Handicap soll nicht mehr trennen

Von: Thorsten Karbach
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Laurensberg. Der Elan der Lehrer war offensichtlich. Und letztlich sollen die Schüler die großen Gewinner sein. Am Mittwoch wurde im Schulzentrum Laurensberg ein bemerkenswerter Schritt gegangen.

Vertreter des Anne-Frank-Gymnasiums, der Heinrich-Heine-Gesamtschule, der Johannes-Kepler-Schule mit dem Förderschwerpunkt Sehen, der David-Hirsch-Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation (beide in der Trägerschaft des Landschaftsverbandes Rheinland) und der Grundschule Laurensberg diskutierten, wie Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden können.

Als Auftaktveranstaltung überschrieben, nahmen sich die Schulleiter und etwa 230 Pädagogen damit einem Thema an, das zwar von der UN als Verordnung quasi vorgeschrieben ist und auf höchster Ebene fortwährend gelobt wird, in den Klassenräumen aber bislang nicht ankommt. In Laurensberg wollen die Schulen nicht länger auf Gesetze und Erlässe zur sogenannten inklusiven Beschulung warten, sie schreiten voran. „Hier kommt etwas ins Rollen”, sagt Claudia Geise, Leiterin der Johannes-Kepler-Schule.

Der Auftakt war ein gegenseitiges Beschnuppern, ein Kennenlernen und Gedankenaustausch. Es wurde rasch klar, was wichtig ist: Kleinere Klassen, größere personelle Ressourcen, Lehrerteams aus Regelschul- und Förderschullehrern, Fortbildung für Regelschullehrer, Veränderung der Räume. Und es blieben Fragen, die geklärt werden müssen. Vor allem: Wer bezahlt? „Es gab auch berechtigte Skepsis. Aber alle Äußerungen sind wichtig für die weitere Arbeit”, findet Geise. Und die wird in einer Lenkungsgruppe aufgenommen, die am 17. Februar erstmals zusammenkommt. Vertreten sind Lehrer, Schulleiter, Eltern und Schüler von allen fünf beteiligten Schulen, die ein Konzept entwickeln, das als Schulmodell dem Ministerium vorgestellt werden soll.

Seit 30 Jahren gibt es das Schulzentrum mit unterschiedlichen Schulformen, die nebeneinander tausende Schüler lehrten. Zuletzt hatte es eine Annäherung gegeben, erste Förderschüler werden an der Gesamtschule unterrichtet. Das soll ausgebaut werden. Der Erfolg eines solchen Schulprojektes hänge zum einen von den äußeren Rahmenbedingungen, zum anderen stark vom persönlichen Engagement und der Offenheit der beteiligten Schulen ab. „Demnach sind unsere Voraussetzungen für eine inklusive Beschulung und das Leben und Lernen in der Vielfalt, die unsere Schülerschaft mitbringt, geradezu ideal”, sagt Geise. Das hat die Auftaktveranstaltung gezeigt.

Und letztlich ist nicht nur Geise etwas ganz Wichtiges bewusst: „Die inklusive Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Regelschulsystem darf weder zu einer Überforderung der Schüler- noch der Lehrerschaft führen.”
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