschiedet.

Ihre Chefin, Sportdezernentin Susanne Schwier, sprach später am Dienstagnachmittag auf erneute AZ-Nachfrage lediglich über „technische Probleme mit den Pumpen“. Von Bakterien und Gesundheitsgefahren war da wieder keine Rede. Dabei war zu jenem Zeitpunkt längst klar, warum das Gesundheitsamt der Städteregion das Freibad auf unabsehbare Zeit dicht gemacht hatte.

Dieses kontrolliert regelmäßig Hygiene und Badewasserqualität sämtlicher Schwimmbäder – im ehemaligen Kreis und in Aachen. Erst nachdem die Aachener Zeitung die Stadt Aachen sowie die zuständige Dezernentin Schwier mit Recherche-Ergebnissen zu den gefährlichen Gründen der dubiosen Freibad-Schließung konfrontiert hatte, musste die Verwaltung am Abend einlenken und die bakterielle Verunreinigung einräumen.

Gegen 19 Uhr verschickte das Presseamt daraufhin eine „ergänzende“ Pressemitteilung: „Inzwischen wissen wir, dass Wasserproben im Freibad Hangeweiher vom 11. Juni dieses Jahres eine nicht unerhebliche Verunreinigung des Schwimmerbeckens mit Pseudomonaden ergeben haben.“ Nach AZ-Informationen lagen die besorgniserregenden Erkenntnisse der Stadt deutlich früher vor.

Erst am Abend empfahl das Gesundheitsamt „Badegästen, bei denen akute Beschwerden im Bereich der Ohren, der Augen oder der sonstigen Schleimhaut- oder Hautbereiche in Form von Schmerzen, Schwellungen, Rötungen oder Eiterbildung nach dem Besuch des Freibades Hangeweiher aufgetreten sind, den Hausarzt oder einen Hautarzt aufzusuchen, der dann über eine mögliche Therapie entscheidet“. Wann die Gefahr gebannt ist und das Freibad wieder öffnen darf, ist völlig offen. Laut Presseamt will die Stadt darüber am kommenden Montag mit dem Gesundheitsamt beraten.

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