Aachen - Hammer und Schüppe statt Paddel im Griff

Hammer und Schüppe statt Paddel im Griff

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:
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Anpacken statt ausruhen: Die Mitarbeiter der Firma „aixigo“ haben zugunsten der Lebenshilfe kräftig gewerkelt und gezimmert. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ein Gewächshaus zum Anpflanzen von Radieschen, Kräutern, Salat und vielleicht auch Tomaten – das hatten sich die Bewohner des Hauses Römerhof, eine Einrichtung des Lebenshilfe Aachen, lange gewünscht. Nun hat es endlich mit tatkräftiger Unterstützung der Abteilung „Plattformentwicklung“ der Aachener Software-Firma „aixigo“ geklappt.

„Etwas Vernünftiges machen“

„Wir wollten in diesem Jahr etwas Vernünftiges machen“, so erzählte es Markus Kemmann, Leiter der Abteilung. Über einen kleinen Umweg sei man mit Hilde Orfeld von der Lebenshilfe Aachen in Kontakt gekommen. Orfeld habe von dem Wunsch der Bewohner berichtet. Schnell stand fest: Die Software-Entwickler werden ganz untypisch für ihren Beruf zu Bauwerkzeug greifen und ein Gewächshaus sowie zwei Hochbeete für die Bewohner bauen.

So traf man sich, anstatt paddeln zu gehen oder einen Freizeitpark zu besuchen, im Garten des Hauses Am Römerhof und fing kräftig an zu werkeln. „Es war wohl als Bausatz gedacht“, meinte Kemmann schief grinsend, denn die Metallteile, die letztendlich das Gerüst für das Gewächshaus sein sollen, hatten sich etwas verzogen. Die Metallbolzen passten nicht, und so musste man improvisieren.

Kein Problem für das zehnköpfige Team. Während an der einen Seite noch kräftig Metall gegen Metall geschlagen wurde, standen an der anderen Seite bereits zwei Hochbeete. „Die Hochbeete sind besonders geeignet für Leute, die sich nicht mehr gut bücken können“, erläuterte Hausleiter Leo Aerden. Sie sind genau auf der richtigen Höhe, um im Sitzen oder auch im Stehen gut arbeiten zu können. Auch hier sollen in Zukunft Kräuter und Pflanzen, die nicht ins Gewächshaus müssen, ihren Platz finden.

Um die Pflege kümmern sich die Bewohner. „Uns war es wichtig, dass es ein Projekt mit Identifikationscharakter ist“, erklärte Kemmann unter anderem die Motivation für den ungewöhnlichen „Betriebsausflug“. Doch nicht nur Handwerkskraft stellte das Unternehmen zur Verfügung, auch einen Teil der Kosten hat aixigo übernommen.

Derzeit leben 38 Bewohner im Haus Römerhof. Das Haus ist für erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung. Acht der Bewohner sind mittlerweile Rentner, der Rest arbeitet in Werkstätten einer Tochterfirma der Lebenshilfe. „Wir geben den Menschen hier eine Tagesstruktur“, erläuterte Aerden die Arbeit des Hauses.

Barbara Krüger, Geschäftsführerin des Lebenshilfe, fand den Begegnungsaspekt bei dem Projekt besonders wichtig: „Was ich schön finde, ist, dass sich Bewohner und Teammitglieder hier ganz neu begegnen.“ Es ist ein kleines Stückchen Glück für die Bewohner des Hauses, von denen mancher auch gerne beim Bau zusah. Bald können die Pflanzen dann schon gesäht werden.

„Wenn Sie dann hier vorbeikommen“, meinte Hilde Orfeld zu Markus Kemmann, „können Sie sehen, was in dem Gewächshaus wächst.“ So bleibt auch über den Teamausflug hinaus etwas zurück, was hoffentlich noch vielen Menschen Freude bereiten wird.

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