Hängepartie Krugenofen: Radfahrer gucken in die Röhre

Von: Oliver Schmetz
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Gefahrenstelle: Am Krugenofen warten Radfahrer seit geraumer Zeit darauf, dass etwas für ihre Sicherheit getan wird. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wie eine Übergangslösung zum Dauerzustand wird, kann man seit geraumer Zeit am Aachener Krugenofen besichtigen. Denn obwohl die umfangreichen Kanal- und Fahrbahnsanierungsarbeiten seit Oktober 2015 beendet sind, ist die viel befahrene Verkehrsachse noch nicht ganz fertig.

Es fehlt nach wie vor an den abschließenden Markierungen – womit an der Bundesstraße, auf der bis zu 17.600 Fahrzeuge pro Tag gezählt werden, vor allem die Radfahrer in die Röhre gucken. Denn entsprechende Schutzmaßnahmen sucht man auf dem engen Stück Straße zwischen den Einmündungen Burtscheider Straße und Sebastianstraße vergebens. Die Radstreifen, über die Pedaltreter von der Eupener Straße und der Kasinostraße herangeführt werden, enden im Nichts.

Dabei ist es nicht so, als hätte sich die Politik nicht schon mehrfach mit der Frage beschäftigt, wie man die Radfahrer dort am besten schützen kann. Bloß ist bisher nichts Greifbares dabei herausgekommen. Die Krux am Krugen-ofen ist: Legt man auf dem nagelneuen, lärmmindernden Asphalt Schutzstreifen für Radfahrer an, fallen auf einer Straßenseite alle Parkplätze weg – und das wären 35 von insgesamt 70 Stellplätzen. Angesichts des zu erwartenden Protests der ohnehin schon lange Zeit von Baustellen geplagten Anwohner und Geschäftsleute scheut die Politik solch eine Entscheidung.

Stattdessen sollte Tempo 30 eingeführt werden, um die Radfahrer ausreichend zu schützen. Kleiner Schönheitsfehler: Auf Bundesstraßen ist Tempo 30 nur unter ganz engen Vorgaben möglich, etwa aus Sicherheitsgründen vor Kitas, Schulen und Krankenhäusern – die es am Krugenofen aber nicht gibt. Also setzten Politik und Verwaltung vor gut einem Jahr zunächst darauf, dass die Verkehrsministerkonferenz den Kommunen mehr Spielraum für Tempo-30-Zonen einräumt, ehe die Politik dann im Mobilitätsausschuss beschloss, die Verwaltung solle sich bei der Kölner Bezirksregierung für einen entsprechenden „Verkehrsversuch“ stark machen.

Das war im Mai 2016, und passiert ist seitdem: nichts. Der Antrag der Stadt befindet sich offenbar selbst noch im Versuchsstadium. Man hat ihn gestellt, aber eine Entscheidung steht aus. „Die Sache ist ziemlich kompliziert“, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt und betont, dass die Verantwortung für die Hängepartie aber nicht bei der Aachener Verwaltung liege. „Wir fragen immer wieder in Köln nach, haben aber noch keine abschließende Reaktion erhalten.“ Wenn man den Bescheid habe, gehe man damit wieder in den Ausschuss, wo die Politik bislang auch nicht bereit gewesen sei, einen endgültigen Beschluss zu fassen.

Vor allem Letzteres kritisiert Martin Christfreund vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Aachen. „Wir vermissen am Krugenofen wie an vielen anderen Stellen in Aachen, dass man sich klar positioniert.“ Mehrfach hat der ADFC dort dringend um die kurzfristige Einrichtung von Schutzstreifen gebeten, falls eine Tempo-30-Zone nicht zulässig sei – damit es nicht zu vermeidbaren Opfern bei schwächeren Verkehrsteilnehmern komme. „Wir sind wieder vertröstet worden“, kommentiert Christfreund nun den anhaltenden Stillstand, „aber es ist ja fast schon das Übliche, dass man hier fürs Radfahren nichts tut.“

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