Haftstrafen für Zalando-Abzockerinnen

Von: Wolfgang Schumacher
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In etwa 140 Fällen hat ein ganzer Familienclan bei Online-Ausstatter Zalando bestellt und die Ware nicht bezahlt. Das Gericht stellte „kriminelle Energie“ fest und verhängte Haftstrafen. Foto: Stock/Eibner

Aachen. Marion B. habe letztlich ein umfangreiches Geständnis abgelegt, war Richter Hans Günter Görgen, der Vorsitzende der 6. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht, am Freitag zufrieden.

Die Kammer sprach auch deswegen für die 25-jährige wegen Betruges und Computerbetruges angeklagte Schülerin aus Aachen eine Freiheitsstrafe von „nur“ drei Jahren und zwei Monaten aus. Eine Bewährungsstrafe sei auch angesichts der Vorstrafen „nicht mehr drin“ gewesen.

Ihre mitangeklagte Schwester Santa Aurelia B. (28), eine ausgebildete Designerin, kam etwas besser davon, sie muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Weil Marion B. gemeinsam mit ihrer Schwester „gewerbsmäßig und betrügerisch“ beim Online-Riesen Zalando modische Oberbekleidung, Schuhe und sonstige Accessoires bestellte und eben nicht, wie es sich eigentlich gehört, auch die Rechnungen bezahlte, musste sich in einem langen Verhandlungsmarathon ein ganzer Familienclan verantworten.

Etwa 270 Betrugsfälle waren angeklagt, immerhin rund 140 davon blieben dann im Urteil übrig. Beinahe die komplette Familie aus Aachens Ostviertel, die Mutter sowie der jüngere Bruder der beiden Hauptangeklagten und Cousinen waren in unterschiedlichen strafrechtlichen Abstufungen an den betrügerischen Bestellungen beteiligt. „Anfangs wollte man nicht so recht heraus mit der Sprache“, beschrieb Richter Görgen die Anlaufschwierigkeiten des Prozesses, doch nach und nach kamen die Eingeständnisse, die den ungehemmten Konsumrausch belegten. Die Betrugsmasche sei letztlich zwar nicht wie bei einer Bande organisiert gewesen – dann hätte es wesentlich höhere Strafen hageln müssen – doch „bedarf es schon einer gewissen kriminellen Energie“, stellte der Vorsitzende der Kammer mit Blick auf die beiden jungen Frauen fest.

Denn die haben nach den Erkenntnissen der Ermittler zwischen September 2014 und April 2015 unter falschen Namen und mit falschen E-Mail-Adressen teure Zalando-Ware bestellt. Damit sie das bestellte Gut ungestört abholen konnten, hätten sie sogar Briefkästen in der Nachbarschaft mit ihren falschen Namen umetikettiert. Mit den von den Paketdiensten eingeworfenen Abholzetteln gingen sie dann die Ware bei der Post abholen – und das wiederum mit gefälschten Postvollmachten.

Am Ende fand die Polizei einen ansehnlichen Haufen modischer Kleidung, dazu hippe High Heels und teure Markensportschuhe in der Wohnung der Familie, ein kompletter Raum diente dort als Lager. Die Ware sei zum Teil weiterverkauft oder auch „nach Afrika“ weitergeschickt worden, hieß es im Prozess. Auch Kunga Sheldon B., der Sohn der Familie, hatte mehr Glück als Verstand. Er konnte trotz Vorbelastungen mit einer Bewährungsstrafe nach Hause gehen. Eine Cousine kam gleichfalls mit einer Bewährungsstrafe davon, eine weitere mit einer Jugendstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

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